Weitere Öffnungen in der Corona-Krise

Bremer Sport hängt in der Warteschleife

Vereine müssen sich bis zum 6. Mai gedulden, dann wollen Bundes- und Landespolitiker weitere Öffnungen des Sportbetriebs bekanntgeben. Bremer Klubs fragen, wie viele Sportler zeitgleich auf eine Anlage dürfen.
01.05.2020, 22:05
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Bremer Sport hängt in der Warteschleife
Von Jörg Niemeyer
Bremer Sport hängt in der Warteschleife

Laufen geht schon jetzt. Am 6. Mai sollen die Sportler erfahren, mit welchen weiteren Lockerungen sie und ihre Vereine rechnen dürfen.

Christian Charisius /dpa

So viel ist seit Wochen klar: Das Laufen unter freiem Himmel ist in Deutschland gestattet. Hamburg weist freundlicherweise sogar mit Hinweisschildern auf Laufstrecken hin. So lotst das Bezirksamt Eimsbüttel auf diese Weise Jogger über die Fußwege an der Außenalster. Im Gegensatz zu Niedersachsen, wo die Sportanlagen weiterhin geschlossen sind und Sportminister Boris Pistorius (SPD) auf der Internetseite des Ministeriums eine Öffnung frühestens für Anfang Mai ankündigt, ist in Bremen Sport seit vergangenem Montag auf Sportanlagen wieder möglich – allerdings in eingeschränktem Maße und immer unter Einhaltung behördlicher Verfügungen. Wer aber nun am Donnerstag darauf gehofft hatte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer in Berlin weitere Lockerungen für den Sportbetrieb bekanntgeben würden, wurde enttäuscht.

So gesehen, gab es für die Sportverbände und -vereine in Deutschland am Tag vor dem Maifeiertag nichts zu feiern. Die Bundeskanzlerin erklärte, dass erst am kommenden Mittwoch mit Entscheidungen für den Sport zu rechnen sei. Die Spitzenpolitiker von Bund und Ländern wollen, so sagte Merkel, „am 6. Mai sehr klare Entscheidungen fällen, in welcher Folge und in welcher Art und Weise Schule, Kita wieder möglich sind und auch unter gegebenen Bedingungen bestimmte sportliche Betätigungen“.

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Für den Präsidenten des Landessportbundes Bremen (LSB) kam die Vertagung etwaiger Beschlüsse nicht überraschend, und so zeigte er sich auch nicht enttäuscht. „Ich hatte mir mehr gewünscht“, sagte Andreas Vroom, „aber DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte eine Vertagung schon am vergangenen Wochenende angekündigt. Es ist gut, dass wir nach der Lockerung am Montag Erfahrungen sammeln können.“ Den Politikern bleiben jetzt ein paar Tage mehr Zeit, um die zum Teil erst Anfang dieser Woche erarbeiteten Vorschläge aus den Landessportbünden, Verbänden und Vereinen in ihre Entscheidung mit einfließen zu lassen.

Merkblatt mit Verhaltensregeln

Auch der Präsident des Pferdesportverbands Bremen und Vorsitzende des RFC Niedervieland sah keinen Grund zur Enttäuschung. „Wir wollen nun auch nicht unvernünftig werden“, sagte Walter Kind, „wir sehen ja auch, dass sich die Sachen gut entwickeln.“ Walter Kind ist froh, dass auch in seinem Verein in der kommenden Woche der nächste Schritt folgen werde. „Am Montag beginnt wieder der Einzelschulbetrieb für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren“, sagte er zufrieden. Auf der vereinsinternen Plattform „Das Reitbuch“ vergebe der RFC die Reitstunden ebenso wie das Merkblatt mit Verhaltensregeln für die Corona-Eindämmung auf digitalem Weg.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bewertete die Vertagung der Beschlüsse auf den 6. Mai, die auch die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga-Saison betrifft, sogar als ein positives Signal der Gleichbehandlung. „Wer Profifußball zulässt, kann den Amateursport nicht verbieten. Erst sollten wir das Virus in die Defensive bringen, dann können wir wieder auf dem Platz stürmen“, sagte er. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), will sich weiterhin in Geduld üben, mahnte indirekt aber eine baldige weitere Öffnung des Vereinssports an. „Nicht nur aus Gesundheitsaspekten wäre es wichtig, es geht auch um die Stimmung in der Bevölkerung“, sagte er am Donnerstag. In die gleiche Kerbe schlug Andreas Vroom. „Ich merke seit Montag wieder verstärkt, wie gut der Sport den Menschen tut.“ Umso erwartungsvoller blickt der LSB-Chef nun auf den kommenden Mittwoch.

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Obwohl der Sport am Donnerstag noch hinten an stand: Hinter den Kulissen wird landauf, landab intensiv an Vorschlägen für weitere Lockerungen gearbeitet. So schalten sich an diesem Sonnabend die LSB-Präsidenten mit dem DOSB in einer Videokonferenz zusammen. Bereits am vergangenen Dienstag konferierten in Bremen der LSB, das Sportamt und das Ordnungsamt gemeinsam. Der LSB hatte für diese Konferenz Fragen der Vereine gesammelt. Inzwischen sind die Ergebnisse, die auch die Zustimmung des Gesundheitsamtes fanden, den Vereinen per Mail mitgeteilt worden. „Ich bin den Gesprächspartnern sehr dankbar, dass sie sich am Dienstag die Zeit für uns genommen haben“, sagte LSB-Geschäftsführerin Karoline Müller, „das empfinde ich als große Wertschätzung des Sports.“

Wertung als Versammlung oder Kundgebung

Während Sport- und Ordnungsamt die meisten Fragen klar beantworten konnten, gibt es bei einer für Vereine besonders wichtigen Thematik noch juristischen Klärungsbedarf. Das Problem: Wenn sich Sportler – unabhängig von der Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen und Hygienevorschriften – mit mehr als zwei Personen auf einem Sportplatz bewegen würden, könnte dies aufgrund der Personenanzahl als Versammlung oder Kundgebung gewertet werden.

Vor dem Hintergrund, dass während der Corona-Krise weiterhin ein Versammlungsverbot besteht, muss also schnell und verbindlich geklärt werden, ob beispielsweise vier zeitgleich trainierende Zweiergruppen auf einem Sportplatz von mehreren Tausend Quadratmetern Größe bereits eine Versammlung darstellen. Denn wäre es in juristischem Sinne eine Versammlung, würde der Verein gegen die Allgemeinverfügung verstoßen und ihm möglicherweise eine Geldstrafe drohen. „Wir brauchen bei dieser Frage genaue Quadratmeter-Angaben“, sagte LSB-Chef Vroom.

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