Fußball-Manager Allofs trifft den Rennbahn-Manager Martin "Das ist mehr als nur diese großen Hüte"

Bremen. Am 10. Juli wird auf der Bremer Galopprennbahn der Werder-Renntag veranstaltet. "Die Zeiten im Rennsport sind für alle ziemlich schwierig", so Rennbahn-Manager Klaus Martin. "Das ist ein Sport für den sogenannten einfachen Mann", so Allofs.
03.07.2011, 05:00
Lesedauer: 8 Min
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Bremen. Der Anlauf war lang, jetzt ist es endlich soweit. Am 10. Juli wird es auf der Bremer Galopprennbahn in der Vahr den Werder-Renntag geben. Grund genug, den Rennbahn-Manager Klaus Martin einerseits und den Werder-Manager Klaus Allofs andererseits um ein gemeinsames Gespräch zu bitten. Olaf Dorow stellte die Fragen.

Wer von Ihnen ist jetzt eigentlich der größere Pferdenarr?

Allofs: Das ist ja immer so eine Sache. Narr hört sich nicht sehr positiv an. Da dauert es dann nicht lange, bis der Begriff Zocker kommt. Klaus Martin ist natürlich hier in ganz anderer Verantwortung. Uns verbindet, so sollte man es nennen, die Liebe zum Pferderennsport. Das hat mit "Narr sein" wenig zu tun. Das ist einfach eine große Begeisterung...

...die bei Ihnen schon seit Langem da ist?

Allofs: Als kleiner Junge bin ich an den Sonntagen mit meinem Großvater immer mitgegangen zum Grafenberg in Düsseldorf. Großvater war Bäcker und Konditor. Sonntagnachmittag war reserviert für Fußballspiele - oder für Rennen am Grafenberg. Ich habe in unmittelbarer Nähe der Rennbahn gewohnt. Das hat sich dann immer weiter verstärkt. Mit 18 habe ich mir von meinem ersten Geld als Fußballprofi bei Fortuna Düsseldorf kein großes Auto gekauft. Sondern ein Pferd.

Eine große Jugendliebe sozusagen. War es bei Ihnen ähnlich, Herr Martin?

Martin: War ein bisschen anders. Das Erlebnis mit Großvater auf der Rennbahn hatte ich auch. Hier in Bremen. Mein Weg ging dann aber übers Spring- und Dressurreiten, was ich selbst betrieben habe. Später habe ich dann angefangen, in der Bremer Gegend kleine Turniere zu organisieren. Die Turniere wurden größer bis hin zum Bremer Pferdesportfestival. So habe ich die Leute von der Rennbahn kennengelernt. Die suchten jemand, der keine Angst vor Pferden hat, für die Startmaschine. Da ist man schon sehr nahe dran an den Tieren. Nach und nach habe ich dann immer mehr gemacht.

Herr Allofs, hätten eigentlich nicht eher Sie ein Rennbahn-Manager werden müssen? Sind Sie sogar ein bisschen neidisch?

Allofs: Nein, nein, das auf keinen Fall. Ich bin glücklich über den Weg, den ich in meinem Fachgebiet gehen konnte. Das heißt aber ja nicht, dass man sich nicht ein Hobby erhalten sollte. Es gehören ja nicht nur die Rennen dazu. Es gehört die Zucht dazu, es gehört das Wetten dazu. Das ist einfach ein toller Mix an interessanten Dingen. Aber ich beneide alle, die gerade im Galoppsport tätig sind, nicht. Weil es eine ganz schwierige Aufgabe ist.

Was macht es so schwer?

Martin: Die Zeiten im Rennsport sind für alle ziemlich schwierig. Die ganzen Partner haben sich in den letzten Jahren neu orientiert. Sie haben zum Beispiel gemerkt: Wenn sie ihre Wetten ins Ausland vermitteln, dann können sie jede Menge Geld sparen. Genauer gesagt, 16 Prozent, die sie bei jeder Wette hier abführen müssten. Wir haben in Deutschland immer noch ein Renn-Wettgesetz von 1923. Da steht noch der Reichsminister für Finanzen drunter.

