Vom Ironman zum Businessman

Bremer Triathlet Sven Jansen macht Karriere nach der Karriere

Von der Prägung durch den Leistungssport – der rasante Karriere-Weg des Bremers Sven Jansen. Vor zwei Jahrzehnten war er Bremens bester Triathlet. Heute ist er Firmen-Vorstand.
01.08.2020, 05:00
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Bremer Triathlet Sven Jansen macht Karriere nach der Karriere
Von Olaf Dorow
Bremer Triathlet Sven Jansen macht Karriere nach der Karriere

Meeting mit dem Weltstar: Sven Jansen (rechts) als Sponsorenvertreter beim Tennis mit seiner Frau und Roger Federer.

privat

Allgemein wird es als super-schade wahrgenommen, dass es so wenige Wettkämpfe geben kann derzeit. Und kaum Zuschauer. Im Speziellen dürfte das auch auf den traditionellen Gewoba-Citytriathlon in der Bremer Überseestadt zutreffen. Er fällt zwar nicht ganz ins Wasser, aber, um in der Wortspielerei zu bleiben: Die Strecke im Wasser fällt schon mal aus. Der Rest findet zwar statt, aber nur online und ohne Publikum. Dabei wäre es eine gute Gelegenheit, am 9. August einen Bremer wiederzutreffen, der sich seinen Platz in der Erzählung über Bremens Sportler in dem Dreisatz aus Schwimmen, Radfahren und Laufen auf jeden Fall verdient hat. Sven Jansen war zur Jahrtausendwende Bremens bester Triathlet. Er war Ironman, der zu Olympia wollte.

„Ich war tatsächlich angemeldet für den Citytriathlon“, sagt er. Er habe sechs Kilo abgenommen zuletzt, sich wieder halbwegs gut in Schuss gebracht. Habe sogar eine Wette laufen gehabt mit einem alten Ironman-Freund, mit dem Amerikaner Eric Harr, der jetzt im Silicon Valley arbeitet und den er im vergangenen Jahr im Rahmen einer Papstaudienz wiedergetroffen hat. Schafft Harr, sich noch mal für den Hawaii-Ironman zu qualifizieren, oder schafft Jansen es noch mal, sich wieder in Schwung zu bringen für den Bremer Citytriathlon, so soll gewettet worden sein. Der Papstbesuch, bei dem sie geschlossen wurde, gehört dabei zu dem, was aus Sven Jansen geworden seit dieser Spitzensport-Zeit um die Jahrtausendwende. Man darf wohl sagen: Es wurde etwas für ein kleines Boah. Vielleicht auch für ein großes. Sven Jansen, Doktor Sven Jansen, um präziser zu sein, ist jetzt Firmen-Vorstand.

Ein Ultra-Triathlon

Es ist nicht leicht, an ihm dranzubleiben, wenn Sven Jansen, inzwischen 45 Jahre alt, seinen Weg durch die vergangenen zwei Jahrzehnte skizziert. Wenn er quasi durch die Stationen rattert, die er durchlief. Was weniger am enormen Tempo liegt, mit dem er das machen kann. Eher am Weg selbst. Der ist ein bisschen wie ein Ultra-Triathlon. Ganz viel drin. Die Einsamkeit des Langstreckensportlers muss man sich wegdenken dabei. „Hochspannend, hochdynamisch“, so findet Sven Jansen selbst diesen Weg.

Er hat ihn mittlerweile in den Vorstand der Münchener Noventi Group geführt, einer Holding mit 27 Tochtergesellschaften. Noventi ist Europas größtes Abrechnungszentrum im Gesundheitswesen, sie ist eine Art Relaisstation zwischen Arzt, Apotheker und Krankenkasse. Rund 200 Millionen Rezepte und Verordnungen werden jährlich von Noventi bewegt und abgerechnet. Die Corona-Anmerkung dazu wäre: sehr systemrelevant. Bis 2024 läuft Jansens Vertrag als Vorstandsmitglied noch, und bis er auf diesem Posten gelandet ist, hat er in beruflicher Hinsicht eine rasante Reise durch, ja: durch die halbe Welt hingelegt. Hat sich in Kreisen bewegt, die man gern höhere Kreise nennt.

Voller Glückshormone: Sven Jansen überquert vor 20 Jahren auf Hawaii den Zielstrich des Super-Triathlons.

