Bremer Trainer im Rededuell „Da war eine Menge Wut im Spiel“

Die beiden Trainer Ralf Voigt vomBremer SV und Kristian Arambasic vom FC Oberneuland sind Kollegen und Konkurrenten in der Bremen-Liga. Im Rededuell stehen sie sich abseits des Fußballplatzes gegenüber.
01.08.2019, 22:28
Lesedauer: 6 Min
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Von Stefan Freye

In der vergangenen Saison galten Ihre Mannschaften als absolute Topteams und landeten am Ende weit vor der Konkurrenz. Werden sie diese Rollen auch in der kommenden Spielzeit ausfüllen?

Kristian Arambasic: Ich würde sagen, dass wir noch die Topmannschaften sind, sich in der Breite aber etwas tun wird. Ich glaube, dass vier, fünf Mannschaften oben mitspielen werden und du nicht mehr mit 28, 29 Siegen Meister wirst. Ich hatte das allerdings auch vorm letzten Jahr schon erwartet und nicht gedacht, dass wir beide so durchmarschieren würden.

Ralf Voigt: Ich weiß es noch nicht. Sicher haben die Vereine aufgerüstet, und das finde ich überragend. Da macht sich die Bremen-Liga wieder interessant. Es kann auch durchaus sein, dass man nicht wieder einen Durchmarsch erlebt – wobei ich Oberneuland schon ein bisschen weiter vorn sehe. Uns fällt es natürlich unheimlich schwer, die zwölf, 13 Abgänge zu ersetzen. Das war im letzten Jahr noch ein bisschen einfacher.

Allgemein geht man ja auch davon aus, dass der FC Oberneuland das Niveau halten konnte, während man sich beim Bremer SV angesichts der Abgänge nicht so sicher ist.

Voigt: Ich verteile hier aber keine Favoritenrollen. Der FCO muss sich auch erst mal beweisen, auch dort sind zwei, drei Spieler gegangen. Es geht immer bei null los. Ich finde es aber auch gut, dass uns niemand so recht einschätzen kann.

Können Sie es selbst?

Voigt: Ja, das kann ich. Im letzten Jahre hatten wir zu dieser Zeit auch noch keinen Dallas Amazadeh oder einen Marcel Lück. Sie haben wir auch erst spät geholt, und so wird es auch diesmal kommen.

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Es wird personell also demnächst noch etwas passieren?

Voigt: Das wird es.

Herr Arambasic, was meinen Sie denn zum Neuaufbau des BSV?

Arambasic: Meine Mannschaft will das immer nicht hören, aber ich gucke mir vorher immer alle Gegner an und habe gesehen, was für eine unglaubliche Qualität der BSV jetzt schon hat. Es ist klar, dass das noch zusammenwachsen muss, aber ich sehe kein Gefälle. Die Qualität reicht jetzt schon, um ein Titelkandidat zu sein.

Vor rund zwei Monaten schien der FCO angesichts der verpassten Meisterschaft der klare Verlierer des Duells mit dem BSV zu sein. Dann verlor der Konkurrent das Pokalfinale gegen Ihre Elf und scheiterte am Aufstieg in die Regionalliga. Geht der FCO mit einer positiveren Stimmung in die Saison, Herr Arambasic?

Arambasic: Wir haben den Titel nun zwei Jahre in Folge mit jeweils einem Punkt Rückstand verloren. Da war eine Menge Wut im Spiel, denn wir haben viel investiert und waren am Ende der Erste der Verlierer. Deshalb war der Pokal auch extrem wichtig, und deshalb haben wir im Finale wohl auch noch mal zehn Prozent mehr gegeben. Wir wollten nicht mit nichts dastehen. Trotzdem sind wir extrem gierig auf den Titel und die Relegation. Wir wollen uns einfach beweisen und es auch mal versuchen. Ich sehe den BSV aber nicht im Nachteil, da er jetzt eine neue Mannschaft aufbaut, die auch sehr hungrig sein wird.

Herr Voigt, war der Neuaufbau nach der am Ende eher enttäuschenden Saison vielleicht sogar notwendig für die Stimmung?

Voigt: Das glaube ich nicht. Man kann vier, fünf Änderungen haben, das ist normal. Meine Mannschaft war gierig und wollte den Aufstieg. Es hat aber einfach nicht gereicht, weil wir uns selbst Probleme gemacht haben. Aber was im Titelkampf los war, gab es wahrscheinlich seit 20 Jahren nicht mehr in der Bremen-Liga. Das haben wir den beiden Mannschaften zu verdanken. Und wir müssen jetzt aus der letzten Saison lernen.

Mit einer neuen Mannschaft?

Voigt: Ja, und es geht dabei aber vor allem um das Ende der letzten Saison. Da habe ich die Meisterschaft klar an die erste Stelle gesetzt, vor den Pokal, um die Mannschaft zu entlasten. Das war ein Fehler von mir. Es war einfach nicht richtig.

Wenn es nun kein Vorteil ist, mit einer neuen Mannschaft an den Start zu gehen, können Ihnen die zwölf, 13 Abgänge nicht gefallen. Wie kam es dann dazu?

Voigt: Wer so eine Serie spielt, mit so attraktivem Fußball, weckt natürlich Interesse. Wir wollen manchen Weg in finanzieller Hinsicht aber nicht mitgehen, und wenn dann ein Regionalligist kommt, dann hast du keine Chance. Diese Liga ist nun mal das Ziel der Spieler und ja auch des Bremer SV.

