Bremer Multi-Talent

Was die Basketballerin Julia Helbich mit Ailton verbindet

Die Basketballerin von Bremen 1860 ist nicht nur eine gefragte Theater- und Fernsehschauspielerin sowie Moderatorin, sie plant auch ständig neue Projekte, unter anderem auch mit dem ehemaligen Werder-Profi.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Markwort

Eines hat Julia Helbich seit ihrer Geburt im Blut: Temperament. Als Tochter einer gebürtigen Brasilianerin ist die Spielerin des Basketball-Oberligisten Bremen 1860 mit Feuer im Blut zur Welt gekommen. Der musische Anteil in ihrem Wesen stammt dagegen eher von ihrem 2013 verstorbenen Vater Wolfgang. Als einziges Mädchen unter fünf Geschwistern musste sich Julia Helbich immer wieder gegen ihr vier Brüder durchsetzen – wodurch sie nicht nur viel Selbstbewusstsein tanken konnte, sondern auch großen Ehrgeiz zu entwickeln versteht, der ihr in unterschiedlichen Bereichen des Lebens weiterhilft. Und schließlich ist die junge Frau noch Mutter eines 16-jährigen Sohnes.

Auch mit Rückschlägen hat Julia Helbich umzugehen gelernt. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, der viele Jahre Kantor und Komponist im Bremer Dom gewesen war, musste sie 2018 den Tod ihrer Mutter Ortrun, eine Bremer Musikerin und Kulturmanagerin, verkraften, die einem Krebsleiden erlag. „Das war wirklich hart“, sagt Helbich, „zum Glück waren wir uns innerhalb unserer Familie ein großer Trost.“ Sie sei ein Familienmensch, betont Julia Helbich, die einen engen Kontakt zu ihren vier Brüdern David, Martin, Jakob und Caspar pflege. „Wir geben uns Halt und treffen uns, so oft wir können“, beschreibt sie das Verhältnis. Auch zu ihrem Sohn Jonas Leon, der ebenfalls bei Bremen 1860 Basketballer und Jugendtrainer ist und einen Wechsel ins NBBL-Team des Bundesligisten Braunschweiger „Löwen“ anstrebt, hat Julia Helbich ein ausgesprochen gutes Verhältnis. „Mit sehr großem gegenseitigen Vertrauen“, wie sie versichert.

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Über ihre Brüder kam Julia Helbich zum Sport. Zunächst spielte sie beim Club zur Vahr Hockey, in den USA entdeckte sie später ihre Leidenschaft für Basketball. Nach der zehnten Klasse zog es sie 1997 über den „großen Teich“, in Boston machte sie an der High School ihren Schulabschluss, erreichte an der dortigen Universität ihren Bachelor in Politik- und Rechtswissenschaften und beendete das Studium im „Global Management“ mit dem „Master of Business Administration“ (MBA) an der Hochschule Bremen mit der Gesamtnote 1,35.

Zwischenzeitlich drohte das Karriereende

In Boston schloss sich Julia Helbich dem College-Team an und spielte als Shooting-Guard in der amerikanischen College-League. Nach ihrer Rückkehr spielte Julia Helbich in Deutschland mit dem TV Falkenberg in der Basketball-Regionalliga, später war sie bei Bremen 1860 in der Oberliga aktiv, wo sie heute noch aufläuft. Ein Angebot aus Rotenburg, in der 2. Basketball-Bundesliga zu spielen, hatte sie wegen eines Kreuzbandrisses ausschlagen müssen. Nach dem Riss der Achillessehne drohte ihr zwischenzeitlich gar das Karriereende. „Basketball ist ein schneller Sport, bei dem das Mannschaftsspiel im Vordergrund steht“, sagt sie und verrät, was sie am meisten an ihrem Sport fasziniert. Im Grunde beschreibt sie sich aber in allen Lebensbereichen als ein Teamplayer.

