Tanzsport Der Höhenflug der Diana Starnets

Wie die Formationstänzerin vom Grün-Gold-Club ihre sportliche Krise gemeistert - und ihren zweiten WM-Titel geholt hat
13.02.2020, 16:10
Lesedauer: 4 Min
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Der Höhenflug der Diana Starnets
Von Frank Büter

Bremen. Neue Stadt, neues Team. Deutscher Meister – und plötzlich sogar Weltmeister. Im zweiten Halbjahr 2018 geht es Schlag auf Schlag für Diana Starnets. Erst im August des Jahres ist die junge Formationstänzerin nach Bremen gezogen. In der Regionalliga hat sie bisher getanzt, beim TSC Rot-Gold Casino Nürnberg. Doch sie ist ehrgeizig und will mehr erreichen. Bei einem Casting in Bremen überzeugt sie das Trainerteam mit Uta und Roberto Albanese sowie Sven Emmrich.

Der Grün-Gold-Club Bremen, Deutschlands Nummer eins im Formationstanzen, will Diana Starnets. „Unglaublich war das. Einfach nur krass“, sagt sie. Und sie sagt auch, dass sie nach dem Casting einen Monat lang nur gegrinst habe. „So etwas kann man sich nicht erträumen“, sagt Diana Starnets. Nach der positiven Rückmeldung stand für sie fest: „Für das A-Team ziehe ich sofort um.“

Dieser Umzug von Nürnberg nach Bremen, er läutete für die Jurastudentin die wohl turbulentesten Wochen ihres Lebens ein. Wenn im Fernsehen Meisterschaften der Lateinformationen übertragen wurden, hatte Diana Starnets stets eingeschaltet. Es war immer ihr Wunsch gewesen, diesen Sport, ihren Sport leistungsmäßig zu betreiben. Sie wollte selbst mal auf die große Bühne. „Ich brenne für diesen Sport“, sagt die 22-Jährige. Sie brennt für diese Momente, wenn man sich geschminkt und in schönen Kleidern über das Parkett bewegt. Momente, in denen sie sich anders fühlt, „weil sich alles extrem groß anfühlt“.

Nun also war Diana Starnets, die als Kind eine klassische Ballettausbildung genossen hat, ganz nah dran am A-Team des Branchenprimus – doch der Konkurrenzkampf war enorm, „das kannte ich so nicht“. Als die Formation mit neuer Choreografie in die Vorbereitung startete, buhlten anfänglich 15 Paare um einen Platz im Team. Mit viel Fleiß und Zusatzschichten in der Tanzarena schaffte es die gebürtige Kulmbacherin schließlich direkt ins A-Team. Wenig später bereits wurde sie Deutscher Meister mit Grün-Gold. Und sie flog Anfang Dezember 2018 mit nach China, wo der Verein zum neunten Mal den Weltmeistertitel gewann.

Es sei wie auf einer Klassenfahrt gewesen, sagt Diana Starnets über die zehntägige Asienreise des GGC-Trosses mit Stationen in Shenzhen, Hongkong und Macao. Sie hat es sehr genossen, die Zeit mit dem Team zu verbringen, gemeinsam zu tanzen und zu feiern, „das war megacool“. Diana Starnets hat einige Zeit gebraucht, um ihr Glück und all diese Erfahrungen zu realisieren, zwischenzeitlich habe sie sich gefühlt wie in einer Seifenblase, sagt sie.

Ein gutes Jahr später schwimmt Diana Starnets wieder auf einer Welle des Erfolges. Mit der neuen Choreografie „Music is the key“, in der sie im Eröffnungsteil eine herausragende Rolle einnimmt, wurde das Team abermals Deutscher Meister und verteidigte überdies im Dezember in der ausverkauften ÖVB-Arena den WM-Titel. Diana Starnets hat sich eingelebt in Bremen, sie fühlt sich wohl in der Stadt, „hier bleibe ich noch länger hängen“, sagt sie. Mit Blick auf ihr Jurastudium, aber auch mit Blick auf ihren Freundeskreis, zu dem fast ausschließlich Tänzer gehören. „Wir sind ein tolles Team und verstehen uns untereinander sehr gut. Für mich ist das wie eine zweite Familie“, sagt Diana Starnets. Sie hat viel Energie in ihren Sport gesteckt. Und hat zwischenzeitlich aber auch erfahren müssen, dass dieser Erfolg seinen Preis hat.

