Formationstanzen

Der Aufsteiger aus dem Allgäu

Raban Bottke ist der Senkrechtstarter beim Grün-Gold-Club Bremen. Vor zweieinhalb Jahren zog der Formationstänzer aus dem Allgäu nach Bremen. Sein Ziel: einmal Weltmeister werden.
17.01.2020, 22:46
Lesedauer: 4 Min
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Der Aufsteiger aus dem Allgäu
Von Frank Büter
Der Aufsteiger aus dem Allgäu

Von den Besten lernen: Für das Formationstanzen ist Raban Bottke extra aus dem Allgäu nach Bremen gezogen.

VOLKER HEY

Samba. Die Rumba, klar. Gerne auch mal Cha-Cha-Cha oder Jive – und den Paso Doble natürlich auch. Die lateinamerikanischen Tänze haben es ihm einfach angetan. Man könnte auch sagen, sie sind voll sein Ding. Als Zehntklässler hat Raban Bottke einen Tanzkurs besucht, wie viele seiner Kumpels auch. Das Tanzen hat ihm gefallen damals. Das war 2014. Raban Bottke ist dabei geblieben. Er hat weitere Aufbaukurse besucht. Hat im Paartanzen das Abzeichen in Bronze gemacht. In Silber. In Gold. Gereicht hat ihm all das nicht. „Es hat mich gepackt“, sagt er. „Ich bin ehrgeizig.“ Bottke will Formationstänzer werden, träumt davon, Weltmeister zu werden – und ist auch bereit, die dafür nötigen Schritte zu gehen.

Der Sommer 2017 ist der Sommer der Entscheidungen für Raban Bottke, den frisch gebackenen Abiturienten aus dem kleinen Dörfchen Weiler im Allgäu. Dort ist er aufgewachsen, mit zwei Brüdern und einer Schwester. Sein Abitur hat er am Gymnasium in der Kreisstadt Lindau gemacht, der Bus benötigt eine knappe halbe Stunde dorthin. Ebenso wie zur Tanzschule Geiger in Lindau, wo er seine Leidenschaft für den Tanzsport entdeckt hat. In diesem Sommer 2017 also hat Raban Bottke plötzlich viel Zeit. Kein Schulstress mehr, „ich hatte nichts zu tun“, sagt er. Beim Surfen im Internet stößt er auf den Grün-Gold-Club Bremen, immer wieder, „den kann man gar nicht übersehen“, sagt Raban Bottke.

Über Facebook in den Fernbus nach Bremen

Der Grün-Gold-Club Bremen ist so etwas wie der FC Bayern des Formationstanzens. Abonnementsmeister und Titelhamster, national wie international. Raban Bottke gefällt das. Er weiß aus eigener Erfahrung, was man mit Disziplin und Einsatz erreichen kann. Er ist ein Kämpfer. Acht Jahre hat er Karate betrieben, drei Jahre auch Aikido und Kenjutsu (Schwertkampf). Wenn er Formationstanzen betreiben will, ganz intensiv, dann auch beim besten Klub der Welt, denkt er sich. Über Facebook nimmt er Kontakt zu Grün-Gold-Trainerin Uta Albanese auf. Er vereinbart einen Termin für ein Schnuppertraining – und setzt sich schließlich in einen Fernbus nach Bremen.

„18 Stunden, vielleicht waren es auch 19.“ Raban Bottke kann nicht mehr exakt sagen, wie lange er damals unterwegs war auf seiner Bustour hoch in den Norden. Was er sagen kann, ist, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Er hat sich in Bremen ein Zimmer in einem Hostel genommen, um tags darauf fit zu sein für den Probetermin. Und es läuft gut für ihn. „Ich durfte wiederkommen“, sagt er.

