Hockey-Ikone Natascha Keller trägt morgen als fünfte Frau die Fahne des deutschen Teams bei der Eröffnungszeremonie in London „Das ist eine große Auszeichnung für unsere Sportart“

London. Es wird immer noch gewerkelt und gezimmert im historischen Museum of London Docklands, das in diesen Tagen zum Deutschen Haus mutiert und damit zum Treffpunkt der Sportfunktionäre des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der Sportler und Sponsoren. Während noch eifrig rumgeräumt wurde in den musealen Räumen, haben die Funktionäre ihre erste Baustelle schon erledigt: Die Nominierung des Athleten, der die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend ins Olympiastadion trägt.
26.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Erik Eggers

London. Es wird immer noch gewerkelt und gezimmert im historischen Museum of London Docklands, das in diesen Tagen zum Deutschen Haus mutiert und damit zum Treffpunkt der Sportfunktionäre des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der Sportler und Sponsoren. Während noch eifrig rumgeräumt wurde in den musealen Räumen, haben die Funktionäre ihre erste Baustelle schon erledigt: Die Nominierung des Athleten, der die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend ins Olympiastadion trägt.

Dienstagabend hat Natascha Keller davon erfahren, aber realisiert hat die 35-Jährige vom Berliner HC die Sache noch nicht. "Ich bin irgendwie immer noch sprachlos, das wirkt alles noch so unreal", sagte Keller. "Ich bin für mein Leben gern Mannschaftssportlerin gewesen. Jetzt darf ich diese große Mannschaft in das Stadion führen, mit der Fahne in der Hand, das ist eine große Ehre für mich."

Seit 1906 werden beim Einmarsch die teilnehmenden Nationen von einem Fahnenträger angeführt. Die Nominierung dieses Athleten sagt auch etwas über den Stellenwert der betreffenden Sportart aus. Zunächst waren es vor allem Leichtathleten (siebenmal), seit dem Zweiten Weltkrieg viermal Reiter, und es dauerte bis 2000, bis eine gesamtdeutsche Mannschaft von einer Frau repräsentiert wurde.

Nun also Hockey. Viele Gründe hätten für Keller gesprochen, führte DOSB-Generaldirekter Michael Vesper aus. Erstens sei sie eine Vertreterin einer der erfolgreichsten Mannschaftssportarten (allein Hockey hat zwei Mannschaften in London). Zweitens sei dies ihre fünfte Olympiateilnahme. Zudem sei es an der Zeit gewesen, mal wieder eine Frau als Fahnenträgerin zu nominieren. Keller ist damit die fünfte Frau (wir berichteten), die die Fahne trägt.

Und nach Richter und dem Basketballstar Dirk Nowitzki (2008) die dritte Fahnenträgerin, die einen Mannschaftssport repräsentiert. Sie entstammt einer wahrlich olympischen Dynastie. Bereits ihr Großvater Erwin Keller gewann zwei olympische Medaillen, 1928 in Amsterdam (Bronze) und 1936 in Berlin (Silber).

Ihr Vater Carsten stürmte 1972 in München sensationell zu Gold. Genau wie ihre Brüder Andreas (1992) und Florian (2008) veredelte sie ihre dritte Olympiateilnahme 2004 in Athen mit der höchsten olympischen Weihe. "Wenn ich zum dritten Mal dabei bin, dann klappt es, das ist Familientradition", hatte sie ihrer Mitspielerin Louisa Walter vor Athen erklärt. Und so kam es. Der DOSB würdigt mit Keller auch eine besondere Familiengeschichte.

Und es ist kein Wunder, dass die Familienangehörigen Kellers die Nachricht, sie werde die Fahne tragen, entsprechend bejubelten. "Sie haben sich alle riesig gefreut." Aber auch ihre Freunde aus dem Hockey sehen die Leistungen ihrer Sportart gewürdigt, die allein bei Olympischen Spielen in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. "Das ist für unsere Sportart eine große Auszeichnung", sagte Keller.

Keine andere als die Mittelstürmerin hätte es mehr verdient. Schließlich ist Keller eine Ikone ihrer Sportart. Sie führt den Titel der "Welthockey-Spielerin" des Jahres 1999, hat vier EM-Titel gewonnen, Deutsche Meisterschaften. Unglaubliche 413 Länderspiele hat sie bisher für den Deutschen Hockey-Bund absolviert. "Es war immer etwas Besonderes, wenn ich für Deutschland auflaufen durfte", sagte sie. "Wenn ich jetzt sogar die Olympiamannschaft repräsentieren kann, ist das großartig."

Gemessen an der Leichtigkeit, mit der sie auf ihre Nominierung reagierte, dürfte sie nicht allzu schwer an den deutschen Farben tragen. "Alle sagen, es soll nicht so schwer sein", juxte Keller.

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