Weltmeisterschaft der Lateinformationen

Der Mann, der die Tänzer besohlt

Die Schuhe sind das wichtigste Sportutensil eines Tänzers. Wenn die A-Formation des Grün-Gold-Clubs Bremen bei der WM startet, schaut Randolf Marstaller ganz genau hin – er ist der Schuhsponsor des Teams.
26.11.2019, 11:05
Lesedauer: 3 Min
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Der Mann, der die Tänzer besohlt
Von Frank Büter

Wenn der Grün-Gold-Club Bremen am 7. Dezember in der ÖVB-Arena die Weltmeisterschaft der Lateinformationen ausrichtet, wird ein Mann im Publikum sitzen, der dem Bremer A-Team ganz genau auf die Füße schaut. Randolf Marstaller ist nämlich der Schuhsponsor dieser Formation. Seit vielen Jahren schon rüstet er das Bremer Aushängeschild mit dem wichtigsten Sportutensil aus. Marstaller ist quasi der Mann, der die Tänzerinnen und Tänzer des Grün-Gold-Clubs besohlt.

Gut sitzen müssen sie, diese Schuhe. Gut aussehen auch und farblich stimmig sein zu Hautfarbe und Outfit. Sie müssen den Aktiven auch bei schnellsten Drehungen und Schrittfolgen Halt geben. Und rutschen dürfen sie auf dem Parkett natürlich auch nicht. „Ohne den perfekten Halt kann ein Tänzer keine perfekte Leistung bieten“, sagt Marstaller. Er weiß um die Wichtigkeit des Schuhwerks im Tanzsport. Der heute 50-Jährige war früher selbst als Tänzer im Einzelturnier- und Formationsbereich aktiv, unter anderem im Grün-Gold-Club, wo er anfangs gemeinsam mit dem heutigen Chefcoach Roberto Albanese die Formationen aufgebaut und trainiert hat.

Randolf Marstaller ist gebürtiger Bremer – und Inhaber des einzigen Geschäftes für Tanzsportartikel in der Region. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen“, sagt der gelernte Werkzeugmechaniker. Nach Beendigung der Schule und einem einjährigen USA-Aufenthalt war er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters getreten, hatte bei Mercedes eine Ausbildung absolviert und danach noch ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet. Wirklich ausgefüllt hat ihn diese Tätigkeit aber nicht. Und während der folgenden Bundeswehrzeit entstand schließlich die Idee, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Gedacht, gemacht: Mit 24 Jahren ging Randolf Marstaller in die Selbstständigkeit. „Let's Dance“ heißt sein Fachgeschäft, das an der Ecke Slevogtstraße/Hohenlohestraße in Bahnhofsnähe zu finden ist und am 1. August des Vorjahres sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. „Begonnen habe ich mit 20 Paar Schuhen“, sagt Marstaller und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Ich habe damals den rechten und den linken Schuh ins Regal gestellt, damit es voller aussieht.“

Eine Anekdote aus der Vergangenheit. Inzwischen ist Marstallers Fachgeschäft längst etabliert, sein Kundenstamm kommt nicht nur aus Bremen, sondern aus dem gesamten norddeutschen Raum. Der Tänzer Marstaller hat ganz genau beobachtet, welche Bedürfnisse Tanzsportler haben, welche Trends angesagt sind. Und der Geschäftsmann Marstaller hat schließlich das Sortiment entsprechend erweitert, denn „nicht alle Füße passen in alle Modelle“. Die jeweilige Auswahl erfolgt also ganz individuell nach Anprobe und fachmännischer Beratung. Bis zu 230 Schuhmodelle hat er heute im Angebot, dazu gibt es bei ihm nun auch Kleider und Bekleidung für alle tanzsportlichen Bereiche. Ob für Flamenco, Steptanz, Ballett oder auch Line Dance, „jeder Tänzer könnte hier nackt reinkommen und würde komplett ausgestattet wieder rausgehen“, sagt Marstaller.

Der vierfache Vater und Hundeliebhaber hat seine aktive Laufbahn als Tänzer längst beendet, aber er bewegt sich nach wie vor in der Szene. „Die Tanzsportler in Bremen“, sagt er, „sind wie eine große Familie“. Viele Kontakte seien über Jahre gewachsen, daraus seien auch Freundschaften entstanden. Marstaller ist ein kommunikativer Typ. Er liebt den Austausch, er liebt den Tanzsport. Auch deshalb gibt er gerne sein Wissen weiter, er möchte „Spaß vermitteln“ – und hat selbst Spaß daran.

Marstaller gibt heute Unterricht im Gesellschaftstanz, unter anderem bei der Tanzschule „Erika Schermeier“ in der Rembertistraße in Bremen. Er hat bei sich Zuhause den „Tanz-Raum“ geschaffen, in dem er kompakte Workshops anbietet. Und er hat eine eigene Agentur gegründet und veranstaltet regelmäßig große Tanzbälle und Fitnessevents. Sein Tagesablauf ist sehr abwechslungsreich, Langeweile ein Fremdwort. Dennoch nimmt er sich auch Zeit für soziale Arbeit. Randolf Marstaller ist seit zehn Jahren schon Teil des Teams beim Projekt „Kribbeln im Bauch“, einem Projekt zur Sucht- und Gewaltprävention für Förder-, Werk- und Oberschulklassen des neunten Jahrgangs. Der Tanz- und Fitnesscoach arbeitet zweimal pro Woche vormittags mit diesen Schülern aus sozialen Brennpunkten. „Wertschätzung, Respekt, Gemeinschaftssinn, Lebenskompetenz“, das sind Inhalte, die Marstaller den Teilnehmern vermitteln will.

Bei der anstehenden Weltmeisterschaft der Latein-Formationen bleibt Randolf Marstaller indes nur die passive Rolle eines Zuschauers. Er wolle versuchen, die Auftritte der Formationen aus den Augen eines Laien zu betrachten, „sonst nehme ich mir den Genuss“, sagt er. Aber klar: „Wenn das Bremer A-Team dran ist, gucke ich auch auf die Füße.“

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