50. Bremer Sixdays Brisse hat Sieg-Chancen

Bremen. Vivien Brisse gehört in diesem Jahr zu den auffälligsten Fahrern beim Bremer Sechstagerennen. Der 25 Jahre alte Franzose, Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren, hat mit seinem Kollegen Christian Grasmann sogar Siegchancen.
14.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Brisse hat Sieg-Chancen
Von Patrick Hoffmann

Vivien Brisse gehört in diesem Jahr zu den auffälligsten Fahrern beim Bremer Sechstagerennen. Der 25 Jahre alte Franzose, Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren, hat mit seinem Kollegen Christian Grasmann sogar Siegchancen.

Man mag sich das ja gar nicht vorstellen. Wie stark Vivien Brisse wohl erst gefahren wäre, wenn ihm sein Teamkollege nicht kurz vor dem Bremer Sechstagerennen einfach abhanden gekommen wäre? Denn eigentlich dreht Brisse seine Runden ja zusammen mit Morgan Kneisky. Und das sogar ziemlich erfolgreich. Die beiden Franzosen sind aktuell Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren. Aber Kneisky ist vor Kurzem am Knie operiert worden und fällt vorerst aus. Deshalb fährt Brisse nun an der Seite von Christian Grasmann. Zum ersten Mal überhaupt. Nur merkt man das gar nicht. Im Gegenteil. Brisse und Grasmann gehören vor dem letzten Tag zum engen Kreis der Titelkandidaten.

Wer aber ist dieser Vivien Brisse?

Es ist Montag, 12 Uhr mittags. Wir treffen uns im Mannschaftshotel am Hauptbahnhof. Brisse kommt gerade zurück vom Frühstück. Er hat lang geschlafen, um fit zu sein für die Entscheidung beim Sechstagerennen. Brisse setzt sich auf einen Sessel im Foyer und entschuldigt sich vorab schon einmal für sein Englisch, das aber, wie sich im Gespräch herausstellen soll, gar nicht so schlecht ist, wie er behauptet.

Brisse verteilt zu Beginn eine Menge Lob. An die Organisatoren der Bremer Sixdays („Gutes Rennen“). Und an seinen Teamkollegen („Guter Fahrer“). Ob er einen Sieg bei seinem ersten Start in Bremen für möglich hält? Brisse grinst. „Warum denn nicht? Wir sind vorne dabei. Vielleicht können wir uns ja am Ende die Führung holen.“

Das wäre schon eine kleine Überraschung. Das Duo Brisse/Grasmann hatte zu Beginn der Sixdays nämlich kaum einer auf der Rechnung. Weltmeister hin oder her. Die Favoriten waren andere, Leif Lampater und Wim Stroetinga zum Beispiel. Oder Robert Bartko und Marcel Kalz. „Diese Teams sind richtig gut“, sagt Brisse. „Die halten das Tempo bei den Jagden ziemlich hoch. Das ist wirklich hart.“

Aber auch Brisse hat der Veranstaltung in diesem Jahr schon seinen Stempel aufgedrückt. Der 25 Jahre alte Franzose hat das Feld mit seinen blitzschnellen Vorstößen ein ums andere Mal überrascht und einen Rundengewinn herausgefahren. Die Konkurrenz hat das Duo Brisse/Grasmann anfangs offenbar ebenfalls nicht auf dem Zettel gehabt. Das hat sich inzwischen geändert. „Jetzt passt die Konkurrenz mehr auf uns auf“, sagt Christian Grasmann, der mit 32 Jahren doch noch auf den ersten Sieg bei einem Sechstagerennen hoffen darf.

„Vivien besitzt viel Courage“, sagt Grasmann. „Es macht Spaß, mit ihm zu fahren.“ Und dem Publikum macht es Spaß, Vivien Brisse beim Fahren zuzusehen. Rein Glückssache übrigens, denn normalerweise würde sich Brisse jetzt mit der Nationalauswahl auf die anstehenden Weltcup-Rennen vorbereiten. Er hätte den Januar über trainiert – hätte ihm der WM-Sieg von 2013 nicht diesen Sponsorenvertrag beschert. Eine Firma wirbt in diesem Winter auf der Hose des Franzosen, allerdings nur bei Bahnrennen, nicht auf der Straße. Also fährt Brisse nun so viele Bahnrennen wie möglich, um Geld zu verdienen. Ihn freut das. Und den Sponsor auch. „Wir profitieren also beide“, sagt Brisse, der in dieser Saison an fast allen Sechstagerennen teilgenommen hat: in Fiorenzuola d‘Arda, in Grenoble, in Gent, in Zürich, in Rotterdam und in Bremen. Auch in Berlin und Kopenhagen will er fahren. „Ich bin der Weltmeister“, sagt Brisse. „Ich denke, es ist gut für die Veranstalter, mich am Start zu haben.“

Aber Brisse hat noch mehr vor in diesem Jahr. Ende Februar findet in Cali, Kolumbien, die Bahnrad-Weltmeisterschaft statt. Da möchte Brisse seinen Titel im Zweier-Mannschaftsfahren (genannt Madison) verteidigen, gerne auch an der Seite von Kneisky. Falls der denn rechtzeitig wieder gesund wird. Im Sommer fährt Brisse dann auf der Straße, in einem reinen Amateur-Team. Langfristig soll der Weg dann zu den Olympischen Spielen führen, auch wenn Brisses Paradedisziplin, Madison, seit 2012 nicht mehr im Programm steht. „Wenn ich also jemals bei den Olympischen Spielen dabei sein möchte“, sagt Brisse, „dann muss ich mich im Team-Sprint qualifizieren. Ansonsten habe ich keine Chance.“

Die Sache hat bloß einen kleinen Haken. „Für den Team-Sprint muss ich sehr viel in Frankreich trainieren“, sagt Vivien Brisse. „Dann kann ich keine Sechstagerennen mehr fahren.“ Auch nicht das in Bremen.

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