Trainer berichtet über Covid-19-Erkrankung

„Ich lag im Bett wie eine Leiche“

Der Fußballtrainer Turan Büyükata war schwer an Corona erkrankt. Im Interview berichtet er von seinem schweren Verlauf und mahnt jetzt zu mehr Vorsicht.
01.11.2020, 15:16
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye
„Ich lag im Bett wie eine Leiche“

Wieder genesen: Trainer Turan Büyükata war an Corona erkrankt und warnt davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen.

Michael Galian

Herr Büyükata, wie geht es Ihnen?

Turan Büyükata: Mir geht’s sehr gut. Ich darf seit Montag ja wieder raus, vorher hatte ich vier Wochen nur zu Hause beziehungsweise in der Klinik verbracht. Jetzt allein die frische Luft zu genießen, ist schon etwas Besonderes.

Wie haben Sie die Krankheit erlebt?

Am Anfang, das war Ende September, habe ich gedacht, das ist eine Grippe. Nach etwa einer Woche bin ich dann ins Krankenhaus, weil ich alle Symptome von Corona hatte. Dort wurde auch eine Lungenentzündung festgestellt. Da habe ich natürlich gedacht: Ach, du Kacke. Ich hatte gedacht, ich gehöre nicht zu den älteren Menschen. Als ich dann diesen schweren Verlauf hatte, war ich schon sehr überrascht. Das kann einen wirklich umhauen. Ich lag ja nur noch im Bett, wie eine lebende Leiche.

Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?

Das weiß ich nicht. Wir hatten zwar einen Jugendspieler mit Corona. Als ich dann die Symptome hatte, bestand zu ihm aber seit zehn Tagen kein Kontakt mehr. Insofern glaube ich nicht, dass die Ansteckung über diesen Spieler erfolgt ist. Ansonsten weiß ich aber nicht, wo ich mich angesteckt haben könnte.

Welcher Zusammenhang besteht ganz grundsätzlich zwischen Fußball und Corona?

Das kann ich nicht so leicht beantworten. Ich kam zu Jahresbeginn durch die TV-Bilder aus China mit Corona in Berührung. Dann gab es die ersten Fälle bei uns. Da macht man sich schon Gedanken und auch Sorgen, liest viel über das Thema. Aber alle habe ja auch gesagt: Mach’ Dir keinen Kopf, das gilt alles nur für die älteren Menschen. Also habe ich mir auch nicht so viele Gedanken über Corona und Fußball gemacht. Ich habe die ganze Krankheit eher entspannt gesehen – bis ich selbst krank wurde.

Dann haben Sie bei der ersten Unterbrechung im Frühjahr vermutlich noch gedacht: Warum spielen wir jetzt nicht weiter?

Ja, stimmt. Das habe ich damals gedacht.

Nun wurde der Spielbetrieb wieder unterbrochen, und Sie können es verstehen, oder?

Ja. Jetzt ist mir viel klarer, dass man nicht nur an sich denken sollte, sondern an alle Menschen um einen herum. Ich habe das jetzt hinter mir und bin viel vorsichtiger.

Die Rolle des Fußballs ist noch immer ungeklärt. Man geht mittlerweile davon aus, dass die Infektionsgefahr auf dem Platz gering ist.

Das habe ich auch gelesen. Am Ende werden trotzdem Entscheidungen getroffen. Es ist auch alles ein bisschen durcheinander aufgrund der vielen Informationen und Ansichten. Wir müssen jetzt aber weiter denken, an all die Menschen, die es noch schwerer treffen könnte als mich.

Lesen Sie auch

Die Diskussion in Bremen nahm vor rund drei Wochen Fahrt auf, weil sich der OSC Bremerhaven weigerte, zum Spiel bei Vatan Sport zu fahren. Wie haben Sie das damals erlebt?

Ich habe das gar nicht so verfolgt, denn ich lag da gerade im Krankenhaus. Irgendwann habe ich es gelesen und dann Vatan-Coach Necati Uluisik angerufen. Nach meiner Geschichte konnte ich die Entscheidung vom OSC schon nachvollziehen, zumal es ja offenbar auch Probleme mit einer möglichen Quarantäne und den Arbeitgebern der Spieler gab.

Das war ein wesentlicher Hintergrund der Unterbrechung durch den Bremer Fußball-­Verband. Nun gibt die Verfügungslage bis Ende November gar keinen Sport mehr her.

Und das kann ich verstehen. Die Zahlen werden im Moment ja auch jeden Tag schlimmer. Da ist es eine Vorsichtsmaßnahme. Auch wenn es genug Leute gibt, die sagen, dass man sich beim Fußball eigentlich nicht anstecken kann. Das nächste Problem ist doch: In Spiel und Training kannst du dich vielleicht nicht anstecken. Aber wir können den Jungs in der kalten Jahreszeit doch nicht die Nutzung der Kabinen und der Duschen verbieten.

Zunächst ist der Spielbetrieb nur für einige Wochen angehalten worden. Glauben Sie an eine Fortsetzung im Dezember?

Nein. Ich glaube, dass dieses Jahr nicht mehr gespielt wird. Es würde ja auch keinen Sinn machen, im Dezember noch ein, zwei Spiele zu absolvieren und dann in die Winterpause zu gehen.

In den vergangenen Tagen haben Sie noch mit Ihrer U 15 trainiert. War das anders als vor der Infektion?

Ich bin schon ein Trainer mit einer sehr engen Bindung an die Spieler. Jetzt habe ich darauf geachtet, den Jungs nicht zu nahe zu kommen. Das fiel mir schwer, denn wir haben eine super Beziehung und mögen uns einfach. Ich bin wie ein großer Bruder, musste aber Abstand halten.

Wie hat die Mannschaft auf die Nachricht von Ihrer Infektion reagiert?

Viele haben mich angeschrieben, auch die Eltern. Aber ich war ja ziemlich krank und gar nicht imstande, darauf zu reagieren. Trotzdem hat es mich sehr gefreut, dass ich vermisst wurde. Das war eine zusätzliche Motivation.

Lesen Sie auch

Hat Sie die Erfahrung dieser Krankheit auch persönlich verändert?

Ich nehme das alles viel ernster, denn ich habe keine Lust auf einen weiteren Krankenhausaufenthalt und will mich nicht darauf verlassen, dass ich nun immun sein könnte. Ich bin jetzt vorsichtiger, als man ohnehin schon sein musste. Ich habe zwar Vorerkrankungen, unter anderen Asthma. Aber deshalb habe ich mich vermutlich nicht angesteckt, und ob der schwere Verlauf daran festzumachen ist, weiß ich auch nicht. Insofern kann man wohl Glück haben oder eben Pech. Vorsichtig sollten wir auf jeden Fall alle sein, auch wegen der Menschen in unserem Umfeld.

Es gibt Menschen, die Corona als Grippe bezeichnen oder leugnen. Was sagen Sie dazu?

Am Anfang habe ich gedacht: Es ist schlimm, aber nicht in Deutschland. Dann war Corona da, und es war schlimm. Aber noch immer mit einigen Fragezeichen versehen. Heute weiß ich: Es gibt Corona, und jeden trifft es anders.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

Info

Zur Person

Turan Büyükata (35)

trainiert aktuell das U 15-Regionalliga-Team
des JFV Weyhe-Stuhr. Zuvor war er Co-Trainer des FC Oberneuland und für die Herrenmannschaften des Bremer SV, von Vatan Sport und
OT Bremen verantwortlich gewesen. Ende ­September erkrankte Büyükata an Corona und verbrachte angesichts eines schweren Verlaufs rund eine Woche in der Klinik.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+