Das Wettmonopol?

Martin: ...ist unterlaufen worden?

...und ist ein extremer Nachteil für Sie? Der Hauptgrund für Ihre Probleme?

Martin: So würde ich das nicht sagen. Aber bei einem Gesetz von 1923 ist das Internet nicht berücksichtigt.

Allofs: Wetten, die sonst in Deutschland besteuert worden sind, die werden über Gesellschaften in Malta oder Gibraltar abgewickelt.

Martin: Da stehen dann tatsächlich PCs in einem Büro, über die man das macht. Jetzt sucht man hier nach Lösungen. Allerdings will die Politik das ganze Thema Sportwetten in einem Schlag lösen.

Womit?

Martin: Rennvereine übernehmen die Zucht, es wird ein Teil dieser Wettsteuern an die Vereine zurückgegeben. Meine Sorge ist, dass gefragt wird: Wieso werden Rennvereine anders behandelt als alle anderen? Dann wäre die Finanzierung stark gefährdet. Weil irgendjemand auf Gleichbehandlung klagen wird.

Gibt's auch Probleme abseits der Steuerfragen?

Martin: Es ist schwierig, genügend Rennpreise zusammenzubekommen. Aus den normalen Erträgen, den Zuschauer- und Wetteinnahmen allein können wir uns nicht finanzieren.

Allofs: Dass das geht, zeigen Veranstaltungen in Nachbarländern. In Frankreich zum Beispiel, da ist man gar nicht auf zusätzliche Sponsoren angewiesen. Das Entscheidende ist - und deswegen engagiert sich Werder ja jetzt auch hier - dass wir gesagt haben: Man muss in Bremen miteinander leben, da gibt man sich auch mal Hilfestellung. Es gibt immer weniger Renntage hier, zuletzt waren es im Jahr, glaube ich, nur noch sechs.

Martin: Es waren sogar nur fünf.

Allofs: Und zu Höchstzeiten?

Martin: Haben wir immer zwölf,13 gemacht. 1997 sogar mal 15.

Allofs: Und das ist so schade, wenn man sich diese wunderschöne Anlage hier anschaut, die sich hinter keiner Bahn in Deutschland verstecken muss. Und ich finde auch schade, dass das immer so einen negativen Touch hat, auch in der Berichterstattung.

Was meinen Sie?

Allofs: Es wird vermittelt, dass sich da einige profilieren wollen. Man sagt: Das ist ein Sport der Reichen. Meistens werden dann Bilder von großen Hüten gezeigt. Natürlich gibt es das. Aber Rennsport, das ist doch viel mehr als große Hüte. Das ist ein Sport für die Familie. Das ist ein Sport für den sogenannten einfachen Mann, der hier ein großes Freizeitvergnügen haben kann.

Werder will nun etwas gegen dieses Klischee unternehmen?

Allofs: Wir machen das natürlich auch für unsere Sponsoren, um ihnen da ein neues Feld zu bieten. Aber wir wollen auch damit, dass unsere Mannschaft da ist, Menschen hierher locken, die noch nie hier waren, die vielleicht eine Art Schwellenangst vor der Rennbahn haben. In der Hoffnung, dass einige dann auch mal wiederkommen.

Es ist mehr als ein einmaliger Werbegag?

Martin: Wir haben sehr große Hoffnungen. Weil neue Besucherschichten erschlossen werden können.

An was für Schichten denken Sie?

Martin: Naja, an Leute, die eigentlich mit Galopp nix am Hut haben. Die hier aus der Bremer Kante kommen und hinterher sagen: Mensch, da gehen wir mal wieder hin. Auf den Plakaten steht: ?Fußball zum Anfassen', es wird für die ganze Familie etwas geboten.

Es laufen ja auch zwei Werder-Pferde mit.

Allofs: Es gibt keine Werder-Pferde.

Korrektur: Gemeint sind natürlich Pferde, die Werder-Profis gehören.

