Blumenthaler SV gegen Bremer SV Bremer Pokalfinale: „Es wird ein sehr emotionales Spiel“

Die Trainer Fabrizio Muzzicato (Bremer SV) und Michel „Mitch“ Kniat (Blumenthaler SV) stehen sich am Sonnabend (14.30 Uhr) im Bremer Landes-Pokalfinale gegenüber. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit.
26.05.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye

Fabrizio Muzzicato und Michel „Mitch“ Kniat stehen sich am Sonnabend (14.30 Uhr) im Bremer Landes-Pokalfinale gegenüber. Der Partner von Klaus Gelsdorf im Trainerteam des BSV und der Blumenthaler Spielertrainer haben allerdings eine gemeinsame Vergangenheit. Sie trugen 2012/13 das Trikot des FC Oberneuland.

Wer gewinnt das Pokalfinale?

Kniat: Wir, ganz klar.

Warum?

Kniat: Wir haben jetzt drei Jahre hart gearbeitet und das Gefühl, dass wir einfach mal dran sind. Wenn wir jetzt einen guten Tag haben, gehe ich davon aus, dass es reicht.

Sind Sie der gleichen Ansicht, Fabrizio Muzzicato?

Muzzicato: Ich bin insofern der gleichen Ansicht, als dass Blumenthal wirklich hart gearbeitet hat. Aber ich bin auch von unserer Mannschaft überzeugt, und wenn wir einen guten Tag erwischen, ist es verdammt schwer, uns zu schlagen. Die Duelle in der Liga waren ziemlich ausgeglichen, weil Blumenthal halt Qualität hat. Aber am Ende sind wir die stärkere Mannschaft.

Das Ligaspiel im April endete 2:2, vor rund zwei Wochen gewann Blumenthal 3:1. Welche Rolle spielen diese Partien?

Kniat: Sie sind nicht so viel wert. Die Tagesform entscheidet.

Sind die Mannschaften tatsächlich auf einem Niveau?

Muzzicato: An einem guten Tag haben sie schon ein ähnliches Niveau. Eine ganze Saison mit 30 Spielen, das ist schon etwas anderes. Aber im Finale herrscht eben eine gewisse Drucksituation. Da ist es immer die Frage, wer mit diesem Druck besser umgehen kann.

Wenn beide Teams in etwa auf einem Niveau sind – wieso hatte der Bremer SV in der Liga am Ende acht Punkte Vorsprung?

Kniat: Weil sie einfach die bessere Saison gespielt haben. Wenn einer Meister wird, hat er das zu 100 Prozent verdient, egal mit welchem Vorsprung.

Haben Sie bereits eine Erklärung für das verlorene Meisterrennen?

Kniat: Wir hatten unsere schlechte Phase zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Dann ist der komplette Kader des Bremer SV das Maß der Dinge. Da sitzen Leute auf der Bank, die drei, vier Jahre in der Regionalliga gespielt haben. Diese Spieler haben wir nicht. Unser Vorteile ist die Geschlossenheit, und ich glaube auch, dass wir das fittere Team sind.

Blumenthal setzt auf das Team. Was bedeutet das für den Bremer SV?

Muzzicato: Blumenthals Spieler kennen sich seit der Kindheit, alle haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander, und Mitch macht das sehr gut. Wir hatten am Anfang Probleme, das war normal bei so vielen neuen Spielern. Das braucht seine Zeit. Und die Meisterschaft hat alle noch enger zusammengeschweißt.

Sie können gut dagegen halten?

Muzzicato: Ich glaube, dass wir uns im physischen Bereich noch gesteigert haben. Wir werden elf Spieler auf dem Platz haben, die 90 Minuten lang Fußball spielen können.

Ist der Druck beim Bremer SV höher, weil man die Einnahmen aus dem DFB-Pokal wegen der Regionalliga-Ambitionen benötigt?

Muzzicato: Was den Verein anbetrifft, darf die Spieler und mich als Trainer vor dem Finale nichts anderes interessieren. Es geht um ein Spiel, das wir gewinnen wollen. Von allen anderen Dingen muss man sich freimachen, auch vom finanziellen Aspekt.

Ist es auf der anderen Seite ein Vorteil des Blumenthaler SV, nicht so sehr zu müssen? Oder muss Ihre Mannschaft auch, weil Sie gesagt haben: Einen Titel holen wir?

Kniat: Wir haben ja den Hallentitel gewonnen. Aber der ist schon wieder Schnee von gestern und interessiert nicht mehr. Druck haben beide Mannschaften. Wir haben mit keinem geredet, wie viel Geld das Team bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass das beim Bremer SV von vornherein jeder weiß.

Wir können ja mal den Trainer fragen?

