Bremer Radsportlerin Carolin Schiff

Radsport: Mit 34 Jahren der erste Profivertrag

Die Bremer Radsportlerin Carolin Schiff fährt ab Januar für das Team von Andy Schleck. Nach einem Event im Februar in Dubai und weiteren Rennen im Frühjahr hofft Schiff auf die Teilnahme beim Giro d’Italia.
22.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Radsport: Mit 34 Jahren der erste Profivertrag

Voller Vorfreude: Carolin Schiff hat mit 34 Jahren ihren ersten Profivertrag unterschrieben.

Christina Kuhaupt

Er zählt zu den großen Namen im internationalen Radsport, aus gutem Grund: Andy Schleck gewann 2009 den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich und im Jahr darauf die Tour de France. Es ist also kein Wunder, dass sich auch die Radsportlerin Carolin Schiff gern mit dem berühmten Luxemburger austauschen würde. „Und nun wird es bald so weit sein“, sagt die 34-Jährige. Es gibt nämlich einen guten Grund für ein Treffen zwischen dem ehemaligen Toursieger und der Bremerin: Andy Schleck unterhält seit einigen Jahren ein eigenes Frauen-Radsportteam mit Namen Cycles-Immo Losch, und in der kommenden Saison wird Carolin Schiff für diese Mannschaft starten. Sie findet: „Das ist eine gute Chance.“ Was fast schon ein wenig zu nüchtern klingt für diese Personalie. Denn für Cycles-Immo Losch wurde unlängst eine Profi-Lizenz beantragt. Man zählt damit zu den rund 20 Kontinental-­Teams, die gemeinsam mit acht World Tour-Teams um Platzierungen bei internationalen Rennen kämpfen.

„Ich werde nicht Profi, um Geld zu verdienen“

Aus der Perspektive von Carolin Schiff bedeutet das: Sie ist nun ein Radsport-Profi. Nur sollte man das nicht falsch verstehen. Mit diesem Status ist im Fall der Bremerin nicht das große Geld verbunden. „Profi wird man eigentlich, um Geld zu verdienen, ich allerdings nicht“, sagt Schiff. Sie möchte nicht genau verraten, wie die Unterstützung durch das neue Team aussieht. Man darf allerdings davon ausgehen, dass Carolin Schiff weiterhin ihr Material gestellt bekommt – das war beim alten Team Maxx Solar Lindig, einer bekannten deutschen Amateurmannschaft, auch nicht anders gewesen. Ansonsten könnte bei den kommenden Profi-Rennen die ein oder andere Prämie drin sein.

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Ganz allgemein ist der Frauen-Radsport aber nicht dafür bekannt, seine Protagonistinnen übermäßig üppig zu entlohnen. „Es ist nicht so schön, wie es aussieht“, findet Carolin Schiff und verweist auf eine „aktuelle Studie“. Danach müssten 25 Prozent aller weiblichen Profis sogar noch für die eigenen Kosten aufkommen. Aber wie gesagt: Ums Geld geht es Carolin Schiff nicht. Sie hat vielmehr den Rennkalender der kommenden Monate im Blick und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Es gibt eine realistische Chance auf Rennen, von denen Schiff bislang allenfalls träumen durfte. Im kommenden Februar geht es los mit einem Event in Dubai. Es folgen die Frühjahrs-Klassiker in Belgien und den Niederlanden, ehe mit der Thüringen-Rundfahrt ein bekanntes Rennen auf dem Programm steht. Später folgen ein Wettbewerb in der Schweiz sowie der Giro d’Italia für Frauen. „Da wollte ich schon immer mal hin“, sagt Carolin Schiff.

Sie weiß, dass die Chancen auf einen Einsatz beim Giro gut stehen. Als Bergspezialistin dürfte sie bestens klarkommen. Aber erst einmal geht es nur um die Möglichkeit auf interessante Einsätze. Denn neben Schiff, der einzigen Deutschen bei Cycles-Immo Losch, treten noch 14 Fahrerinnen aus aller Welt im neuen Team an – zu den einzelnen Rennen fahren allerdings nur acht. Das volle Programm wartet also mit großer Sicherheit nicht auf die Bremerin. Zumal derzeit überhaupt nicht klar ist, ob die Corona-Pandemie alle Wettbewerbe zulassen wird.

Noch kein Ort für das erste Kennenlernen

Im Grunde genommen steht nicht einmal fest, dass Carolin Schiff im Januar ins Trainingslager des neuen Teams reisen wird – bislang wurde noch kein Ort für das erste Kennenlernen ausgewählt. Aber das alles kann nichts daran ändern, dass Schiff sich auf die Zeit als Profisportlerin freut. Und wer weiß: Womöglich ist mit dem Start für Cycles-Immo Losch noch eine weitere Perspektive verbunden: „Vielleicht kann ich mich für Einsätze in der Nationalmannschaft empfehlen. Zu den internationalen Wettbewerben werden nur Profis mitgenommen.“ Der Aufwand könnte sich also lohnen. Denn natürlich sind mit dem Start im Profiteam nicht nur aufregende Reisen zu interessanten Rennen verbunden.

Auf Carolin Schiff kommt nun auch mehr Training zu; sie wird die Einheiten auf dem Rad (zehn bis 20 Stunden in der Woche) steigern. Also musste sie einige Dinge regeln. Etwa mit ihrem Partner Vladi Riha sprechen, in dessen Radgeschäft sie regelmäßig tätig ist: „Damit die neue Aufgabe in unser Leben passt.“ Und auch ihr Arbeitgeber – Schiff jobt halbtags im Marketing eines Herstellers von Radzubehör – musste gehört werden. Aber das war gar kein Problem, zählt das Unternehmen doch zu den Sponsoren von Cycles-Immo Losch. „Die fanden das richtig gut“, sagt Carolin Schiff.

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