Qualifikation für die neue A-Jugend-Eliteklasse geplant Bremer Handballvereine arbeiten zusammen

Bremen. Thomas Gerster, Ralf Fricke und Jörn Franke haben sich vorgenommen, ein Projekt zu stemmen, das dem Leistungs-Handball in Bremen einen gewaltigen Schub geben soll. Sie wollen dafür sorgen, dass sich ein Bremer Team erst für die neue A-Jugend-Bundesliga qualifiziert.
07.04.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Bremer Handballvereine arbeiten zusammen
Von Jürgen Beermann

Bremen. Drei Männer haben sich vorgenommen, ein Projekt zu stemmen, das dem Leistungs-Handball in Bremen einen gewaltigen Schub geben soll. Ihre Namen: Thomas Gerster, Ralf Fricke und Jörn Franke. Ihre Passion: der Handball. Mit vereinten Kräften wollen sie dafür sorgen, dass sich ein Bremer Team erst für die neue A-Jugend-Bundesliga qualifiziert und dann auf Dauer in der höchsten Nachwuchsspielklasse etabliert. Beteiligt an dem Projekt sind bisher die Vereine Hastedter TSV, ATSV Habenhausen und HSG Schwanewede/Neuenkirchen.

Die neue Bundesliga wird es ab der Saison 2011/12 geben, läuft alles nach den Wünschen der drei Wegbereiter, dann ist in einer der vier Zwölfer-Staffeln auch ein Team am Start, das unter dem Namen Handball-Club (HC) Bremen firmiert. Die Voraussetzungen könnten besser kaum sein, dass aus der Vision bald Wirklichkeit wird. Alles hängt natürlich von der sportlichen Qualifikation ab. "Da rechnen wir uns gute Chancen aus", sagt Jörn Franke.

Der Mann muss es am besten einschätzen können, er ist schließlich der Trainer der Spieler, auf deren Schultern die Verantwortung für die Qualifikation lastet. Momentan spielen sie als männliche B-Jugend für den Hastedter TSV in der Oberliga Nordsee. Sie haben bisher alle 16 Saisonspiele gewonnen und stehen vor den letzten Begegnungen heute (18.45 Uhr) beim aktuellen Tabellendritten JSG Wilhelmshaven sowie am Sonntag um 16 Uhr in eigener Halle gegen den Tabellenzweiten TV Bissendorf-Holte bereits als Meister fest. Mindestens ebenso wichtig wie der Titelgewinn ist die Tatsache, dass es dadurch für Jörn Franke und seine Jungs nun zwei Chancen gibt, sich für die zukünftige A-Jugend-Bundesliga zu qualifizieren.

Zwei Wege

Weg 1: Der Hastedter TSV erreicht als Nordseeliga-Meister im Kampf um die norddeutsche Meisterschaft 2010/11 der B-Jugend das Finale. Dazu ist beim Vorrundenturnier am Sonntag, dem 17. April, in eigener Halle mindestens Platz zwei nötig. Gegner sind mit dem niedersächsischen Vizemeister (vermutlich Eintracht Hildesheim, 11 Uhr) und Sachsen-Anhalt-Titelträger SC Magdeburg (15 Uhr) allerdings zwei ganz spielstarke Mannschaften. Halbfinale und Finale um die norddeutsche Meisterschaft finden zwei Wochen später am 1. Mai in Magdeburg statt.

Weg 2: Scheitert der Hastedter TSV im Kampf um den norddeutschen Titel bereits in der Vorrunde oder im Halbfinale, gibt es die zweite Chance bei einer Bundesliga-Qualifikationsrunde am 7./8. Mai in Hannover-Burgdorf. Von den sieben teilnehmenden Teams steigen vier, möglicherweise sogar fünf Mannschaften auf.

Der Sport sei bekanntlich nicht berechenbar, verweist Ralf Fricke auf die Unabwägbarkeiten solcher Turniere, dem ehemaligen Handball-Abteilungsleiter des ATSV Habenhausen ist jedoch ebenso wie seinen Mitstreitern deutlich anzumerken, dass sie von der erfolgreichen Qualifikation "ihrer" Mannschaft für die Bundesliga ziemlich überzeugt sind. Außerdem gilt: "Selbst wenn wir es sportlich diesmal nicht schaffen, werden wir das Projekt durchziehen und im nächsten Jahr einen neuen Anlauf versuchen", sagt das Trio.