In Amerika bot sich Julia Helbich noch eine andere Gelegenheit: Sie machte ihre ersten Schritte als TV-Moderatorin, führte Interviews und setzte diese Karriere nach ihrer Rückkehr in ihrem Heimatland fort. Zu ihren Interview-Gästen zählte unter anderem der NBA-Star Dennis Schröder, auch mit Werders Fußball-Idol Ailton verbindet Julia Helbich noch heute ein enge Freundschaft. Derzeit planen beide sogar eine gemeinsame Sport-Challenge. „Er ist wie ein fünfter Bruder für mich“, sagt sie. Außerdem war sie als freiberufliche TV-Moderatorin für verschiedene Fernsehsender tätig, führte anlässlich von Film- und Fernsehpremieren Interviews auf dem „Roten Teppich“ und zählt zahlreiche Prominente zu ihrem Freundeskreis.

Ein Kamera-Typ

Ihre Affinität für das Fernsehen führte Julia Helbich zum Film. Nachdem sie eine Ausbildung zur Theaterschauspielerin absolviert und mit Leidenschaft auch als Sängerin, Tänzerin und Sprecherin gearbeitet hatte, wirkte sie mehrfach im Bremer "Tatort" mit, spielte in verschiedenen Fernsehproduktionen die Hauptrolle und gibt ihre Erfahrung mittlerweile als Dozentin sowohl an der "Task"-Schauspielschule für Kinder und Jugendliche in Bremen als auch an der "Stagecoach“-Schauspielschule in Hannover an den Nachwuchs weiter. "Ich bin einfach ein Kamera-Typ", antwortet Julia Helbich auf die Frage, ob ihr Theater oder Film mehr läge. "Dort geht alles schneller, und das liegt mir besser."

Derzeit plant sie diverse Filmprojekte. Mit Drehbuchautoren und Regisseuren wie Jakob Wellik, Konstantin Georgiou, Mike Hasterok und Henry Buchmann erarbeitet Julia Helbich Konzepte, plant einen Sportfilm mit biografischem Hintergrund, hat Angebote für Hauptrollen in Serien und Thrillern und möchte ihren Weg als international anerkannte Schauspielerin erfolgreich weitergehen. „Für meine Schauspielkarriere werde ich eines Tages auch wieder nach Amerika ziehen“, skizziert sie ihre Zukunftspläne, „in Los Angeles zu leben und zu arbeiten, ist mein Traum.“

Arbeitet unermüdlich an ihrer Entwicklung

Um diesen Traum eines Tages auch tatsächlich leben zu können, arbeitet Julia Helbich unermüdlich an ihrer Entwicklung. Gemeinsam mit ihrem Mentor Calvin E. Burke bereitet sie sich für Charakterrollen vor, mit ihrer Muay-Thai-Trainerin Nicole Ploghoeft und Personal-Coach Olga Fibich – beide kennen sich aus gemeinsamen Basketballzeiten beim TV Falkenberg – hält sich Julia Helbich körperlich fit.

Und sie verfolgt noch weitere Ziele. Ein angedachtes Projekt: „Aktuell verfolge ich die Idee“, sagt sie, „eine eigene internationale Fashion-Show auf den Malediven zu moderieren und als Schauspielerin in Amerika Fuß zu fassen.“ Dafür nehme sie derzeit auch in Kauf, dass sie nicht so viel Zeit mit ihrem Sohn oder ihren vier Brüdern verbringen könne, wie sie als ausgemachter Familienmensch eigentlich wolle. Das bedauert Julia Helbich, sagt aber auch: „Das holen wir alles nach, das ist mir sehr wichtig, und ich bin froh, dass mich meine Familie so toll unterstützt.“

Info

Zur Sache

Regionalliga-Aufstieg als Fernziel

Das Basketball-Team von Bremen 1860 spielt derzeit mit einem Kader von zwölf Spielerinnen in der Oberliga der Frauen und führt dort das Tableau nach drei Siegen zum Auftakt an. Unter Neu-Trainerin Daria Eickhoff steht die individuelle Entwicklung der Spielerinnen im Vordergrund, mittel- bis langfristig strebt das Team den Aufstieg in die Regionalliga an.

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