Voller Glückshormone: Sven Jansen überquert vor 20 Jahren auf Hawaii den Zielstrich des Super-Triathlons.

Foto: privat

Er traf Bill Gates oder Papst Franziskus. Im Vatikan war es unter anderem darum gegangen, dass Noventi die Vatikan-Apotheke auf klimaneutral gestellt hatte. Jansen, der 2001 an der Bremer Uni als Biochemiker promoviert hatte, trug als Speaker beim UN-Klimagipfel in New York vor. Er war der Noventi-Mann, der die Partnerschaft seines Unternehmens mit Deutschlands einzigem verbliebenem ATP-Turnier besiegelte, bei dem in Halle/Westfalen Superstar Roger Federer zugeschaut werden kann. Er war vor dem Noventi-Engagement in etlichen international aufgestellten Unternehmensberatungen.

Sven Jansen hat, so erzählt er es, mit Regierungen verhandelt, mit Männern wie Husni Mubarak, der bis 2011 Ägyptens Präsident war und im Februar gestorben ist. Jahre seines Arbeitslebens hat Jansen in diesem hochspannenden-hochdynamischen Prozess in Amerika oder in Paris verbracht. Oder hin und her pendelnd. Zwei Jahre lang operierte er von Dubai aus für den Beratungskonzern Booz Allen Hamilton, dafür hatte er sogar die Hochzeit vorgezogen. Seine Frau hätte ansonsten nicht dauerhaft zusammen mit ihm wohnen dürfen im Emirat. Und die ganze Aufzählung, was er wo alles gemacht hat, ist dabei nur ein unvollständiger Überblick über die Jansen-Vita.

Spinning-Weltrekord aufgestellt

Nach Studium und Promotion stand er damals vor einer Entscheidung. Auf dem akademischen Pfad bleiben? In die freie Wirtschaft gehen? Mit dem Olympiatraum hatte es nicht geklappt, es wurde zu eng, alles gleichzeitig aufs höchste Niveau zu bringen. Als größte Sporterfahrung blieb das Hawaii-Erlebnis. Es gibt kleiner erscheinende Sport-Erinnerungen als die an einen geschafften Ironman mit seiner vier Kilometer langen Schwimm-Strecke durch den Ozean, seinen 180 Kilometern auf dem Rad und 42 Kilometern zu Fuß durch die brütende Hitze auf der Pazifik-Insel. Sven Jansen darf sich zudem auch an einen Spinning-Weltrekord erinnern, den er mal beim Bremer Sechstagerennen aufgestellt hat. 59 Stunden am Stück auf dem Spinningrad. Oder an eine deutsche Bestleistung im Schwimmen. 56 Kilometer in 24 Stunden.

Die Entscheidung hieß dann damals, als sein betreuender Professor aufhörte: freie Wirtschaft. Und das Leben wurde: wieder wie Leistungssport, nur in anderen Metiers. Während er früher um fünf Uhr aufstand, um Lauf-Kilometer abzureißen, und um 22 Uhr wieder zuhause war, nachdem er an den Uni-Alltag noch Schwimmbahnen und Radstrecken angehängt hatte, gingen die Arbeitstage nun oft von morgens um sechs bis nachts um drei, erzählt er. Hochdynamisch halt. „Ohne meine Triathlon-Prägung hätte ich das nicht geschafft“, sagt er über sein Arbeitsleben, dem es an Intensität nicht mangelt. Der Leistungssport habe ihm nicht nur die entsprechende Körperspannung verschafft, sondern auch diese mentale Stärke, die Leistungssportlern immer wieder nachgesagt wird. Dieses Durchziehen. Es sollte vielleicht nicht überhöht werden als Blaupause für jedermann. Aber eine Leitplanke kann es schon sein.

Wenn man die Prägung als Leistungssportler als seine Leitplanke begreifen will, dann könnte man im Übrigen Bremen als seinen Anker bezeichnen. Er pendelt, häufiger als Claudio Pizarro womöglich, zwischen München und Bremen, er will vielleicht auch beruflich noch mal was werden in der Hansestadt. Ihr Haus in Bremen haben die Jansens, zu denen seit dreieinhalb Jahren auch Tochter Emily gehört, jedenfalls immer noch.

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