Aus der Idee war ein Plan geboren

Einen großen Teil der erforderlichen Hausaufgaben haben sie schon erledigt, seit Thomas Gerster als "geistiger Vater" vor ziemlich genau einem Jahr die Idee hatte. Der Spielerberater, Organisator des Erima-Cups im August mit vier Bundesligisten in der Bremen Arena und bekennender Visionär ("Es ist mein Traum, dass Bremen einmal Standort für einen Herren-Bundesligisten wird") in Personalunion bekam damals als Zuschauer der Aufstiegsspiele zur männlichen A-Jugend-Regionalliga in Woltmershausen eine fixe Eingebung. "Aus den besten zwei, drei Spielern der beteiligten Bremer Mannschaften könnte man ein Team bilden, das das Zeug zu mehr hat", fand Thomas Gerster. Die Idee war geboren. In mehreren Gesprächen registrierte Gerster schnell, "dass die Interessen nicht weit auseinander liegen" und fand innerhalb weniger Wochen Gleichgesinnte. Aus der Idee war ein Plan geboren.

Mittlerweile ist der verwaltungstechnische Bereich längst abgearbeitet. Soll heißen: Am 15. November 2010 wurde der neue Handball-Club Bremen gegründet, Vorsitzender ist Ralf Fricke, seine Stellvertreter heißen Jörn Franke und Thorsten Helfers, der Eintrag ins Vereinsregister ist erfolgt, das Finanzamt hat die Gemeinnützigkeit bescheinigt und die Aufnahmen in den Bremer Handball-Verband sowie den Landessportbund sind geregelt.

Auch die Regularien für die Erteilung des Bundesliga-Spielrechts wurden geklärt. Da die Statuten des Deutschen Handball-Bundes (DHB) keine Spielrechts-Übertragung vom Hastedter TSV auf den neuen HC Bremen erlauben, zogen die Verantwortlichen Plan B aus der Schublade. Nur für die kommende Saison wird im männlichen Bereich eine Jugendspielgemeinschaft (JSG) gegründet, der der HC Bremen, Hastedter TSV, ATSV Habenhausen und HSG Schwanewede/Neuenkirchen angehören und die nur in der A-Jugend umgesetzt wird. Auf diese Weise ist es möglich, eine vom Hastedter TSV erkämpfte Bundesliga-Qualifikation später vom HC Bremen nutzen zu dürfen.

"Die Spieler bleiben natürlich Mitglieder ihrer Stammvereine"

"Die Konstruktion der Jugendspielgemeinschaft ist nur für ein Jahr erforderlich und wird danach wieder aufgelöst", erklärt Thomas Gerster, "die Spieler bleiben natürlich Mitglieder ihrer Stammvereine." Ohnehin legen Gerster, Fricke und Franke großen Wert auf die Feststellung, dass der HC Bremen mit seiner leistungsorientierten Struktur keine Konkurrenz zum Breitensport-Handball in den anderen Vereinen der Hansestadt und des niedersächsischen Umlandes sein soll. Im Gegenteil: Vielleicht gebe es dadurch sogar wichtige neue Impulse und man könne die besten Talente länger an Bremen binden als es sonst möglich sei.

In den drei beteiligten Vereinen wurde das Vorhaben ebenfalls positiv bewertet, berichtet Jörn Franke. "Sie wissen, dass sie etwas abgeben, aber sie bekommen dafür möglicherweise auch starke Spieler für den Herrenbereich zurück. Wir wollen die Jungen nämlich so ausbilden, dass sie bei den Herren Regionalliga-Niveau oder höher erreichen." Und Ralf Fricke verweist auf den wirtschaftlichen Aspekt: "Die Verantwortlichen aller drei Vereine haben die Einsicht, dass ein einzelner Verein nicht in der Lage ist, so etwas finanziell zu wuppen."

"Blindflug" in der ersten Saison

Gemeinsam trauen sie es sich indessen zu, auch den wirtschaftlichen Aufwand zu stemmen. "Wenn wir die Bundesliga erreichen sollten, starten wir in der ersten Saison einen Blindflug", kann das Trio derzeit nur ungefähr einschätzen, welchen finanziellen Aufwand man betreiben muss. Gleichwohl wurde bereits begonnen, mögliche Sponsoren zu gewinnen, "um aus wirtschaftlicher Sicht schon vorher ein Maximum auf die Beine zu stellen". Auch in puncto Finanzierung denken die drei Macher längerfristig.

Die Bundesliga-Zugehörigkeit des HC Bremen soll keine Eintagsfliege sein, bereits vorher haben sich Gerster, Fricke und Franke Gedanken über die Nachhaltigkeit gemacht. "In den Geburtenjahrgängen 1993 bis 1998 haben wir in Bremen im männlichen Bereich viele starke Handballer", ist das Trio sicher, "da sind viele Spieler dabei, die das Potenzial haben, die Bundesliga in den nächsten fünf Jahren sportlich zu sichern."

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