Darts-Podcast

Wie ein Bremer zum Entertainer in einem Autokino wird

In einem Darts-Podcast wird der Bremer Tomas „Shorty“ Seyler zum Entertainer - jetzt sogar im Autokino. Der vierfache WM-Teilnehmer plaudert mit Elmar Paulke über die wichtigen Dinge des Lebens.
25.05.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Wie ein Bremer zum Entertainer in einem Autokino wird
Von Frank Büter
Wie ein Bremer zum Entertainer in einem Autokino wird

Tomas "Shorty" Seyler, war einer des besten Dartspieler Deutschlands und nahm vier Mal an der Weltmeisterschaft teil.

Grafik WESER-KURIER / fr

Wenn die Erde zur Scheibe wird, ist Elmar Paulke oft nicht weit. Der beim Sender Sport 1 bekannt gewordene Moderator ist so etwas wie Mister Darts in Deutschland, über viele Jahre hat Paulke diese Sportart in die Wohnzimmer der Republik gebracht und salonfähig gemacht. Zumeist an seiner Seite: der Bremer Tomas „Shorty“ Seyler. Fast sieben Jahre hat Seyler, ehemals einer des besten Dartspieler der Nation und vierfacher WM-­Teilnehmer, als Experte und Co-Moderator für den TV-Sender gearbeitet und sich ebenfalls Kultstatus in der Szene erworben. Als Elmar Paulke 2018 als Kommentator zum Streaming-­Dienst Dazn wechselte, trennten sich die Wege – doch nur vorübergehend. Denn inzwischen heißt es wieder regelmäßig: „Game on“.

Im April dieses Jahres hat sich das Duo Paulke/Seyler wieder vereint und plaudert seither einmal wöchentlich in einem Podcast über Darts und andere wichtige Dinge des Lebens. Elmar Paulke und Tomas Seyler sind launig im Zusammenspiel, lustig, offen und mitunter so entwaffnend ehrlich, dass man die Tränen, von denen sie in ihrem Podcast berichten, die Wangen hinunterrinnen sieht. Sie sind mit Spaß dabei und glänzen mit großem Fach- und Hintergrundwissen. Dieses Duo spricht eben den „Slang einer Sportart“, sagt Tomas Seyler und bezeichnet sich selbst dabei gern als „Hobby-Quatschkopf“.

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„Shorty“ Seyler, in Bremerhaven aufgewachsen, Vater einer Tochter und seit vielen Jahren schon in Bremen heimisch, ist ein sehr ernstzunehmender „Quatschkopf“. Der 45-Jährige hat viel erlebt auf den Darts-Bühnen dieser Welt. Deshalb hat er zu vielen Geschich­ten auch ganz eigene Anekdoten zu erzählen. In einem der bereits veröffentlichten Podcasts etwa berichtete Elmar Paulke von einer Sportdokumentation, die sich dem Aufstieg und Fall der schottischen Dartslegende John „Jocky“ Wilson widmet.

Der Mann aus der Hafenstadt Kirkcaldy war 1982 und 1989 BDO-Weltmeister, zu einer Zeit also, als beim Darts auf der Bühne noch fleißig geraucht und Alkohol getrunken wurde. „Stark am Board, hart am Glas“ sei er gewesen, dieser „Jocky“ Wilson, der im WM-Halbfinale 1984 gegen David Whitcombe sogar derart besoffen gewesen sein soll, dass er von der Bühne fiel.

Tomas „Shorty“ Seyler

Tomas „Shorty“ Seyler

Foto: Frank Büter

Noch selbst gegen „Jocky“ Wilson gespielt

Diesem – Achtung: Wortspiel – gefallenen Helden, der nur 1,53 Meter groß war, mit 28 keinen Zahn mehr im Mund hatte und erst mit 29 Jahren Darts-Profi wurde, widmete sich das Experten-Duo in diesem Podcast. Mitte der 90er-Jahre verschwand Wilson von der Bildfläche, alkoholkrank und verarmt verstarb der frühere Minenarbeiter 2012. „Shorty“ Seyler kannte besagte Dokumentation zu dem Zeitpunkt nicht, aber er kannte – natürlich – „Jocky“ Wilson. Weil er gegen ihn in jungen Jahren sogar noch selbst gespielt hat. 1993 war das, im Achtelfinale der Dutch Open.

