Diskussion um Kunstrasen

BUND lehnt Übergangsfrist ab

Ab 2022 ist ein von der Europäischen Union geplantes Verbot von Kunstrasenplätzen mit Gummigranulat vorgesehen. Der BUND hat sich nun für ein umgehendes Verbot ausgesprochen. Eine Übergangsfrist lehnt er ab.
27.08.2019, 22:08
Lesedauer: 2 Min
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BUND lehnt Übergangsfrist ab
Von Helge Hommers
BUND lehnt Übergangsfrist ab

Der DFB und Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann sprechen sich für eine Verlängerung der Übergangsfrist aus.

Fredrik von Erichsen /dpa

Die Diskussion über ein Verbot von Kunstrasenplätzen mit Gummigranulat geht weiter: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat sich vehement dafür ausgesprochen, die Nutzung von Kunststoffgranulat, das nichts anderes als umweltschädliches Mikroplastik sei, umgehend zu unterbinden. „Ein Verbot ist unausweichlich“, sagt Nadja Ziebarth, BUND-Expertin für Mikroplastik.

Laut einer Recherche der Naturschutzorganisation seien Kunstrasenplätze in Deutschland der fünftgrößte Verursacher, die sogenannte Eintragsquelle, für Mikroplastik in der Umwelt. Dies erfolge über Witterung, Stollenschuhe und Sportkleidung, wodurch das Granulat vor allem ins Wasser gelange. Eine Übergangsfrist lehnt der BUND ab. "Mikroplastik im Kunstrasen ist schon jetzt eine Gefahr für unsere Umwelt und muss schnell verboten werden“, so Ziebarth. Sinnvolle Alternativen stellten Sand oder Füllmaterialien wie Kork oder Kokusnussschalen dar.

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Das von der Europäischen Union geplante Verbot ist ab 2022 vorgesehen. Allein in Deutschland wären etwa 5000 Vereine betroffen. Mindestens 21 davon kommen aus Bremen und Bremerhaven, wo auf 19 städtischen Plätzen mit Mikroplastik Sport ausgeübt wird. Hinzu kommen möglicherweise noch Spielfelder, die in Vereinshand sind, sowie neun vom DFB finanzierte Mini-Spielfelder. Eine Nachrüstung der Flächen ist mit hohen Kosten verbunden. Der Deutsche Fußball-Bund DFB spricht sich daher für eine Fristverlängerung bis 2028 aus.

Das macht auch Anja Stahmann (Grüne), die als Bremer Sportsenatorin aktuell auch Vorsitzende der Sportministerkonferenz ist. Sie spricht sich entschieden für ein Verbot aus, plädiert jedoch für eine Übergangsfrist, „wie sie auch für andere Mikrokunststoff-Produkte vorgesehen ist“, so Stahmann. Aus Kapazitätsgründen bei den Herstellern sei es nicht möglich, alle verbleibenden Plätze innerhalb weniger Monate auszutauschen – auch wenn etwa Bremen schon zur Hälfte über Kunstrasenplätze mit Quarzsandfüllung verfüge. „Eine Übergangsfrist ist beim derzeitigen Stand der Technik erforderlich.“ Ohne könnten Sportler europaweit künftig nur eingeschränkt trainieren. Die Frist könne nur verkürzt werden, sollte es Herstellern gelingen, das Granulat abzusaugen und mit einer umweltverträglicheren Füllung auszutauschen.

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An diesem Donnerstagabend lädt der Bremer Landessportbund zu einem Informationstreffen. Unter anderem steht im Fokus der aktuelle Stand zum Thema „Gummigranulat auf Kunstrasenplätzen“.

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