Lotto-Pokal-Sieger trifft auf Mönchengladbach

Blumenthaler SV möchte den FC Oberneuland ärgern

Beide Finalisten des Bremer Lotto-Pokals sind nur noch einen Sieg vom DFB-Pokal-Duell mit dem Bundesligist Mönchengladbach entfernt. Der Außenseiter Blumenthal wittert gegen den FCO durchaus seine Chance.
21.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Blumenthaler SV möchte den FC Oberneuland ärgern

Blumenthals neuer Trainer Steffen Dieckermann ist bekennender Fan von Borussia Mönchengladbach. Früher hat er in Klubbettwäsche geschlafen, am Samstag könnte er ein reales Treffen mit seinem Lieblingsbundesligaverein in die Wege leiten. Dann allerdings müsste der Bremen-Ligist aus Bremen-Nord den Regionalligisten FC Oberneuland bezwingen.

Christian Kosak

Über die Bedeutung der Partie gibt es keinen Zweifel. Der Sieger des Lotto-Pokal-Finales zwischen dem Blumenthaler SV und dem FC Oberneuland (Sbd., 17.45 Uhr) wird einen der wichtigsten Titel im Bremer Amateurfußball gewinnen. Das ist bereits ein sehr ordentlicher Anreiz, und so werden sich auf der Sportanlage am Oberneulander Vinnenweg zwei ziemlich motivierte Mannschaften gegenüberstehen.

Aber es ist nicht alles: Weil das Endspiel angesichts der Corona-Pandemie nicht wie geplant im Mai ausgetragen werden konnte, wurde mittlerweile der DFB-Pokal ausgelost. Erstmals in der Geschichte des Bremer Cup-Wettbewerbs steht deshalb vorm Finale fest, auf wen der Bremer Titelträger in der 1. Runde des großen Pokals am Wochenende des 12./13. September treffen wird. Es ist Borussia Mönchengladbach, Teilnehmer an der kommenden Champions-League und einer der populärsten Vereine überhaupt.

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Man muss nicht einmal besonders lange suchen, um einen Anhänger zu finden. „Ich habe früher sogar in Borussia-Bettwäsche geschlafen“, sagt Steffen Dieckermann, Trainer des Blumenthaler SV. Heute mag er es neutraler, aber die Liebe zu Mönchengladbach ist geblieben: „Ich bin seit 1979 ein Fan.“ Früher fuhr er regelmäßig an den Niederrhein, um die Heimspiele „seines Vereins“ zu erleben; der letzte Besuch im Borussia-Park liegt auch erst zwei, drei Jahre zurück. Dafür fand ein Trümmer-Stein des abgerissenen Bökelberg-Stadions einen Platz im Wohnzimmer der Dieckermanns. Es ist demnach kein Wunder, dass der Blumenthaler Trainer mit einem Duell gegen Borussia Mönchengladbach nicht weniger als einen „Traum“ verbindet.

Doch was bedeutet das für die Partie gegen den FC Oberneuland? Nun, vermutlich wird Steffen Dieckermann noch ein bisschen komischer werden in den Stunden vorm Spiel. Das ist ja schon bei einer ganz normalen Partie so. „Die Jungs sagen immer, ich habe einen am Dach“, bekennt der Trainer lachend. Vor einem Spiel sei er jedenfalls „nicht mehr zu gebrauchen“. Der Trainer bringt dann Klebezettel mit Spielideen im gesamten Haus an, beschäftigt sich mit der anstehenden Aufgabe und denkt „echt viel nach“. Das alles aber nicht aus Nervosität.

Eine positive Anspannung

„Es ist eine positive Anspannung, ich habe einfach Bock auf das Spiel“, sagt der Trainer. Aber gilt das auch für seine Spieler? Oder besteht vielleicht die Gefahr, dass der mit Außenseiter-Chancen versehene Bremen-Ligist angesichts der Aussicht auf Mönchengladbach verkrampft? „Pokalsieger zu werden, ist eine tolle Geschichte, und deshalb ist das Gladbach-Spiel auch kein Thema“, betont Steffen Dieckermann.

Sein Kapitän sieht es ganz ähnlich. „Der Pokalsieg ist wichtiger als ein Spiel gegen Mönchengladbach“, sagt Kilian Lammers. In den Tagen vorm Finale habe der Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals innerhalb des Teams auch keine Rolle gespielt: „Wir haben eine lässige Stimmung und reden nicht über den DFB-Pokal, weil wir wissen, wie schwer es schon gegen den FCO wird.“ Nun sollte aber niemand glauben, die Blumenthaler würden die Partie am Samstag schon vorm Anpfiff verloren geben. „Ich sehe unsere Chancen nicht so schlecht“, sagt Lammers. In diesem einen Spiel könne eben eine Menge passieren, und zudem läge der Druck ja beim favorisierten Gegner.

