Diskussion um Corona-Beschränkungen

2G-Regel polarisiert den Sport

In Hamburg und Berlin können Sportvereine Nicht-Geimpften den Zutritt verwehren, in Bremen nimmt die Diskussion Fahrt auf. Der Landessportbund gibt keine Empfehlung ab.
21.09.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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2G-Regel polarisiert den Sport
Von Mathias Sonnenberg

Nein, eine leichte Zeit seien die vergangenen eineinhalb Jahre wahrlich nicht gewesen, sagt Sebastian Stern. Er ist der Geschäftsführer von Bremen 1860, mit über 5000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine in Bremen. "Aber wir haben unseren Mitgliedern in der Corona-Zeit immer wieder neue Formate geboten, das hat gut funktioniert." Und weil in den Sommermonaten viel Sport unter freiem Himmel angeboten wurde, hatte Corona sogar an Bedeutung verloren. Doch das wird sich jetzt wieder ändern, wenn mit Herbstbeginn der Sportbetrieb in den Hallen zunimmt und viele Sportler und Sportlerinnen sich fragen: Wird es bei der 3G-Regel bleiben, also Sport für genesene, geimpfte oder getestete Personen möglich sein? Oder wäre eine 2G-Regel nicht sinnvoller und sicherer?

Stern kennt diese Diskussion aus seinem Verein. "Das ist ein extrem polarisierendes Thema", sagt er, "es gibt hier bei uns viele Meinungen. Und es gibt Mitglieder, die sich eine 2G-Regel wünschen." Der 1860-Geschäftsführer sagt ganz ehrlich, dass eine Variante, die Sport nur noch für Genesene oder Geimpfte erlauben würde, das Vereinsleben erleichtern würde. Weil eben die Übungsleiter keine Tests mehr abnehmen oder kontrollieren müssten. Aber Stern lehnt für seinen Verein die 2G-Regel trotzdem ab. "Wir als Verein haben uns der Förderung des Sports verschrieben. Wir wollen keine Menschen ausgrenzen, sondern die Teilnahme ermöglichen." So lange die Politik eine 2G-Regel nicht vorschreibt oder zumindest als Option anbietet, will Bremen 1860 Sport auch für negativ getestete Mitglieder ermöglichen.

Auch beim Landessportbund Bremen (LSB) ist die Regel-Diskussion bekannt. Doch Vorgaben will und kann der Verband den Vereinen nicht machen. "Wir sprechen mit den Beteiligten und üben uns in Diplomatie", sagt Geschäftsführerin Karoline Müller. Die Vereine seien autonom und müssten selbst entscheiden, "wir sind beratend tätig, wenn es Fragen gibt". Das Stimmungsbild sei schwer greifbar, sagt Müller, "wir weisen immer wieder daraufhin, dass sich alle an die Vorgaben der Politik halten sollen". 

Und die sind in Bremen noch anders als etwa in Hamburg, wo die 2G-Regel seit dem 1. September eine Option ist und demnach Sportvereine, Theater-, Kino- und Clubbetreiber sowie Konzertveranstalter und Gastronomen Gäste ohne Impfung ausschließen können. Die Hamburger Sportvereine gehen sehr unterschiedlich mit der Ausschluss-Möglichkeit um. "Das Thema sorgt für viele Diskussionen", weiß Maarten Malzcak, Referatsleiter beim Hamburger Sportbund. Viele Vereine seien bei der 3G-Regel geblieben, weil es eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit den Mitgliedern gebe. Dabei sei der Kontrollaufwand ungleich größer, weil den Vereinen eben kein positiv Getesteter "durch die Lappen gehen darf". 

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Im Hamburg seien es in erster Linie Ein-Sparten-Vereine, die die 2G-Regel eingeführt hätten. Dort sei die Zahl der Mitglieder meist überschaubar und Einschränkungen daher besser vermittelbar. Malczak: "Es gibt aber auch Vereine, die auf Misch-Modelle setzen. Dort wird von 9 bis 18 Uhr die 2G-Regel angewandt, danach dann auf 3G geschaltet." Er spüre, dass sich immer mehr Vorstände und Präsidien in Hamburger Sportvereinen mit dem Thema auseinandersetzten. "Und viele Geimpfte fordern die 2G-Regel, damit sie sich sicher fühlen in Sporthallen." Ob das Ausgrenzen von Nicht-Geimpften in Vereinen juristisch überhaupt haltbar ist, bleibt ungeklärt. Malczak sagt: "Wer entscheidet überhaupt darüber? Der Vorstand? Oder die Mitglieder? Darüber streiten die Juristen noch." Mit einer Regel-Empfehlung habe sich der Hamburger Sportbund zurückgehalten. "Das muss jeder Verein für sich entscheiden." 

Dass die 2G-Regel für viele geimpfte Sportler eine Option ist, können auch Bremer Verbandsvorsitzende nachvollziehen. "Ich persönlich könnte verstehen, wenn ein Verein sagt, dass man die maximale Sicherheit haben möchte und eben auf die 2G-Regel setzt", sagt Monika Wöhler, Präsidentin des Bremer Handballverbandes. Das sieht auch Ingelore Rosenkötter als Vorsitzende des Bremer Turnverbandes so. "Aber ich weiß, dass es nicht einfach ist, das über die Gruppen zu transportieren." 

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Für den Punktspielbetrieb aber hält Wöhler eine 2G-Regelung für nicht durchsetzbar. "Wir haben darüber im Handballverband Niedersachsen diskutiert. Aber das würde zu einer Wettbewerbsverzerrung führen, wenn Nicht-Geimpfte nicht mehr spielen dürften." In Berlin, wo der Senat die 2G-Option bereits beschlossen hat, hält der Fußball-Verband die Umsetzung nur für bedingt praktikabel. "Der Ausschluss von ungeimpften Personen würde eine flächendeckende Umsetzung des Trainings- und Wettkampfbetrieb erheblich erschweren, da gerade im Jugendbereich viele Spieler und Spielerinnen betroffen wären", heißt es. Der Verband empfiehlt seinen Vereinen deshalb, wie bisher die 3G-Regel anzuwenden.

Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes Bremen, verhehlt nicht, dass die 2G-oder-3G-Diskussion viel gesellschaftlichen Sprengstoff für den Sport beinhaltet. "In den letzten Monaten ist der Sport oft in die Außenbereiche ausgewichen, für den Indoorsport aber wird das jetzt ein sensibles Thema." Er habe auch die vielen Übungsleiter im Blick. "Die Frage ist ja auch, wie ein Verein damit umgeht, wenn bekannt ist, dass ein Übungsleiter nicht geimpft ist." Für diesen Fall sei es seiner Ansicht nach ein gangbarer Weg, wenn sich der Verein für 2G als Option entscheiden könnte.  

Zur Sache

So funktioniert das Hamburger Modell

Der Hamburger Senat hatte im August die 2G-Variante als Option beschlossen, die Umsetzung ist freiwillig. Jeder Sportanbieter kann auch weiterhin mit dem 3G-Zugangsmodell arbeiten. Entscheidet sich ein Sportanbieter  (unabhängig, ob Sportverein, Fitnessstudio, Yogastudio etc.) für die 2G-Variante, dürfen an dem Sportangebot lediglich Geimpfte und Genesene oder Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, teilnehmen. Dies gilt ebenso für  Übungsleiter, Trainer oder Anleitungspersonen. Bei 2G entfällt beim Sportbetrieb die Begrenzung von einer Person pro zehn Quadratmeter. Ebenso muss zwischen Sportgeräten und Personen kein Abstand eingehalten werden.

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