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Knapp vier Wochen später ist Raban Bottke dann wieder hier. Seine ebenfalls tanzbegeisterte Mutter von seinem Umzug nach Bremen zu überzeugen, ist nicht das Problem. Schwieriger wird es, den Vater rumzukriegen. „Ich sollte nicht 800 Kilometer weit wegziehen und ihm dann auch noch finanziell auf der Tasche liegen“, schildert Raban Bottke. Jobben soll er also und selbst Geld für den Unterhalt verdienen. Er nickt alles ab. Ist Feuer und Flamme für seine Idee. Schläft in der Nacht vor einer Wohnungsbesichtigung sogar im Park und freut sich schließlich, als es tags darauf dann auch gleich mit einem WG-Zimmer klappt.

Ganz unten gestartet

Im Spätsommer 2017 ist Raban Bottke also angekommen in Bremen. Knapp zweieinhalb Jahre ist das nun her. Ein Zeitraum, in dem der jetzt 21-Jährige viel erlebt und vor allem auch schon sehr viel erreicht hat. „Raban Bottke ist ein kleiner Senkrechtstarter“, sagt Angelo Adler. Er hat den jungen Tänzer als Trainer von Anfang an unter seine Fittiche genommen. Hat ihn angeleitet im Paar- und im Formationsbereich. Bottke hat, wie es für Neueinsteiger üblich ist, ganz unten angefangen. Also im E-Team, in der Landesliga. Von dort schaffte er direkt den Sprung ins C-Team, das zu dem Zeitpunkt noch in der Regionalliga tanzte. Doch auch diese Formation sollte nur eine Durchgangsstation für den ehrgeizigen Neuzugang sein.

Mit Talent, Fleiß und Disziplin, so beschreibt es Trainer Adler, empfahl sich Raban Bottke schließlich auch für das B-Team, das im vergangenen Frühjahr als Vizemeister in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist und an diesem Sonnabend in die neue Saison startet. Sein Wettkampfdebüt im B-Team feierte Bottke indes schon bei der Deutschen Meisterschaft im November in Hamburg, „das war echt krass“, sagt der Newcomer. Seine Eltern waren in Hamburg vor Ort, auch einige Verwandte hatten die lange Anreise auf sich genommen, um live dabei zu sein. „Das wollten sie sich nicht nehmen lassen“, sagt Raban Bottke. Fünfter wurde er mit dem B-Team und seiner Partnerin Kaya Möller. Eine Platzierung, für die er nur ein Wort übrig hat: „Mega!“

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Ähnliches gilt für seine Entwicklung, für seinen rasanten Aufstieg. Im Paarbereich ist Raban Bottke gemeinsam mit Melanie Sotskov inzwischen schon in der B-Klasse Latein erfolgreich unterwegs. Sein Hauptaugenmerk aber gilt dem Formationstanzen. Bottke hat hier noch einiges vor. „Ich weiß, was ich möchte“, sagt er. Und er sagt auch, dass er die nötige Einstellung dafür mitbringt. „Disziplin gegenüber Mannschaft und Trainern, das ist meiner Generation leider etwas verloren gegangen“, sagt Raban Bottke. Er legt diese Disziplin an den Tag. Er ordnet seinem Hobby, seiner Leidenschaft vieles unter.

Inzwischen hat Bottke ein Studium aufgenommen, Sonderpädagogik an der Hochschule in Oldenburg. Und er arbeitet weiterhin in der Gastronomie, um seinen Lebensunterhalt abzusichern. Er sagt, dass er das alles ganz gut unter einen Hut bekommt. Trotz des großes Trainingsaufwands von 25 und mehr Stunden pro Woche. Und dass es ihm nach wie vor sehr viel Spaß macht beim Grün-Gold-Club. Bremen, betont Raban Bottke, sei für ihn ein Stück weit sein Zuhause geworden. Und der Klub seine Ersatzfamilie. Er genießt es, Zeit mit den Tänzern zu verbringen und seinem Sport nachzugehen. Er möchte sich weiter verbessern beim „besten Klub der Welt“. Der Junge aus dem Allgäu will ins A-Team und einmal Weltmeister werden.

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