Special Olympics Der Kampf um Anerkennung

Seit November ist Anke Precht Vorsitzende der Special Olympics Bremen. Ihr Ziel: Die Aufnahme der Organisation für geistig behinderte Athleten in den Landessportbund.
17.02.2018, 20:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Kampf um Anerkennung
Von Jonas Mielke

Bremen. Ihre erste schwere Amtshandlung hat Anke Precht schon hinter sich. Seit November ist sie die Vorsitzende der Special Olympics Bremen. Mitte Mai stehen die Nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung in Kiel an. Das Problem: Es sind zu viele Athleten, die sich für Kiel qualifiziert haben. Mehr Athleten, als die Veranstalter in Kiel unterbringen und starten lassen können. „Das war eine ganz traurige Angelegenheit“, sagt Precht. Sie musste, nach Vorgabe der Bundesorganisation der Special Olympics, Athleten streichen. „Das tat mir weh, den Athleten tat es weh und auch unseren Einrichtungen.“

Trotzdem: „Meine neue Aufgabe macht mich glücklich“, sagt sie. Hauptberuflich arbeitet die 46-Jährige beim Sportamt Bremen. Die Arbeit für die Special Olympics ist ehrenamtlich. Arbeit, die Precht in ihrer Freizeit erledigt, für die sie sich manchmal auch Urlaub nehmen muss. Sie mache das gerne, sagt Precht. „Ich will versuchen, richtig was zu bewegen.“

Ihr großes Ziel: Mit den Special Olympics in den Landessportbund (LSB) aufgenommen zu werden. „Der Stellenwert der Athleten mit geistiger Behinderung wäre ein ganz anderer.“ Auch wenn ein Präsidiumsbeschluss des LSB vorsieht, dass die Special Olympics nicht dazugehören können, hofft Precht, doch noch ein Umdenken bewirken zu können. „Ich hoffe, dass das letzte Wort mit dem LSB noch nicht gesprochen ist.“ Denn: „Wir wollen mit den Special Olympics in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).“ Voraussetzung dafür ist, vom Landessportbund als Fachverband anerkannt zu werden.

Ein Ziel, das auch Prechts Vorgängerin Ingelore Rosenkötter gerne noch erreicht hätte, bevor sie im November vergangenen Jahres ihren Posten an Anke Precht weitergab. „Auf Bundesebene gibt es eine Bereitschaft, uns als festen und anerkannten Bestandteil des organisierten Sports aufzunehmen“, sagt Rosenkötter. Das habe DOSB-Präsident Hörmann ihr direkt gesagt. „Das würden wir uns in der Special-Olympics-Familie wünschen, weil unsere Sportlerinnen und Sportler mit Leidenschaft und mit ihren Leistungen den Sport und die Sportvereine insgesamt bereichern“, sagt Rosenkötter.

Sechs Jahre lang war die ehemalige Senatorin Vorsitzende der Special Olympics Bremen. Ihre Nachfolgerin hat Rosenkötter mit ausgesucht. Wichtig waren ihr, neben der Vernetzung in der Bremer Sportlandschaft, vor allem zwei Eigenschaften: „In diesem Ehrenamt sind Sympathie und Empathie besonders wichtig.“ Anke Precht sagt, dass es für sie eine Ehre gewesen sei, als sie gefragt wurde, ob sie sich die Arbeit vorstellen könne. „Wir haben uns dann mehrmals getroffen und ganz offen miteinander geredet. Auch über die Herausforderungen und über das zeitliche Engagement“, sagt Rosenkötter. „Sportlich fair, in beide Richtungen“, sagt Precht.

Rosenkötter half Precht, sich auf der Position zurechtzufinden. Gemeinsam fuhren sie zu Prechts erster Special-Olympics-Mitgliederversammlung in Berlin, Rosenkötter ist für ihre Nachfolgerin immer ansprechbar. „Das gibt mir Sicherheit“, sagt Precht. „Ich bin natürlich nicht im Büro oder bei den Gremiensitzungen dabei“, sagt Rosenkötter. „Man muss den neuen Vorstand auch machen lassen – und das läuft richtig gut.“

Machen, das bedeutet nicht nur Zukunftsvisionen umzusetzen, sondern auch, das nötige Geld zu besorgen. „Wir haben ein sehr stabiles finanzielles Fundament“, sagt Rosenkötter. „Das enthebt uns aber nicht der Sorge, jedes Jahr wieder Gelder zu besorgen.“ Das sei schon immer eine der Hauptaufgaben des Vorstands gewesen. „Wir werden weder von der Stadtgemeinde Bremen institutionell gefördert noch vom Landessportbund“, sagt Rosenkötter.

Auch für Anke Precht wird diese Herausforderung bleiben. Sie will daran arbeiten, dass noch mehr Vereine Mitglied der Special-Olympics-Organisation werden. „Ich bin täglich dran“, sagt sie. Sie will die Athleten mit geistiger Behinderung noch stärker vernetzen. Momentan führt Precht Gespräche, ob bei der Veranstaltung „Pusdorf läuft“ symbolisch die Fackel zu den Nationalen Spielen in Kiel getragen wird.

Zu den Nationalen Spielen in Kiel wird auch Ingelore Rosenkötter fahren – dann aber als Privatperson. „Das macht immer solch einen Spaß, aber ich werde mit Sicherheit auch ein wenig wehmütig werden“, sagt Rosenkötter. Sie könne das nicht einfach so weggeben, dafür habe ihr die Aufgabe zu viel Freude gemacht. „Deswegen bin ich auch so froh, dass Anke das jetzt macht."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+