Allofs: Das glaube ich nicht. Das ist schlecht zu planen. Ich weiß, dass Tim Borowski und Claudio Pizarro im Besitz von zwei zweijährigen Pferden sind. Ist ein Rennen für Zweijährige ausgeschrieben?

Martin: Ja, für Stuten.

Allofs: Es sind aber Hengste. Ich weiß auch nicht, ob die jetzt schon startbereit sind. Es wäre schön gewesen, aber das passt wohl nicht.

Was ist mit Ihren Pferden?

Allofs: Das passt auch nicht hier rein.

Warum?

Allofs: Es sind junge Pferde, die noch gar nicht startklar sind. Zweijährige sind ja noch die Babys unter den Rennpferden.

Wie viele Pferde haben Sie eigentlich?

Allofs: Anderthalb. Also, das bedeutet, ich bin beteiligt. Eins heißt Codoor, eines Collodi und eines Winafortune.

Viele Fußballprofis fühlen sich zu Pferden hingezogen, warum ist das eigentlich so?

Allofs: Na, es sind immer noch deutlich mehr, die sich zu Autos hingezogen fühlen. Das ist hier anders als in England. Zum Beispiel wird das Pferd von Michael Owen wahrscheinlich im Deutschen Derby laufen. Ich weiß das auch von Frankreich, dass es da viel mehr Fußballer gibt, die sich da engagieren.

Claudio Pizarro engagiert sich aber auch.

Allofs: Er kennt das aus Lima. In seiner Heimat spielen Pferde eine große Rolle.

Er hat viele Pferde dort, und eines von ihnen soll Allofs heißen.

Allofs: Ja, aber da gibt's auch welche, die heißen Müller, in Anspielung auf Gerd Müller. Oder Karl-Heinz, wegen Rummenigge. Oder auch Frau Potthoff, nach der Sekretärin von Bayern München.

Herr Martin, ist der Promi-Faktor Werder der letzte Rettungsanker für Ihre Bahn (sie wird nach der Einmalzahlung der Stadt von 1,4 Millionen Euro nicht mehr öffentlich bezuschusst, d. Red.)

Martin: Das würde ich auf keinen Fall so sagen. Jeder Sponsor, der ins Boot kommt, hilft uns. Wir sind als der Sport der Reichen abgestempelt worden. Ich sehe das aber so wie Klaus Allofs. Wir bieten hier für einen ganzen Nachmittag Familienunterhaltung für weniger, als ein Kinobesuch kostet. Das ist hier gewachsen, ich kann mir Bremen ohne eine Rennbahn überhaupt nicht vorstellen.

Leiden Sie auch unter dem Klischee, dass hier sich die Zocker tummeln?

Martin: Mit mir wollte jemand mal eine Diskussion über Spielsucht anfangen. Also, wenn jemand spielsüchtig ist, der würde sich bei uns zu Tode langweilen. Weil wir alle halbe Stunde eine Ausspielung haben. Wenn er hier Haus und Hof verspielen will, muss er ganz fleißig sein und jede Menge Wettscheine ausfüllen.

Allofs: In fast allem, was man macht, steckt auch eine Gefahr. Aber beim Pferderennen ist die relativ gering, wenn ich als Alternative Spielautomaten oder Internet-Poker habe. Wir müssen etwas gegen dieses Bild unternehmen, dass hier nur Millionäre sind. Eben war ein Pferd auf der Rennbahn, das ganz vielen gehört.

Martin: Das ist eine Besitzergemeinschaft von 25 Leuten. Die zahlen alle ihre Beiträge, das Pferd ist irgendwie gepachtet, und aus diesen Beiträgen wird der Unterhalt finanziert. Die haben auch nur dieses eine Pferd. Wenn das irgendwo startet, dann fahren die da alle hin und drücken die Daumen, dass irgendwann mal der große Gewinn anfängt.

Allofs: In erster Linie machen die das aber, weil sie Spaß an der Sache haben. Es stehen hier ganz viele kleine Besitzer an der Bahn, die das aus Freude machen, und nicht, weil sie Geld damit verdienen.

