Vorjahressieger Oliver Sebrantke Bremer Marathon ist ein Heimspiel

Bremen. Kein Ort für eine Bestzeit: Die Bremer Marathon-Strecke hat mehrere Steigungen und enge Kurven. Doch die Zeit spielt für Oliver Sebrantke, den Gewinner von 2011, sowieso nur eine untergeordnete Rolle.
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Von Maike Schlaht

Bremen. Kein Ort für eine Bestzeit: Die Bremer Marathon-Strecke hat neben mehreren Steigungen auch einige enge Kurven. Doch die Zeit spielt für Oliver Sebrantke, den Gewinner von 2011, sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Der 8. SWB-Marathon am Sonntag ist eine Art Heimspiel für den 36-jährigen Hobbyläufer vom LC Hansa Stuhr.

Als Oliver Sebrantke im vergangenen Jahr nach zwei Stunden, 35 Minuten und 55 Sekunden die Ziellinie am Bremer Rathaus erreicht, ist er allein. Von Verfolgern keine Spur, die nächsten Läufer kommen erst zehn Minuten später durchs Ziel. Sebrantke gewinnt den 7. SWB-Marathon. Zwar nicht mit einer Bestzeit – doch das macht dem 36-Jährigen nichts aus. Sein Ziel ist es, zu gewinnen, sagt er. Die Zeit spielt für ihn nur eine Nebenrolle. "Die Strecke in Bremen ist für eine Bestzeit auch nicht ausgelegt." Sie hat viele enge Kurven und an Weser-nahen Orten wie der Schlachte ist es meist windig. Nicht zu vergessen die Steigungen, die man im Norden nicht unbedingt erwartet. "Im Gegensatz zu Frankfurt oder Berlin ist Bremen sehr hügelig." Die Marathonläufer müssen mehrere Brücken und das Weserwehr überqueren sowie die Steigung am Weserstadion bewältigen. Das kostet Zeit.

Für Sebrantke, der für den LC Hansa Stuhr startet, ist der Bremer Marathon sein "Heimatmarathon". An der Strecke wird er viele bekannte Gesichter sehen. Auch wenn er beim Wettkampf hoch konzentriert ist und die Stirn die meiste Zeit in Falten liegt: "Es motiviert unheimlich, wenn ich alle zehn Meter meinen Namen zugerufen bekomme."

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Die Strecke in Bremen, meint Sebrantke, sei speziell im Vergleich zu größeren Städten wie Berlin oder Hamburg. "Weil man auch ruhige Streckenabschnitte hat." Das Unigelände zum Beispiel oder den Rhododendron-Park. Sebrantke kommt das sehr entgegen, er genießt die ruhigen Abschnitte, kann sich dort ganz auf seinen Rhythmus konzentrieren. "Ich bin dann in meinem Tunnel." Ein Freund, erzählt er und lacht, habe ihm mal gesagt, er würde beim Laufen aussehen, als ob er kleine Kinder äße.

Auch wenn er sich auf seinen sechsten Marathon in Bremen freut – das Highlight des Jahres hat Sebrantke bereits erlebt. Im August ist er im tschechischen Zittau Europameister bei den Senioren geworden. Seine Zeit: 2:27 Stunden. Bremen, das ist für ihn "der Zuckerguss darauf". Er will dort vor allem Spaß haben. Der SWB-Marathon wird bei ihm auch den Abschluss der Saison einläuten. Danach kommt für den Hobbyläufer nur noch der Marathon in Oldenburg. "In Bremen werde ich besser laufen", das weiß Sebrantke jetzt schon. Es wird sein 30. Marathon sein.

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Vor zehn Jahren hat der Stuhrer an seinem ersten Marathon teilgenommen. In Hamburg. Ein Tag, an den er nur ungern zurückdenkt. Er schaffte die 42,195 Kilometer – doch er hatte Krämpfe, blutige Füße und danach erst mal "die Schnauze voll" vom Laufen. Bis er vier Jahre später die Schmerzen vergessen hatte und sich 2006 auf seinen ersten Marathon in Bremen vorbereitete, diesmal mit dem richtigen Training. Prompt konnte er sich um mehr als eine halbe Stunde auf 3:13 Stunden steigern. Ein Jahr später, "ich hatte Blut geleckt", erreicht er in Bremen das, was viele Läufer die "magische Grenze" nennen: den ersten Marathon unter drei Stunden.

Sebrantke ist schon in Athen gelaufen, in Paris und auf Mallorca. Oft hängt er noch eine Woche Urlaub hinten dran. London steht noch auf seiner persönlichen Wunschliste – "die lassen leider nur wenige Ausländer mitlaufen" – und natürlich New York. "Aber das erst, wenn ich nicht mehr so ambitioniert laufe." Das Schöne am Marathon laufen sei, dass man überall Gleichgesinnte treffe. In Antalya Anfang März hat der Norddeutsche fünf Läufer aus Essen kennengelernt – sie starten jetzt auch in Bremen und übernachten bei Sebrantke.

Am SWB-Marathon hat Sebrantke, der in seinem Verein auch einige Läufer auf ihr Marathon-Debüt vorbereitet hat, eigentlich nur eine Sache zu bemängeln: "Es gab letztes Jahr zu wenig Toiletten." In diesem Jahr sollen doppelt so viele auf dem Domshof aufgestellt werden. Das jedenfalls versprach Organisator Utz Bertschy.

Start und Ziel am Bremer Roland

Mehr als 6000 Menschen aus über 50 Nationen haben sich für den 8. SWB-Marathon angemeldet. Ein Drittel von ihnen sind Frauen, zwei Drittel Männer. Der älteste Teilnehmer ist 78 Jahre alt, die meisten bewegen sich im Bereich zwischen 25 und 55 Jahren. Einen Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gibt es auf der Marathon-Distanz: 1320 Läufer gehen um 9.45 Uhr auf dem Bremer Marktplatz an den Start, um die rund 42 Kilometer zu absolvieren. Für den Halbmarathon, der um 11.25 Uhr ebenfalls am Roland beginnt, haben sich im Vorfeld 2822 Männer und Frauen angemeldet. Bereits um 9.35 Uhr starten auf dem Marktplatz die Zehn-Kilometer-Läufer. Der Zieleinlauf befindet sich wie der Start am Roland. Dort findet um 13.15 Uhr auch die Siegerehrung für die Top 3 aller Distanzen statt.

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