Herr Arambasic, Ihre Mannschaft spielte ähnlich attraktiv, verzeichnet aber deutlich weniger Abgänge. Geht der FCO den von Ralf Voigt beschriebenen Weg also mit?

Arambasic: Nein, beim FCO bliebt alles, wie es ist. Wir hatten von Anfang an einen Plan und haben gesagt, wir wollen drei Jahre lang etwas aufbauen. So haben wir die Stammspieler in den letzten zwei Jahren halten können und nur punktuell etwas verändert. Am Ende ging es um das gegenseitige Vertrauen. Auch wir hätten nach der Saison vier, fünf Spieler ohne Probleme nach oben abgeben können. Die Spieler beschäftigen sich auch mit diesen Möglichkeiten, aber sie vertrauen uns.

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Und haben dann auch nicht mehr Geld bekommen?

Arambasic: Nein. Wir haben einfach unterschiedliche Voraussetzungen. Wir haben nicht die Groß-Sponsoren wie der Bremer SV. Wir arbeiten gerade daran, aber der BSV ist uns um vier, fünf Jahre voraus.

Und Sie sind offenbar weiter mit der Mannschaft?

Voigt: Aber wir sind Meister geworden (lacht)

Arambasic: Eben. Wir kommen dem BSV immer näher und sind auf einem guten Weg. Ich bin auch froh, dass wir in Oberneuland den Kader in dieser Qualität weitgehend zusammengehalten haben. Wir haben eine Basis geschaffen, dass wir nicht einen so großen Umbruch wie der BSV machen müssen. Es wäre für Ralf ja auch leichter, wenn er seine erste Elf noch hätte. Aber er muss jetzt neu starten. Das ist eine Herausforderung, die er im letzten Jahr allerdings auch überragend gemeistert hat.

Nun erwarten Sie beide aber eine breitere Spitze. Wer fällt Ihnen denn als Erstes ein, wenn es um mögliche Konkurrenten um den Titel geht?

Voigt: Aus meiner Sicht sind Schwachhausen und Blumenthal sehr gut aufgestellt, auch die SFL Bremerhaven gehört dazu.

Arambasic: Sie haben ihre Mannschaft zusammengehalten und noch verstärkt. Neben der SFL, Blumenthal und Schwachhausen sehe ich auch noch den ESC Geestemünde, der Geld in die Hand genommen hat und ganz klar sagt: Wir wollen hoch in die Regionalliga. Ich habe auch Brinkum gesehen, Mike Gabel hat dort eine gute Mannschaft zusammen. Von der Kontinuität sind der BSV und wir vielleicht weiter – aber diese Mannschaften können uns definitiv ärgern. Deshalb sehe ich uns nicht so weit vorn und glaube nicht an einen Durchmarsch.

Es wird neue Regeln geben, unter anderem Gelbe und Rote Karten gegen die Bank. Welche Rolle spielen sie für Ihre Arbeit?

Voigt: Was die Karten betrifft, halte ich den Weg für völlig falsch. So gehen wir immer weiter auseinander, und so werden die Streitigkeiten auf dem Platz immer mehr. Die Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichtern, Trainern und Vereinen müsste intensiviert werden. Man kann viel mehr regeln, wenn man sich an einen Tisch setzt und austauscht. Man spricht ja auch überall von Kommunikation. Hier geht es genau in die andere Richtung, und das ist absolut unverständlich.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

Info

Zur Person

Kristian Arambasic (41)

saß bereits bei der SG Aumund-Vegesack, dem VfB Oldenburg und dem Brinkumer SV auf der Bank. Seit 2017 betreut der Fußballtrainer den FC Oberneuland, mit dem er zuletzt den Lotto-Pokal gewann.

Ralf Voigt (53)

trainiert den Bremer SV seit 2018 und gewann gleich den Titel. Als aktiver Profi war er unter anderen für Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld und den 1. FC Saarbrücken angetreten. War zuvor Sportlicher Leiter beim VfB Oldenburg.

Info

Zur Sache

Bremerhaven-Derby zum Start

Um 18.30 Uhr eröffnen der SFL Bremerhaven und die Leher TS an diesem Freitag die neue Spielzeit. Der Bremer Fußball-Verband hat zum Auftakt alle Trainer und viele Verantwortliche der 16 Bremen-Ligisten in die Seestadt eingeladen, die Eröffnung soll so einen offiziellen und feierlichen Charakter bekommen. Noch ist offen, wie viele Gäste der Einladung auch folgen werden. Zum Duell zwischen Meister und Vizemeister kommt es erstmals am sechsten Spieltag, wenn der FC Oberneuland am 6. September den BSV empfängt. Das Rückspiel auf dem Panzenberg dürfen sich die Fans für den 7. März des kommenden Jahres in den Kalender schreiben. Der letzte Spieltag vor dem Jahreswechsel steigt am 7. und 8. Dezember, dann geht es in die Winterpause. Weiter geht es im neuen Jahr am 21. Februar. Der letzte Spieltag ist für das Wochenende vom 15. bis 17. Mai 2020 terminiert, bevor es für den Meister in die Regionalliga-Relegation geht – dann hoffentlich mal mit einem Aufstieg in die 4. Liga.

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