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Dabei kommt Lammers diesmal nicht nur die Rolle des Kapitäns zu – er wird mit seiner kleinen Familie auch das Empfangskomitee in Oberneuland bilden. Dort ist der Stürmer schließlich aufgewachsen, und dort wohnt er nach der Rückkehr von der Ausbildung in Köln erst einmal wieder mit Freundin und Kind im Haus der Eltern. „Wir treffen uns bei mir und fahren dann gemeinsam die fünf Minuten zum Stadion“, sagt der Blumenthaler Spielführer.

„Es werden aber Bananen bereit liegen“

Einen Begrüßungscocktail hat er jedoch nicht vorgesehen: „Es werden aber Bananen bereit liegen.“ Ob sein Oberneulander Kollege ebenfalls energiereiche Früchte anbieten wird, ist nicht bekannt. Aber auch Clemens Schoppenhauer sieht mit der Aussicht auf das so beliebte Kräftemessen mit einem Bundesligisten kein Problem. „So weit denke ich nicht, denn wir haben erst noch das Spiel gegen Blumenthal zu bestreiten“, sagt der Kapitän des FC Oberneuland.

Ihm geht es wie Lammers: Der DFB-Pokal kommt lediglich „on top“, spielt derzeit aber keine wesentliche Rolle. „Ich habe bislang auch nicht das Gefühl, dass unsere Spieler das anders sehen, sonst müsste ich gegensteuern“, so Schoppenhauer – in der Kabine des FCO ist Borussia Mönchengladbach also kein Thema. Für den Kapitän des Favoriten geht es in diesen Tagen – also auch im Spiel gegen den Blumenthaler SV – vielmehr um die Entwicklung seiner Mannschaft.

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Angesichts der voraussichtlich in zwei Wochen startenden Regionalliga müsse das Team sich „Schritt für Schritt weiteres Selbstvertrauen holen“. In der Bremen-Liga war die Mannschaft sehr souverän aufgetreten, hatte wenig Rückschläge zu verkraften. Damit ist in der vierthöchsten Spielklasse nicht zu rechnen. „Dort kann es uns definitiv passieren, dass wir einen Rückstand kassieren, und dann müssen wir weiter darauf vertrauen, was wir können“, so Schoppenhauer.

So gesehen ist das bedeutsame Finale auch ein Vorbereitungsspiel – inklusive einer gewissen Stolpergefahr. „Aber wenn wir unsere Hausaufgaben machen, bin ich guter Dinge – das muss auch unser Anspruch sein“, sagt Clemens Schoppenhauer.

Info

Zur Sache

Zuschauer gibt's nur auf Sitzplätzen

Stehen ist nicht: Der Bremer Fußball-Verband (BFV), Ausrichter des Lotto-Pokal-Finales zwischen dem Blumenthaler SV und dem FC Oberneuland (Sbd., 17.45 Uhr), macht klare Vorgaben. Von den knapp 1000 Sitzplätzen im Stadion am Vinnenweg sind lediglich 250 freigegeben. Der Rest bleibt angesichts der gültigen Abstandsregeln ungenutzt, und Stehplätze wird es gar nicht geben. „Damit bleiben wir unter den derzeit möglichen 400 Beteiligten“, sagt Jens Dortmann, BFV-Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter.

Seiner Auskunft nach gingen jeweils 54 Karten an die beteiligten Vereine, knapp 150 Karten vergab der BFV in Eigenregie. Die Kapazität von nahezu 400 Menschen auf der Anlage wird schließlich durch die beteiligten Mannschaften, deren Offizielle, das Orga-Team, Medienvertreter und Ordner erreicht. Auf Letztere wird die Überwachung der Abstandregeln und Hygienemaßnahmen übertragen: Zutritt wird nur mit ausgefülltem Kontaktbogen und einem Mund-Nasen-Schutz gewährt, ausschließlich die gekennzeichneten Plätze dürfen besetzt werden.

Angesichts der Live-Übertragung in der ARD („Finaltag der Amateure“) würden alle Blicke auf den Amateurfußball gerichtet sein, betont Dortmann. Die Veranstaltung sei deshalb auch ein „großer Probelauf“. Probleme erwartet der Geschäftsführer aber nicht: „Wir werden alles im Griff haben.“

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