Sport in der Corona-Krise

Wie Deutschlands Sportverbände die Rückkehr ins Training vorbereiten

Mit Konzepten und neuen Regeln bereiten sich Deutschlands Sportverbände in der Corona-Krise auf die Rückkehr in den Trainings- und Wettkampfbetrieb vor.
08.05.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Wie Deutschlands Sportverbände die Rückkehr ins Training vorbereiten
Von Frank Büter
Wie Deutschlands Sportverbände die Rückkehr ins Training vorbereiten

Regeln werden angepasst: Unter Auflagen ist in Deutschland wieder Training im Breiten- und Freizeitsport erlaubt.

Christophe Gateau /dpa

Mein Ball, Finger weg. Deutschlands Sportverbände haben in den zurückliegenden Tagen und Wochen Konzepte mit sportartspezifischen Übergangsregeln entwickelt, die Vereinen und Aktiven als Hilfestellung für den Wiedereinstieg in den Trainings- und Wettkampfbetrieb dienen sollen. Für den Tischtennissport beispielsweise lautet eine Empfehlung, dass die Trainings- oder Spielpartner jeweils einen eigenen, farblich deutlich voneinander unterscheidbaren Ball benutzen sollen (etwa weiß und orange), einen Ball, den auch nur sie berühren dürfen. Ähnlich verhält es sich beim Tennis. Auch dort heißt es: Mein Ball, Finger weg.

Mit diesen Regelungen hat der unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) organisierte Sport in Deutschland erste Grundlagen geschaffen, um in einen geregelten Sportalltag zurückkehren zu können. Wann und wie dies geschehen kann, ist derzeit noch nicht absehbar. Immerhin ist seit diesem Donnerstag aber wieder kontaktloses Mannschaftstraining auf den Sportplätzen möglich. Zudem soll unter Einhaltung von Hygienevorschriften und des Abstandsgebots schrittweise auch die Nutzung von Sporthallen wieder möglich werden, kündigte Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag an.

Pirouetten im Sand

„Wenn man auf das Doppel verzichtet, hat Tischtennis den großen Vorteil, dass die Spieler am Tisch drei Meter voneinander weg stehen und ihren eigenen Schläger haben“, sagt Sascha Greber, Teammanager des Bundesligisten SV Werder Bremen. Zudem könne man die Tische räumlich durch Umrandungen voneinander abtrennen. Der frühere Zweitligaakteur hat deshalb die große Hoffnung, dass Tischtennis als „komplett kontaktlose Sportart“ schon bald wieder in den Hallen ausgetragen werden darf. Was nicht nur in Grebers Sinn wäre. Aktuell steht der Trainingsbetrieb beim Tabellenvierten komplett still, allerdings hat die TTBL als Dachorganisation der Bundesliga nach wie vor die Absicht, noch in diesem Halbjahr die ausstehenden Play-offs auszurichten und einen Meister zu ermitteln.

Lesen Sie auch

Tischtennis oder Tennis könnten also bei disziplinierter Umsetzung gewisser Regeln in Einzelspielen oder kleinen Trainingsgruppen durchaus kontaktlos ausgeübt werden. In anderen Sportarten wird es hingegen schwieriger. Die Handballer etwa schlagen für den Weg zurück konzeptionell einen Acht-Stufen-Plan vor, auf dem man sich derzeit in Phase drei befindet. Hier steht handballspezifisches Training ohne Zweikämpfe an, laut Empfehlung wird draußen und in Kleingruppen geübt. Möglich ist ab diesem Schritt auch die Wiederaufnahme von Beachhandballtraining, hier könnten unter Einhaltung der Abstandsregelungen verschiedene Technikübungen wie Pirouetten trainiert werden.

Apropos Sand: Im Konzept des Deutschen Volleyball-Verbandes wird explizit auch Beachvolleyball beschrieben, weil es im Vergleich zum normalen Volleyball unter freiem Himmel und mit kleinerer Gruppengröße praktiziert werden kann. Eine Rückkehr in den Wettkampfbetrieb unter dem Hallendach sehen die Verantwortlichen unter den aktuellen Gegebenheiten als unrealistisch an. Mindestabstände etwa seien nur mit Regeländerungen einhaltbar. Ballaktionen oberhalb der Netzkante (etwa Blockabwehr) müssten verboten werden. Und um direkten Kontakt zu vermeiden, dürften auch keine Aufschläge oder Angriffe in die Mitte zwischen zwei Spieler geschlagen werden.

Großes Achselzucken

Was auch beim Beachvolleyball zu beachten wäre. "Aber wie soll das funktionieren?, fragt Lars Thiemann, der Bremer Volleyball-Chef. "Sollen wir beim Beachen auf jeder Feldseite in der Mitte noch eine zwei Meter breite Gasse ziehen, die nicht bespielt werden darf?" Thiemann zuckt die Achseln. "Dafür fehlt mir die Fantasie – und ich habe keine Idee, wie künftig Volleyball als Mannschaftssport in der Halle aussehen soll, solange es die Kontaktbeschränkung gibt."

Ein Dilemma, das auch die Tanzsportler betrifft. Es wird eben paarweise zusammen getanzt, die Aktiven haben also körperlichen Kontakt. „Anders funktioniert es nicht“, sagt Jens Steinmann, der Präsident des Grün-Gold-Clubs Bremen. Um zeitig wieder in den Trainings- und perspektivisch in den Wettkampfbetrieb zurückkehren zu können, hat Steinmann für die Kaderathleten des Klubs Ausnahmegenehmigungen für Training in Kleingruppen beantragt; das betrifft drei Einzelpaare, die dem DOSB-Kader angehören, und es betrifft die Mitglieder der Lateinformation, die immerhin amtierender Weltmeister ist.

Lesen Sie auch

Gleichzeitig blickt Steinmann auch ein wenig neidvoll gen NRW: Denn in Nordrhein-Westfalen ist laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ab dem 30. Mai auch die „Ausübung von Sportarten mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen wieder möglich“. Ebenfalls erlaubt seien sportliche Wettbewerbe im Kinder- und Jugendsport sowie im Amateursport.

Und auch die Nutzung von Umkleiden und Sanitäranlagen soll dann unter Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wieder gestattet sein. Eine solche Ankündigung würde sich nicht nur Steinmann auch für Bremen zeitnah wünschen. Etwas Geduld ist indes noch gefordert. Nach Informationen des WESER-KURIER wird sich der Bremer Senat am Dienstag mit dieser Thematik befassen und weitere Öffnungen für den Sport vorbereiten.

Lesen Sie auch

Info

Zur Sache

Buntentor staffelt das Training

Der ATS Buntentor ist praktisch schon seit Montag wieder im Mannschaftstraining in seinen diversen Sparten. Jürgen Maly hatte als erster Vorsitzender am vergangenen Wochenende ein Gutachten erstellt, dem zufolge mehr als zwei Sportler auf einem Platz trainieren dürfen. Das setzte er für seinen Verein prompt um und verstieß damit auch nicht gegen die Allgemeinverfügung, die die Politik im Zuge der Corona-Krise erlassen hatte.

Bis zu zwölf Personen seien seiner Meinung nach erlaubt gewesen, sagt Maly, daran habe man sich strikt gehalten. Jetzt ist die Vorgabe ohnehin überholt, in Bremen dürfen Sportler gemeinsam trainieren, wenn jeder auf seinen zehn Quadratmetern den Abstand von 1,50 Meter einhält. In Buntentor sollen trotzdem nicht zu viele Menschen gleichzeitig trainieren, deshalb gibt es gestaffelte Anfangszeiten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+