Was beim Laufen im Körper passiert

Bremer Sportmediziner: "Der Marathon an sich ist nicht gesund“

Wer am 6. Oktober beim SWB-Marathon antritt, der braucht mehr als nur viel Motivation und Ehrgeiz, sondern muss sich gut vorbereiten. Was bei dem Lauf im Körper passiert, erklärt ein Bremer Sportmediziner.
03.10.2019, 15:10
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Sportmediziner:
Von Jean-Pierre Fellmer
Bremer Sportmediziner: "Der Marathon an sich ist nicht gesund“

Viel trinken - und nicht nur Wasser: Wer den Marathon laufen will, der muss sich gut um seinen Körper kümmern.

Gregor Fischer

42195 Meter. So lang ist der Weg vom Bremer Dom nach Worpswede und wieder zurück. Oder knapp die Entfernung vom Bahnhof Mahndorf im Südosten der Stadt bis zum Bunker Valentin im nördlichsten Zipfel Bremens. Eine Strecke, die viel zu lang ist für einen Spaziergang - selbst für erfahrene Wanderer sind die knapp 42 Kilometer eine Herausforderung. Auch für Läufer ist der Marathon kein Alltag, sondern die Ausnahme.

„Der Marathon an sich ist nicht gesund“, sagt Thomas Eggert, Sportmediziner in Bremen. „Aber die Vorbereitung auf den Lauf ist es.“ Während des monatelangen Trainings passe sich der Körper an die Belastungen an. Beim Marathon bringt der Sportler seinen Körper an die Grenze. Aber wie geht man als Läufer mit der außergewöhnlichen Belastung um?

Ob fünf oder zehn Kilometer, ein halber oder ein ganzer Marathon – wer läuft, greift auf die Speicher des Körpers zurück. Der Marathon unterscheidet sich vor allem von anderen Distanzen, weil er die Reserven des Körpers angreift. „Wer regelmäßig läuft und fit ist, der kann einen Halbmarathon auch ohne große Vorbereitung oder gesundheitliche Einbußen laufen“, sagt Eggert. Zumindest, wenn man nicht auf Zeit laufe und versuche, Rekorde zu knacken.

Generalprobe für die 42 Kilometer

Im Gegensatz zum Halbmarathon muss man sich für den Marathon auf jeden Fall vorbereiten: Viele Läufer würden etwa vier Monate für den Lauf trainieren, sagt Eggert. In Trainingsprogrammen gibt es laut Eggert die „langen Läufe“ mit etwa 30 bis 35 Kilometern. Sie seien quasi die Generalprobe für den Marathon: Wer sie ohne Probleme besteht, ist fit für die 42 Kilometer. Einen ganzen Marathon laufe man in der Vorbereitung nicht. „Die Belastung für den Körper ist zu groß, die Regeneration dauert zu lange.“ Viele Sportler würden vor dem Marathon moderater trainieren, um die Speicher aufzufüllen. „Die Ausdauer wird in den Monaten zuvor aufgebaut“, sagt Eggert.

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Aber was passiert eigentlich im Körper beim Lauf der langen Strecke? Sportmediziner Eggert: „Der Bewegungsapparat wird maximal beansprucht: Muskeln, Bänder und Gelenke sind für solche Distanzen nicht ausgelegt.“ Außerdem werde der Glykogenspeicher aufgebraucht – ein Kohlenhydratspeicher in der Muskulatur und der Leber. „Auch die Flüssigkeits- und Mineralreserven werden erschöpft“, sagt Eggert.

Um die Auswirkungen auf den Körper bestmöglich aufzufangen, sorgen Marathonläufer in den Tagen vor dem Lauf vor: Viele trinken mehrere Liter isotonischer Getränke und nehmen Wasser und Salztabletten zu sich. Eine seiner Patientinnen habe regelmäßig während und nach den Läufen Krämpfe bekommen. „Das war wohl ein Magnesiummangel“, sagt Eggert. Seitdem sie Salztabletten nehme, habe sie das Problem nicht mehr. Eine besondere Ernährung als Vorbereitung auf den Lauf sei nicht notwendig, sagt Eggert: „Wichtig ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung, wie sie grundsätzlich zu empfehlen ist.“

Unterzuckerung vorbeugen, bevor es zu spät ist

Auch am Tag und während des Laufes selbst sollte viel getrunken werden, rät Sportmediziner Eggert: „Je nach Temperatur verliert der Körper zwei bis vier Liter an Flüssigkeit und viele Elektrolyte.“ Während des Laufes empfiehlt Eggert, leichte Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Neben isotonischer Getränke eignen sich Bananen oder Apfelsinen. Wichtig ist dabei: Läufer müssen einer Unterzuckerung vorbeugen und nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist. Denn dann helfe auch eine Banane nicht mehr, das Leistungstief abzuwenden. Eggert rät davon ab, gehaltvolle Mahlzeiten während des Laufs zu sich zu nehmen – die Verdauung mache den Körper träge.

Wer sich übrigens nicht sicher ist, ob er einen Marathon gut verkraftet, für den lohnt sich ein sportmedizinischer Check. „Der typische Marathonläufer ist männlich und Mitte 40. In diesem Alter kann sich der Besuch beim Arzt lohnen.“ Vor allem Läufer mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzproblemen sollten sich untersuchen lassen. Laut dem Sportmediziner werden die Marathonläufer tendenziell älter - dann sei ein Arztbesuch erst recht ratsam.

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Am sinnvollsten sei der medizinische Check vor dem Trainingsbeginn. „Kurz vor dem Marathon kommen die Sportler, um ihre Fitness zu überprüfen.“ Dafür machen sie einen Laktattest. Laktat ist das Salz der Milchsäure, das im Körper entsteht, wenn die Belastung einen bestimmten Punkt überschreitet. So kann der Trainingszustand ermittelt werden. Der Test zeigt, wie schnell der Sportler maximal laufen sollte und er gibt eine Prognose auf die Gesamtzeit.

Wer zum ersten Mal den Marathon laufe, dem sei die Zeit jedoch erst einmal egal. „Neueinsteigern geht es vor allem darum, ins Ziel zu kommen", sagt Eggert. Daher liefen Neulinge defensiv, also eher unter ihren Fähigkeiten. „Sie wollen Durchkommen, ohne Aufzugeben.“ Aussteigen sei vor allem eine psychologische Niederlage.

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