Vorstandsmitglieder wollen aufhören Bremer Rennverein sucht einen neuen Vorstand

Gleich vier der sechs Vorstandsmitglieder des Rennvereins wollen angeblich aufhören, darunter auch die Präsidentin So steht nicht nur der Rennbahn vor einer ungewissen Zukunft, sondern auch der Rennverein.
16.03.2020, 22:16
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Rennverein sucht einen neuen Vorstand
Von Frank Büter

Es waren zuletzt schwierige Zeiten gewesen für den Bremer Rennverein und seine Präsidentin Tonya Rogge. Nach einem Jahr als Vorstandsmitglied hatte sich die gebürtige Australierin im Februar 2015 als erste Frau an die Spitze des Bremer Traditionsklubs wählen lassen und den Verein fünf Jahre geführt. In einer Zeit, in der sich der wirtschaftlich zuvor häufig schlingernde Klub (Jahresminus bis zu 600.000 Euro pro Saison) anfänglich auch dank neuer Marketingstrategien konsolidiert und trotz des Wegfalls der Subventionen durch die Stadt Bremen zuletzt sogar schwarze Zahlen geschrieben hatte. Aber auch in einer Zeit, in der der Rennverein seine Heimstätte in der Bremer Vahr verloren hat.

„Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“ Mit dieser Aussage hatte Bremens früherer Wirtschaftssenator Martin Günthner im Dezember 2015 das Aus für die Bremer Galopprennbahn verkündet. Die Stadt beabsichtige, den Pachtvertrag mit dem Bremer Rennverein zu kündigen und ab 2018 auf dem Gelände den Bau von bis zu 1000 Wohnungen zu ermöglichen, hatte Günthner gegenüber dem WESER-KURIER erklärt. Die schriftliche Kündigung gab es dann ein Jahr später. Und zum Jahresende 2017 musste der Rennverein das Areal nebst Geschäftsstelle räumen und den Schlüssel abgeben. Ein Abschied, der Karfreitag 2018 schließlich seinen emotionalen Höhepunkt fand: Zum letzten Renntag kamen 7500 Besucher, um noch einmal die besondere Atmosphäre auf der Anlage in der Vahr zu genießen.

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„Das schwerste Rennen findet zurzeit außerhalb der Bahn statt.“ Diesen Satz hatte Frank Lenk, Vorstandsmitglied und Sprecher des Bremer Rennvereins bei der Pressekonferenz zur Saisoneröffnung 2016 gesagt. Und im Grunde gilt dieser Satz auch in diesen Tagen noch, denn damals wie heute kämpfen Präsidentin Rogge und ihre Mitstreiter dafür, dass in der Vahr weiter Galoppsportveranstaltungen stattfinden. Die beabsichtigte Bebauung des 36 Hektar großen Geländes ist inzwischen vom Tisch, da sich die Bürger bei einem Volksentscheid im Mai 2019 dagegen ausgesprochen haben.

Nun wird an einem Runden Tisch über ein Nutzungskonzept für das Gelände beraten – doch ob der Rennverein Teil dieses Konzeptes sein kann oder wird, ist trotz aller Bemühungen seitens des Klubs immer noch unklar. Im Juni ist ein Gespräch mit der zuständigen Senatorin Maike Schaefer vereinbart, danach werde man vielleicht etwas klarer sehen, sagt Frank Lenk. „Ich hoffe, dass wir dort eine Lösung finden.“ Zwei Rennen im Jahr könne er sich vorstellen, sagt er. „Das wäre ein gutes Ergebnis – und man würde damit eine alte Tradition in Bremen pflegen.“

„Unser Ziel ist es, relativ schnell in den Austausch gehen zu können“

Eben dies wollte der Vorstand seinen Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung an diesem Mittwoch erläutern. Mit Blick auf die Corona-Krise hat er die Veranstaltung inzwischen jedoch abgesagt. Und sucht nach einem alternativen Weg, um die drängenden Fragen sobald als möglich anzugehen. „Unser Ziel ist es, relativ schnell in den Austausch gehen zu können“, sagte Frank Lenk am Montag. Die Zukunft der Rennbahn ist dabei ein wichtiges ein Thema, klar.

Und es wird großen Raum einnehmen, davon kann man ausgehen angesichts der spürbaren Ungeduld in Reihen der etwas mehr als 100 Mitglieder. Großen Raum wird in dem angestrebten Austausch aber auch die Neuwahl des Vorstandes einnehmen. Alle drei Jahre steht eine solche Wahl an – so brisant wie diesmal war es allerdings schon lange nicht mehr: Nach Informationen des WESER-KURIER werden mindestens vier der insgesamt sechs Vorstandsposten neu zu besetzen sein. Darunter auch der Posten an der Spitze.

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Das zähe Taktieren und Verhandeln im operativen Tagesgeschäft, das Ringen um die Zukunft der Rennbahn, all das hat Tonya Rogge offenbar ermüdet. Mit 18 Jahren hatte sie ihre australische Heimat verlassen. Mit einer Freundin war sie nach Europa gereist, um für ein paar Monate Urlaub zu machen – tatsächlich aber ist sie nicht mehr nach Down Under zurückgekehrt. Sie hat in London gearbeitet, hat in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland Marketing und Event-Management studiert. Über Berlin, wo sie ihren Ehemann Florenz kennenlernte, kam sie 2002 schließlich nach Bremen. Ein Jahr später hat sie erstmals die Rennbahn in der Vahr besucht, „für mich eine der schönsten in Deutschland“, sagt Rogge.

Sechs Jahre war die dreifache Mutter „Teil eines wunderbaren Teams“, jetzt aber wird sie sich wohl zurückziehen. Von der Vorstandarbeit und auch von der Rennbahn, die sie mal als „Puppenstube“ bezeichnet hat. Bestätigen mag sie das noch nicht, sie wird ihren Rückzug wahrscheinlich erst in einem anderen Rahmen offiziell verkünden. Aber es klingt schon ein wenig nach Abschied, wenn sie sagt: „Wenn ich heute zurückblicke, dann sehe ich eine aufregende Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Gleichwohl überwiegen die schönen Augenblicke und die wunderbaren Begegnungen.“

Das große Rennen ist eröffnet

Tonya Rogge soll nicht das einzige Vorstandsmitglied sein, das sich nicht zur Wiederwahl stellt. Dem Vernehmen nach steigen auch Vize-Präsident Daniel Krüger sowie Bauunternehmer Kurt Zech und Ex-Präsident Andreas Jacobs aus. Das große Rennen beim Rennverein ist also eröffnet, in beide Richtungen sozusagen. Die Mitglieder sind bereits darauf hingewiesen worden, dass sich nicht alle Vorstandsmitglieder zur Wiederwahl stellen werden.

„Ich bin gespannt, ob sich aus dem Kreis der Mitglieder heraus Kandidaten finden werden“, sagt Frank Lenk, neben Jan-Henrik Többe einer von nur zwei Vertretern, die womöglich auch dem neuen Vorstand angehören werden. Überraschungen sind möglich beziehungsweise wohl sogar nötig. Wie auch immer dieses Rennen ausgeht, viel wichtiger sei der Blick in die Zukunft und wie es mit dem Galopprennsport in Bremen weitergeht, betont Tonya Rogge: „Hier müssen wir mit ganzer Kraft an einer positiven Entwicklung arbeiten.“

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