Abliefern. Auf den Punkt fit sein. In diesem Moment, in dieser Sequenz fehlerfrei bleiben. Wieder und wieder. Das ist auf Dauer und vor allem auf diesem hohen Niveau anstrengend. Im ersten Jahr hat alles gut funktioniert, sagt Diana Starnets. Heißt übersetzt: Sie hat funktioniert. Sie war mental stark genug, um die Anforderungen selbstbewusst und ausdrucksstark zu meistern. Im zweiten Jahr aber gab es Probleme. Weil sich Zweifel und Ängste breitmachten, „ich bin eben sehr kritisch mit mir“. Das wiederum sorgte für Verunsicherung – und gipfelte darin, dass sie die Bodenpirouette vertanzte. Bei der deutschen Meisterschaft! Im Finaldurchgang! Ein Erlebnis, das sie beängstigte, das sie hadern und weinen ließ.

Diana Starnets ist ein sehr ehrgeiziger Mensch. Sie will sich als Tänzerin im Paar- und Formationsbereich immer weiter verbessern. Sie will vorankommen. Aber Diana Starnets ist auch ein sehr emotionaler Mensch. Mal himmelhoch jauchzend, dann am Boden zerstört. So beschreibt sie selbst ihre Gefühlswelt. Dazu Tränen, immer wieder Tränen. Drei Wochen waren es noch bis zur Weltmeisterschaft. Nur noch drei Wochen, um nach dem Patzer bei der DM zu alter Stärke zurückzufinden. Dankbar nahm sie das Angebot an, sich mit einem Sportpsychologen unterhalten zu können.

Diana Starnets ließ sich coachen. Auf die Stärken besinnen. Freude und Spaß bewahren. Positiv denken. Lösungen finden. So und ähnlich lauteten die fachmännischen Tipps. Diana Starnets hat das für sich schnell verinnerlicht. „Es gibt keinen perfekten Durchgang“, sagt die 22-Jährige. „Man sollte aus Fehlern lernen und versuchen, immer die schönen Seiten zu sehen. Und man darf sich auch mal bewusst machen, was man bisher schon erreicht hat.“

Neue Stadt, neues Team. Zweimal Deutscher Meister, zweimal Weltmeister – und das alles in nur 18 Monaten. Man darf festhalten: Formationstänzerin Diana Starnets hat bereits eine ganze Menge erreicht.

Info

Zur Sache

31. Bremer Formationswochenende

Der Grün-Gold-Club Bremen richtet am 15. und 16. Februar das 31. Bremer Formationswochenende aus. An zwei Tagen finden in der Messehalle 7 der ÖVB-Arena Turniere von der Landesliga bis hinauf zur 1. Bundesliga statt, an denen jeweils auch Lateinformationen des Gastgebers teilnehmen. So präsentieren sich am Sonntag ab 13.30 Uhr das C-Team des Klubs in der 2. Bundesliga und das D-Team in der Regionalliga Nord dem heimischen Publikum. Den Auftakt machen tags zuvor ab 14.15 Uhr das E- und F-Team des Grün-Gold-Clubs in der Landesliga Nord. Höhepunkt des Wochenendes ist das Bundesligaturnier am Abend ab 19.30 Uhr mit dem Bremer A- und B-Team; Einlass ist hier ab 18.30 Uhr. Eintrittskarten für dieses Formationswochenende gibt es online unter tickets.ggc-bremen.de und an der Abendkasse.

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