WM der Lateinformationen in Bremen Der letzte Countdown

Bremen. Wie eine Wand sollen die Bremer bei der WM hinter der Lateinformation des Grün-Gold-Clubs stehen. Größter Konkurrent wird der amtierende Europameister sein.
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Der letzte Countdown
Von Catrin Frerichs

Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm. Donnerstag und Freitag absolvieren die Tänzer des Grün-Gold-Clubs letzte Trainingseinheiten, bevor sie die Nacht vor der WM im Hotel verbringen.

Den Alltag hinter sich lassen, Distanz schaffen, um sich konzentrieren zu können auf das, was sie am Sonnabend leisten müssen. Es ist der Höhepunkt einer fulminanten und langen Saison, es ist nichts weniger als der Tanz um die Weltmeisterschaft.

Rund 4000 Menschen werden mitfiebern, wenn die Bremer Lateinformation das Parkett der ÖVB-Arena betritt. „Es ist jedes Jahr die gleiche Herausforderung“, sagt der 1. Vorsitzende des Grün-Gold-Clubs, Jens Steinmann. Und das nicht nur aus tänzerischer Sicht. Nur zehn Ehrenamtliche kümmern sich um die Organisation der WM, um Öffentlichkeitsarbeit, Presseanfragen, die Buchung von Hotelzimmern für Sportler und Funktionäre. Sonnabend werden 150 Helfer etwa 800 Aktive verpflegen und beköstigen – in Eigenleistung. „Trainer, Mannschaft und Verein – sie alle gehen in Bremen ans Limit“, sagt Trainer Roberto Albanese.

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Das große Engagement trägt zum Gelingen der Lateinformation bei, deren Erfolgsbilanz Bände spricht: In den vergangenen neun Jahren wurde sie achtmal Deutscher Meister, davon siebenmal in Folge, holte viermal den WM-Titel und erreichte dreimal Platz drei bei Europameisterschaften. Es ist ein einzigartiger Sprung an die Weltspitze.

Mit der Choreografie „The Final Countdown“ hat die Bremer Formation im Dezember 2012 die Weltmeisterschaft und Anfang November 2013 die Deutsche Meisterschaft gewonnen. In sechs Minuten brennen die Paare auf dem Parkett ein wahres Feuerwerk ab; die Choreografie der Bremer beinhaltet 20 Tanzwechsel und 45 Bilder. Die Bremer Formation habe eine „sehr komplizierte und explizite Bildentwicklung“, erläutert Roberto Albanese. Und, „eine Mannschaft muss sich über sechs Minuten spüren, sehen und fühlen, damit sie homogen miteinander agieren kann“, sagt der Weltmeistertrainer.

An der tänzerischen Gestaltung hat das Team in dieser Saison – vor allem nach dem knappen dritten Platz bei der EM in Litauen – noch einmal gefeilt. „Wenn man mit der Choreografie aufgetreten ist, sieht man Schwachpunkte in einer Stress-Situation“, sagt Albanese. Diese kann man im Training nicht so simulieren wie bei einer Deutschen Meisterschaft, einer EM oder einem Kongress. Die Trainingsbedingungen, unter denen sich das GGC-Team vorbereitet, sind zudem erschwert. Die Tänzer bringen teils einen eigenen Heizlüfter in die kalte Halle mit, in der sie sechs bis acht Stunden proben, oder sie tanzen in geteilten Hallen, während nebenan Basketball oder Tischtennis gespielt wird.

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Im kommenden Jahr, am 6. Dezember, könnte die Weltmeisterschaft erneut in Bremen getanzt werden. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, das liegt vor allem an den neuen Gema-Regelungen, sagt Jens Steinmann. Diese würden die Gebühren, wie für andere Großveranstaltungen auch, in astronomische Höhen treiben. Fest steht indes, dass ab 2014 ein neues Wertungssystem Pflicht wird. Die Wertung 2.0 in Anlehnung an das System beim Eiskunstlaufen sieht vor, dass zwölf anstatt neun Wertungsrichter die vier Komponenten Technische Qualität, Bewegung zur Musik, Paarharmonie und Choreografie und Präsentation bewerten – und zwar in einer Skala von 1 bis 10. Die Bestnote ist 40 Punkte – bei den World Dance Sport Games in Taiwan, wo das System angewandt wurde, bekam die Bremer Lateinformation 39,375 Punkte.

Im Moment überwiegt aber die Freude darüber, wieder im eigenen Haus zu tanzen. „Bisher haben wir es immer geschafft, im entscheidenden Moment eine besondere Leistung zu bringen“, sagt Albanese, „Bremen muss wie eine Wand hinter uns stehen.“ Das Team weiß, was es heißt, sich in der ÖVB-Arena zu präsentieren. „Ich glaube, wenn ich in die Halle komme, werde ich überwältigt sein“, sagt die Tänzerin Katja Bortin. Auch Joanna Wiese, die zum dritten Mal auf dem Bremer Parkett tanzen wird, findet, dass die Atmosphäre in der ÖVB-Arena eine besondere ist. „Die eigenen Leute hinter sich zu haben, Familie, Freunde und Kollegen, das trägt einen“, sagt die 26-Jährige. „Nirgends wird man so aufgefangen wie hier. Man muss sechs Minuten aushalten – und vorher zusehen, dass man nicht überwältigt wird.“

Das WM-Programm in Auszügen:

14.00 Uhr: Begrüßung mit Kindern aus der Tanzarena

14.20 Uhr: Vorrunde WM Lateinformationen (bis ca. 16.30 Uhr)

19.50 Uhr: Begrüßung und Vorstellung der Formationen, Eröffnungszeremonie

20.15 Uhr: Show Jan Dvoracek/Malika Dzumaev

20.30 Uhr: Zwischenrunde

23.15 Uhr: Endrunde WM Lateinformationen

00.05 Uhr: Wertung der Teams

00.10 Uhr: Siegerehrung auf der Fläche

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