Frauen-Fußball Werder fehlt der Mut

Es fehlt die Durchschlagskraft: Werders Bundesliga-Fußballerinnen enttäuschen in der Offensive und unterliegen der TSG Hoffenheim mit 0:2.
14.03.2021, 19:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Der Gegner war stark, und so ließ sich irgendwie leben mit der Heimniederlage. „Leider konnten wir nicht so gut verteidigen wie gegen Potsdam, auch in der Offensive haben wir uns nicht wirklich Torchancen herausgespielt“, fasste Michelle Ulbrich das 0:2 (0:2) gegen die TSG Hoffenheim einigermaßen gelassen zusammen. Die Innenverteidigerin fand: „Die Niederlage geht in Ordnung.“ Die Ausgangssituation vor der Partie war ja auch eindeutig gewesen: Zwar hatten Werders Kickerinnen beim 0:0 am Mittwoch in Potsdam den ersten Auswärtszähler und zugleich den ersten Punkt in 2021 gewonnen. Doch der Gast aus Hoffenheim trat als Tabellendritter der Frauen-Bundesliga an.

Für die TSG Hoffenheim muss man genau genommen eine eigene Kategorie einführen. Ihr fehlen zwar einige Punkte auf das Spitzenduo FC Bayern und VfL Wolfsburg; der Abstand zu den nachfolgenden Teams ist allerdings auch ziemlich groß. So gesehen dürfen die Hoffenheimerinnen als einziger Verfolger der beiden Topteams gelten. So traten sie dann auch auf. Nach einigen Minuten des Abtastens übernahm die TSG das Kommando auf Platz 11, dominierte das Geschehen und verlagerte das Spiel nahezu komplett in die Bremer Hälfte. Dabei beeindruckte der Gast mit seiner Geschlossenheit – Hoffenheim kommt ohne die ganz dominanten Figuren aus, dafür weiß jede Spielerin im TSG-Trikot, was zu tun ist. „Sie haben eine richtig gute Truppe und sind eine der spielstärksten Mannschaften der Liga“, meinte Werder-Abteilungsleiterin Birte Brüggemann. Man ahnte bereits nach rund zehn Minuten, dass Werder den Kasten nicht lange würde sauber halten können.

Eine der wenigen herausragenden Kickerinnen in Reihen der Gäste hatte die Führung auf dem Fuß: Nicole Billa – mit 18 Treffern die mit Abstand beste Torschützin der Liga – hätte früh ihr Konto ausbauen können, wäre Lena Pauels nicht mit einer starken Parade beim Schuss aus kurzer Distanz zur Stelle gewesen (15.). Nur rund zehn Minuten später musste sich die Bremer Torfrau allerdings geschlagen geben, als Lina Hausicke eine Hereingabe von Isabella Hartig ins eigene Tour verlängerte. Keine drei Minuten später war Pauels ebenfalls machtlos: Nach einer Hoffenheimer Ecke kam Luana Bühler relativ ungehindert zum Kopfball und erzielte frühzeitig den Endstand. „Wir hatten wenig Ballbesitz und wurden permanent in Bedrängnis gebracht“, beschrieb Michelle Ulbricht später die Schwerstarbeit der Bremer Defensive. Dabei stand Werder über weite Strecken der Partie eigentlich recht gut und gestattete dem Gast nur wenig Möglichkeiten. Dass dem zweiten Treffer keine weiteren Tonfolgen sollten, lag allerdings auch an einer Hoffenheim Mannschaft, die das Spiel mit der Führung im Rücken souverän nach Hause brachte.

Abgesehen von der ein oder anderen Szene in der Schlussviertelstunde fand Werder in der Offensive dagegen kaum statt. Sie waren bemüht, die Bremer Angreiferin, tatsächlich effektiv setzten sie sich aber nicht in Szene. Dabei machte sich einmal mehr bemerkbar, dass in den verletzten Agata Tarczynska (Knieprobleme) und Jasmin Sehan (muskuläre Probleme) zwei wesentliche Kräfte fehlten. Zudem hatte Alexander Kluge auf die derzeitige Belastung reagiert und zu Beginn die drei Stammkräfte Katharina Schiechtl, Reena Wichmann sowie Nina Lührßen auf die Bank gesetzt. Linksverteidigerin Gabriela Toth wurde ebenfalls geschont und stand nicht einmal im Kader. Gleichwohl hatte sich der Trainer von seiner Elf schon ein bisschen mehr versprochen. „Uns hat leider in der ersten Halbzeit der Mut gefehlt und in der zweiten Hälfte die Durchschlagskraft. So haben wir es nicht geschafft, Hoffenheim in Verlegenheit und das Spiel ins Wanken zu bringen“, meinte Alexander Kluge.

Gleichwohl war auch der Trainer bemüht, die Partie schnell abzuhaken und den Blick nach vorn zu richten: „Auf uns wartet jetzt wieder ein wichtiges Spiel, da wollen wir wenig zulassen und die drei Punkte holen.“ Bereits am kommenden Mittwoch (14 Uhr) steht auf Platz 11 das Nachholspiel gegen den SC Freiburg auf dem Programm. Michelle Ulbrich meint: „Es ist gut, dass es direkt weiter geht. Trotz der Niederlage sind wir durch die vergangenen Partien in Schwung gekommen.“ Der Tabellensechste aus dem Breisgau dürfte dabei eine größere Chance bieten, die aktuelle Form unter Beweis zu stellen. Hoffenheim war dafür eine Nummer zu groß.

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