2:2 stand es, das nächste Leg sollte über den Einzug in die Runde der besten Acht entscheiden. Seyler erzählt, als wäre es gestern gewesen. Nach zwölf Pfeilen hat er 101 Rest, Wilson steht bei 86. Seyler wirft, da geht das Licht im Saal aus. Komplett. „Da hat sich jemand an den Schalter gelehnt und es war dunkel.“ Der Pfeil verfehlt die avisierte Zahl, als das Licht wieder angeht, verwehrt Wilson ihm eine Wiederholung. „Und dann“, sagt „Shorty“ Seyler, „hat der Mann die Nüsse, wirft nach Triple-Eins eine Triple-17 und macht mit Doppel-16 aus!“

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Es sind Geschichten wie diese, die den Podcast so lebendig machen. Das Zusammenspiel der Moderatoren ist von großer Nähe geprägt – dabei liegen fast 800 Kilometer zwischen den beiden, wenn sie solch eine Podcast-Folge aufnehmen. Inhaltlich stimmen sie sich zuvor über Whatsapp ab, dann wird losgeplaudert. Seyler auf dem heimischen Sofa in Bremen, Paulke, gebürtig aus Bergisch-Gladbach, in seiner Wahlheimat südlich von München. Einmal wöchentlich am Montag sortieren sie die Darts-Welt.

Nehmen zu aktuellen Ereignissen Stellung. Erklären, was sich hinter der „fiesen Dartitis“ verbirgt. Verraten, wann sie zuletzt geweint haben und warum „The Voice Kids“ den dreifachen Papa Elmar Paulke zu Tränen rührt. Sprechen über private Dinge wie das Einkaufen mit „Schnutenpulli“, also Mundschutz, oder das rührende Sandkasten-Video von Seylers gerade einjährigem Enkel Liam-­Noah, den „Shorty“ wegen der Kontaktsperre zuvor acht Wochen nicht mehr gesehen hatte.

Die handwerkliche Feinmotorik fehlt

Persönliche Fragen des immer größer werdenden Publikums werden auch beantwortet. Dabei verrät „Shorty“, dass er Ikea-Pakete zwar maskulin ins Auto und auch in die Wohnung trägt, sich dann aber einen Kaffee kocht und den Aufbau der Möbel seiner Lebensgefährtin Wiebke überlässt. Die handwerkliche Feinmotorik fehlt ihm also, dem Pfeilewerfer, der einst sogar bei der WM im „Ally Pally“, dem legendären Alexandra Palace im Norden Londons, das nur acht Millimeter hohe Triple-20-Feld anvisiert hat.

„Shorty“ berichtet auch ganz freimütig von seinem größten Ausraster nach einer Niederlage. Zwölf sei er damals gewesen, da habe er nach einem verlorenen Spiel geheult und seinem Gegner den Handschlag verweigert. „Mein Vater hat mich danach zwei Jahre auf die Strafbank gesetzt!“, erzählt Seyler. Zwei Jahre lang hat ihn der Vater nicht mehr mitgenommen zu Turnieren. Eine harte, aber lehrreiche Zeit, sagt der Bremer heute. Im Mai vor neun Jahren ist sein Vater verstorben, und noch häufig denkt er mit feuchten Augen an ihn zurück, denn „durch ihn habe ich gelernt, verlieren zu können".

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Geld verdienen lässt sich mit dem Podcast noch nicht, erzählt Seyler, von Beruf gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und zurzeit Arbeit suchend. Aber er ist guter Dinge, dass dabei vielleicht auch mal ein paar Steinchen abfallen könnten. Ziel sei es zunächst, Reichweite und Bekanntheitsgrad zu steigern. „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Darts und Entertainment“, sagt er. Es geht darum, zu überraschen und auch mal ungewöhnliche Sachen zu machen. So wie an diesem Mittwoch, wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen und performen.

In einem Autokino in Köln-Porz. 250 Stellplätze habe dieses Autokino, pro Fahrzeug seien zwei Personen zugelassen, sagt Seyler. „Das wird eine ganz neue Erfahrung für mich.“ Paulke/Seyler werden dort live die nächste Podcast-Folge einspielen. Sie wollen interagieren mit hupenden Fahrzeuginsassen, Darts auf die Bühne bringen und ein paar Pfeile werfen. Auch in diesem Autokino in Köln-Porz soll die Erde zur Scheibe werden. Game on!

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Zur Sache

Darts-Gala in Bremen nicht gefährdet

Michael van Gerwen, Peter Wright, Rob Cross oder Gerwyn Price: Es sind bekannte Namen, mit denen die PDC, die Professional Darts Corporation, als Dachverband für die 1. Bremen Darts Gala wirbt. Diese und noch weitere Stars der Szene werden sich am 5. Dezember dieses Jahres ab 18 Uhr in der Bremer ÖVB-Arena präsentieren und sich im Rahmen eines Turniers auf die kurz darauf in London beginnende Weltmeisterschaft vorbereiten.

Trotz der Corona-Pandemie sei die Austragung des Events aktuell nicht gefährdet, heißt es von Seiten des Veranstalters. „Es bleibt alles so wie geplant, von einer Verlegung ist bisher noch keine Rede“, teilte Julia Zühlke von der P-Promotion Event GmbH in Münster auf Anfrage mit. Tickets für diese Darts-Gala können über die bekannten Plattformen erworben werden.

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