Und wenn man auf ein Pferd wettet, wird man auch nicht gleich süchtig?

Allofs: Ich mach' das seit vielen Jahren, und für mich gehört auch die Wette dazu. Ich bin nicht süchtig geworden. Ich glaube, dass die Gefahr noch nicht mal im Promille-Bereich liegt.

Haben Sie mehr gewonnen oder mehr verloren beim Wetten?

Allofs: Ich habe mehr verloren. Das liegt aber doch auch in der Natur der Sache: Das wird ja am Totalisator berechnet. Grob 15 Prozent werden da einbehalten. Aber ich habe immer nur das verloren, was ich mir auch leisten konnte und dennoch eine Menge Spaß gehabt.

Wetten Sie auch, Herr Martin?

Martin: Wenn ich auf einer Rennbahn bin und nicht gerade hier arbeite, dann versuche ich schon, in jedem Rennen zu wetten. Hier in Bremen versucht man, gerade Neulingen möglichst viele Hinweise zu geben. Damit auch der Neuling eine Chance hat. Sie können sich ja vorstellen, wenn der nach dem vierten Rennen immer noch nix gewonnen hat. Der sucht dann nach einem Spaten zum Eingraben oder denkt: 'Ich muss weg hier'. Das Beste, was ich mal hatte, war, dass ich von acht Rennen siebenmal den richtigen Sieger angesagt habe.

Können Sie da mithalten, Herr Allofs?

Allofs: Das weiß ich gar nicht mehr. Ich habe auch mal eine hohe Dreierwette getroffen. Aber das kommt zwangsläufig, wenn man über Jahre zur Bahn geht. Der Spieltrieb ist ja doch etwas Menschliches. Mir wäre dabei Lotto zu langweilig. Eine Pferdewette ist für mich eine größere Herausforderung: Ich mache mir ein Bild und mache daraus mein Spiel.

Ist es leichter oder schwerer, als auf den Ausgang eines Fußballspiels zu wetten?

Allofs: Im Fußball gibt es nur die drei Möglichkeiten: Sieg, Niederlage, Unentschieden. Ein Pferd, das man auf Sieg setzt, kann schon mal Letzter werden, insofern kann man da noch weiter weg sein. Aber Sie kennen das ja, was dabei herauskommt, wenn Fußball-Experten Spieltage tippen. Ist also beides gleich schwer.

Martin: Fußballvoraussagen halte ich für ganz schwer. Da ist man im Weserstadion als Fan ja auch erst mal so eingestellt, dass Werder gewinnen soll.

Sind Sie neidisch auf den Kollegen, wenn Sie ins volle Weserstadion gehen?

Martin: Ich war in der letzten Saison zweimal da und da war ich wirklich neidisch. Ich habe gedacht: Die können grottenschlecht spielen und haben die Hütte jedesmal wieder voll. Bei uns braucht es nur regnen, da haben wir schon fast verloren.

Nun kommt ja Werder.

Allofs: Wir hatten das schon im letzten Jahr diskutiert, jetzt hat es zeitlich gepasst. Wenn wir jetzt hier den Werder-Renntag machen, wird die Rennbahn nicht ab dem nächsten Tag boomen. Das ist eine Politik der kleinen Schritte. Das sollte im Sportkalender besser verankert sein. Viele fragen doch: Ist das eigentlich Sport, oder was ist das? Ich nehme fast jedesmal Neulinge mit auf die Rennbahn, und die sagen hinterher fast immer: Mensch, das war ein toller Tag! Wann ist der nächste Renntag?

Auf wie viele Besucher hoffen Sie für den 10. Juli?

Allofs: Das hängt natürlich auch vom Wetter ab.

Wir setzen jetzt mal 25 Grad und Sonnenschein voraus.

Allofs: Dann denke ich, dass wir 6000 bis 7000 haben, mindestens.

Martin: Denke ich auch. Es wird hoffentlich so, dass es richtig eng wird.

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