„Wir wollen auch mal Ergebnisse zeigen“

Neues vom Haus der Athleten in Bremen

Der Bremer Senat bremst beim Haus der der Athleten, aber die Initiatoren Lars Figura und Peter Gagelmann treiben das Projekt weiter voran
26.05.2020, 05:00
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Neues vom Haus der Athleten in Bremen
Von Mathias Sonnenberg
Neues vom Haus der Athleten in Bremen

In diesem Gebäude (links) in der Bürgermeister-Smidt-Straße soll das Haus der Athleten ­entstehen. Noch ist unklar, wann die ­ersten Apartments für die Sportlerinnen und Sportler ­einzugsfertig sind. Denn es muss auch die Betreuung von minderjährigen ­Talenten gesichert und finanziert ­werden.

Christina Kuhaupt

Das Wort „unrealistisch“ hat die Initiatoren des Projektes dann doch ziemlich kalt erwischt. „Davon wussten wir nichts, das war so auch nicht mit uns abgesprochen“, sagen Lars Figura und Peter Gagelmann, die Vorstände der Bremer Sportstiftung. Unrealistisch bezieht sich auf einen Zeitraum, den der Vorstand der Sportstiftung, dem auch Anke Precht angehört, für ein Schlüsselprojekt im Bremer Sport wiederholt genannt hatte: Die Fertigstellung des Hauses der Athleten in der Bürgermeister-Smidt-Straße noch in diesem Jahr. Der Bremer Senat aber hat jetzt auf eine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion erklärt, dass dieses Vorhaben 2020 wohl nicht mehr zu realisieren sei (wir berichteten).

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Und jetzt? Figura und Gagelmann vermitteln am Montag jedenfalls nicht den Eindruck, als hätte ihnen die Antwort des Senats schon jetzt die ganze Woche versaut. Zur neuen Zielsetzung aber möchten sie lieber nichts sagen. Und überhaupt, erklären sie bei einem gemeinsamen Telefonat, würden die Ziele für das Projekt weiter sehr emsig verfolgt.

Es gebe nach wie vor zwei Handlungsstränge. „Der Erste bezieht sich auf den Erwerb und Umbau“, sagt Figura. Da sei man absolut im Fahrplan, in dem Gebäude unweit der Brillkreuzung werde bereits an den Apartments gearbeitet. Und mit dem Eigentümer, der Stefes Bau GmbH, befände man sich weiter in Verhandlungen, die Immobilie zu einem fairen Preis zu erwerben. „Aber wir müssen uns demnächst auch mal einigen“, sagt Figura.

Seit Jahren schon wird an dem Projekt gebastelt, talentierten Sportlerinnen und Sportler in Bremen ein Perspektive zu bieten. Im Haus der Athleten, so ist der Plan, könnten im Maximalfall 48 Talente ver- und umsorgt und auf eine mögliche Zeit im Spitzensport vorbereitet werden. Figura und Gagelmann aber wären ja schon froh, wenn zu Beginn erst mal acht bis zwölf Sportler in die Apartments einziehen könnten. Ursprünglich war mal der Frühjahr dieses Jahres als Starttermin ins Auge gefasst worden, zuletzt sollte es der Schulstart im September werden.

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Bei der Bremer CDU hatte man mangelnden Enthusiasmus und Feuereifer für das Prestigeprojekt in der Bremer Koalition ausgemacht. Das aber will der Vorstand der Sporthilfe, der den Bau bislang maßgeblich vorangetrieben hat, nicht einfach so stehen lassen. Denn jetzt komme der zweite Handlungsstrang ins Spiel, wie Figura betont. „Da geht es um die Frage: Wer zieht unter welchen Bedingungen in das Haus ein? Da sehen wir auch Stadt und Land Bremen in der finanziellen Verantwortung.“ Schließlich würde auch die Bildungsbehörde profitieren, wenn etwa die Schule in der Ronzelenstraße durch das Haus der Athleten zu einer Eliteschule des Sports werde. „Aber es gibt in der Bildungsbehörde ja durchaus die Bereitschaft zu spüren, sich hier zu engagieren“, ergänzt Gagelmann.

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Ein Problem aber zieht sich durch die kompletten Planungen: Es fehlt ein konkreter Ansprechpartner in der Verwaltung. Mal ist es Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne), die immerhin schon eine jährliche Unterstützung von 50.000 Euro zugesagt hat. Dann wieder ist Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) gefragt, wenn es um pädagogische Betreuungskonzepte für das Haus geht. „Was fehlt, ist ein Projektverantwortlicher, mit Entscheidungsspielraum und -kompetenz“, finden Figura und Gagelmann. Den habe man bislang noch nicht identifizieren können. „Wenn Bremen einen solchen Projektverantwortlichen benennt, dann kann auch die Frage nach dem Betrieb zeitnah geklärt sein.“

Denn natürlich geht es am Ende um die Finanzierung. Und da haben Figura und Gagelmann schon den Wunsch, dass sich Bremen monetär und gerne auch personell, wie sie es sagen, beteiligt. So funktioniere es ja auch in den anderen Bundesländern, in denen der Sport seine Spitzen ausbilde und fördere. Und überhaupt seien die tatsächlichen Kosten für das Betreiben eines Hauses der Athleten auch abhängig von den Vorgaben der Behörden. Denn das Jugend- und Sozialressort legt den Betreuungsschlüssel fest für eine Einrichtung. Aber der Vorstand der Sporthilfe weiß auch: Viele Betreuer für wenige Sportler, das wäre ein sehr kostenintensives Verhältnis.

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Ungeklärt ist auch der Träger des Hauses. In anderen Bundesländern haben das oft die Kommunen übernommen, für Bremen seien Figura und Gagelmann da keinesfalls festgelegt. „Wir sind insoweit nicht festgelegt. Die in der Betriebsstruktur vorgesehene gemeinnützige GmbH könnte bei entsprechender personeller Ausstattung selbst Träger werden oder mit bereits anerkannten Trägern kooperieren.“ Es sei legitim, dass das Bildungsressort bei Entscheidungen Mitspracherecht habe, die das Betriebskonzept beträfen.

Und während an den Apartments in der Bürgermeister-Smidt-Straße auch in diesen Tagen eifrig gewerkelt wird, arbeiten Precht, Figura und Gagelmann am Kauf der Immobilie. Dass zwischen dem Erwerb und dem Start der Nutzung keine allzu große Zeit liegen sollte, ergibt sich aus einer schlichten Rechnung, die Figura aufstellt: „Leerstand nach dem Kauf verursacht Kosten, aber keinen Nutzen.“ Die Lücke soll also möglichst klein bleiben, auch aus psychologischen Gründen. „Wir wollen ja auch mal Ergebnisse zeigen“, sagt Gagelmann.

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Zur Sache

Golfturnier auf der Kippe

Traditionell Ende August veranstaltet die Bremer Sportstiftung ein Golfturnier, bei dem weniger die Ergebnisse, sondern mehr der gute Zweck im Vordergrund steht. Es geht bei diesem Benefizturnier darum, möglichst viele Gelder für das geplante Haus der Athleten einzusammeln. Doch ob auch in diesem Jahr abgeschlagen wird auf der Anlage des Clubs zur Vahr in Garlstedt, ist derzeit nicht klar. Denn den Abschluss des Turniers bildet immer eine große Abschlussveranstaltung. Doch weil die noch bis Ende August verboten sind, steht nun auch eine Verlegung in den September im Raum. „Wir prüfen mehrere Varianten“, sagt Organisator Peter Gagelmann.

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