Sport-Etat-Verdopplung gefordert Bremer Landessportbund-Boss will mehr Geld

Aber LSB-Präsident Andreas Vroom befürchtet zum Auftakt der Haushaltsverhandlungen schlechte Nachrichten. Der Vergleich mit dem Kultur-Etat sorgt für Verwunderung.
11.02.2020, 07:52
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Bremer Landessportbund-Boss will mehr Geld
Von Mathias Sonnenberg

Bei Andreas Vroom ist von Anspannung nichts zu spüren. „Wir haben unsere Forderungen mehrmals hinterlegt“, sagt er als Präsident des Bremer Landessportbundes (LSB). Jetzt sei man gespannt, wie viel Geld der Sport in Bremen künftig zur Verfügung habe. Es geht um die Haushaltsberatungen der Bremer Koalition, die am Montag von den Staatsräten geführt wurden und die der Senat an diesem Dienstag fortsetzt. „Wir wünschen uns eine Verdopplung des Sport-Haushalts“, sagt Vroom, „daran halten wir fest.“ In Zahlen ausgedrückt wären das 15 Millionen Euro, die Sport-Senatorin Anja Stahmann dann zur Verfügung hätte.

In ihrer Behörde geht man allerdings nicht davon aus, dass sich die LSB-Forderung umsetzen lässt. „Eine Verdopplung sei nicht zu erwarten“, hieß es am Montag auf Anfrage. Vroom ahnt das bereits. „Wir warten auf die endgültigen Zahlen. Aber wenn ich auf die Summen aus den anderen Ressorts schaue, bleibt zu erwarten, dass der Sport mal wieder hintenüberfällt.“ Das klingt dann schon ein wenig resigniert. Vroom ist jetzt im sechsten Jahr LSB-Präsident, immer wieder habe er gehört, dass sich Anja Stahmann für den Sport und die Standortentwicklung in Bremen starkmache. „Aber mit warmen Worten kriegen wir den Sport in Bremen nicht saniert. Dafür brauchen wir mehr Geld.“

In einem Interview mit dem WESER-KURIER hatten zuletzt Horst Neumann und Sebastian Stern von Bremen 1860 die mangelnde Sportförderung im Vergleich zur Kultur kritisiert. „Es sind schon Tiefschläge, wenn man sieht, welche Mittel die Kultur einwirbt und wie die Pro-Kopf-Förderung für Kultur im Vergleich zum Sport aussieht“, sagte Stern, mit Neumann zusammen Geschäftsführer bei Bremens zweitgrößtem Sportverein. „Es ist gut, dass dieses Tabuthema angesprochen wird“, sagt Vroom, der aber davor warnt, jetzt eine Neid-Debatte anzuzetteln. „Mein Vorgänger hat schon gesagt, dass es Bremen nicht reicher macht, wenn man zwei Ressorts gegeneinander ausspielt.“

Aber ein Blick auf die Haushaltszahlen für Kultur und Sport ist schon interessant. So wurden 2018 für die Theater Bremen GmbH, zu der das Theater am Goetheplatz, das Schauspielhaus, Brauhaus und Brauhauskeller gehören, knapp 30 Millionen Euro ausgegeben für 168 500 geplante Besuche. Das waren im Schnitt 180,46 Euro Zuschuss pro Theaterbesuch. Die Schwankhalle Bremen, eine im Buntentorsteinweg beheimatete Spiel- und Produktionsstätte für die freien darstellenden Künste, wird jährlich mit 750 000 Euro bezuschusst für 9000 Besucher – ergibt eine Fördersumme von 83,33 Euro pro Besucher. Eine Zahl, die auch Vroom nicht so ganz kalt lässt. „Wenn im Sport unsere Veranstaltungen so bezuschusst würden, könnten wir uns wohl goldene Hallen bauen.“

Im Bremer Sport kursiert deshalb eine Vergleichsrechnung. Das Sportbudget ohne die Bäder Bremen betrug zuletzt 7,5 Millionen Euro jährlich. Bei 125 500 Sportlern und Sportlerinnen in Bremen mit 45 Sportwochen und durchschnittlich etwa eineinhalb Sportstunden kämen somit 8 437 500 Besucher pro Jahr in die Bremer Sportstätten. Das wäre eine Fördersumme 0,88 Euro pro Stunde pro Sportler.

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Eine Rechnung, die in der Behörde von Sportsenatorin Stahmann als nicht fair eingestuft wird. Denn zu den 7,5 Millionen Euro Sportförderung kämen noch die Kosten für mehr als 100 Sport- und Schulturnhallen, die Unisporthallen und die Bremer Bäder. Würde man die laufenden Kosten, die dort entstehen, in den Sportetat einrechnen, käme man sehr schnell in ganz andere Größenordnungen.

Vroom erhofft sich auch eine Steigerung für die Zuschüsse im leistungsorientierten Sport. Das waren zuletzt 107 500 Euro jährlich. Zu wenig, sagt der LSB-Präsident, denn in Bremen werde derzeit mit viel Kraft am Haus der Athleten gewerkelt, das im Sommer einzugsbereit sein soll. Sportsenatorin Stahmann hatte zuletzt einen jährlichen Zuschuss von 50 000 Euro in Aussicht gestellt. Ein Anfang, insgesamt rechnen die Initiatoren mit Kosten von bis zu 400 000 Euro jährlich. Vroom weiß, dass das viel Geld ist, und schlägt einen anderen Weg vor. „Es wäre ja auch möglich, die pädagogischen Anforderungen für ein Haus der Athleten anders zu bemessen, um so bei der Betreuung Kosten zu sparen.“

Bei all den strengen Haushaltsplänen des Bremer Senats gab es am Montag aber auch positive Meldungen für den Sport in Deutschland und damit wohl auch in Bremen. Der Bund will vom kommenden Jahr an Tausende von Sportstätten in Deutschland sanieren, modernisieren oder neu bauen. Dafür soll ein Sportstätteninvestitionsprogramm aufgelegt werden. „Nach meinen Informationen werden entsprechende Mittel in den Haushaltsplanentwurf für 2021 von Bundesinnenminister Horst Seehofer eingesetzt“, sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag.

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