Muzzicato: Das ist Sache der Mannschaft. Mich interessiert das nicht. Ich erwarte, dass wir ein gutes Fußballspiel abliefern. Ob wir dann in zwei, drei Monaten im DFB-Pokal stehen, ist nebensächlich. Aber ganz ehrlich: Blumenthal hat doch auch Druck. Mitch und Peter Moussalli (Sportlicher Leiter, Anm. der Red.) geben seit zwei, drei Jahren das Ziel aus. Man muss auch ehrlich sagen, dass sie es mal verdient hätten. Wenn man dann aber zum dritten Mal scheitern würde, wäre das schon ein hartes Brot.

Ist ein Pokalsieg für die Entwicklung des Blumenthaler SV notwendig?

Kniat: Wir haben vor zwei, drei Jahren das Ziel ausgegeben, irgendwann einen Titel gewinnen zu wollen. In der Liga waren wir zunächst Achter, letztes Jahr Dritter, und nun sind wir Zweiter geworden. Im Pokal waren wir vor zwei Jahren auch im Finale und letztes Jahr im Halbfinale. Ein Sieg in diesem Jahr wäre sicher der perfekte Zeitpunkt. Ich sage: Spieler und auch Trainer werden an Titeln gemessen. So etwas hast du schwarz auf weiß, das kann dir keiner nehmen.

Ist das im Amateurfußball auch so?

Kniat: Ich glaube, für die Spieler des Bremer SV ist es nichts Besonderes, wenn sie Meister werden. Das ist es für die Spieler von Bayern München auch nicht. Aber frag mal nach bei Kaiserslautern, die 1999 als Aufsteiger deutscher Meister wurden. Das vergisst keiner. Bei uns ist es so: Wenn ich sage, keiner bekommt Geld, dann ist das so. Die Spieler der 15 anderen Bremen-Ligisten bekommen ja auch kein Geld, gehen aber alle mit einem Umschlag nach Hause. Deshalb bekomme ich auch keine neuen Spieler von irgendwoher. Das akzeptiere ich. Aber ich weiß: Wenn wir jetzt mit Blumenthal den Titel holen, ist das so hoch anzusiedeln wie damals der Sieg von Vegesack gegen Oberneuland.

Wenige Tage nach dem Finale tritt der Bremer SV in der Relegation zur Regionalliga an. Wie wird er abschneiden?

Kniat: Für mich ist es erst einmal eine Frechheit, dass der Meister nicht direkt aufsteigt. Dann soll man lieber zwei, drei Klubs mehr absteigen lassen. Deshalb hoffe ich, dass der Bremer SV die Relegation schafft.

Wie wichtig wäre ein Aufstieg des Konkurrenten für die eigenen Ambitionen?

Kniat: Ich hätte den Bremer SV auch gern als Konkurrenten in der Bremen-Liga, genauso wie den FC Oberneuland, der nun dazu kommt. Ich spiele lieber gegen solche Gegner als gegen Mannschaften, gegen die man zehn, zwölf oder 15 Tore macht. Das hat nichts mit Fußball zu tun. Trotzdem gönne ich es dem Bremer SV.

Wie wichtig ist das Finale für die Relegation?

Muzzicato: Klar wäre es eine Enttäuschung, wenn wir nicht gewinnen. Aber man kann daraus natürlich eine Motivation ziehen.

Die Duelle zwischen Ihren Mannschaften sind sehr emotional. Warum kracht es immer wieder?

Muzzicato: Ich habe Blumenthal oft erlebt, und man muss sagen: Sie ziehen eine gewisse Stärke aus ihrer verbalen Motivation. Der Bremer SV ist da anders. Ich habe gerade erst gelesen, dass wir auch Fairplay-Sieger geworden sind. Es kann hitzig werden, aber wir sind alle Sportsleute. Da bleibt nichts hängen.

Kniat: Ich habe im Halbfinale des letzten Jahres einen entscheidenden Elfmeter verschossen und war dann nach dem Spiel in der BSV-Kabine. Aber es wird ein sehr emotionales und aggressives Spiel.

Muss man die Spieler vorher bremsen?

Kniat: Das Schlimmste ist, wenn man frühzeitig eine Rote Karte bekommt. Das kann man ihnen 100-mal sagen, aber du weißt nie, wie einer reagiert. Auf dem Platz bin ich eines der größten Arschlöcher. Das ist einfach so, aber es ist nun mal meine Art, Fußball zu spielen. Wenn ich nur bei 40 Prozent spiele, kann ich nicht einmal in der Kreisliga antreten. Ich mache alles über die Einstellung. Das gilt genauso für meine Mannschaft.

Muzzicato: Unsere Mannschaft ist nicht dafür bekannt, dass man sie bremsen muss. Aber es ist natürlich auch für uns ein besonderes Spiel. Da musst du schon 90 Minuten voll da sein.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

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Zudem liefern der Sportbuzzer eine Rund-Um-Berichterstattung von dem Bremer Pokalfinale.

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