Hallensport ab 27. Mai erlaubt

Vereine stehen vor den nächsten Herausforderungen

In Bremen ist Sport unter freiem Himmel in Gruppen seit zwei Wochen erlaubt, ab kommender Woche werden endlich auch die Hallen wieder öffnen. Wettkämpfe werden allerdings noch für längere Zeit untersagt sein.
20.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörg Niemeyer und Mathias Sonnenberg
Vereine stehen vor den nächsten Herausforderungen

Ab Mittwoch kommender Woche sollen Sporthallen wieder öffnen dürfen. Dann wird auch das Klettern in der Halle erlaubt sein.

Die Freude ist groß: In der kommenden Woche werden sich in Bremen endlich auch die Türen für die Hallensportler wieder öffnen. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) kündigte am Dienstag an, dass mit Veröffentlichung der fünften Corona-Verordnung ab dem 27. Mai auch in Sportstudios, Tanzschulen und -vereinen sowie in (Schul-)Sporthallen der Betrieb losgehen kann.

„Wir freuen uns über die weiteren Schritte", sagt der Präsident des Landessportbundes Bremen (LSB), Andreas Vroom. "Für den Tanzsport ist das eine sehr befreiende Nachricht", sagt der Präsident des Landestanzsportverbands, Lars Bankert, "wir mussten lange darauf warten."

Schon seit Längerem ist in Bremen der Sport unter freiem Himmel auch in Gruppen unter Einhaltung der besonderen Hygiene- und Abstandsregeln wieder erlaubt. Weil die Hallen noch geschlossen sind, zeigen sich einige klassische Indoorsportler wie Turner oder Tischtennisspieler flexibel und verlegen ihre Aktivitäten, wenn es möglich ist, nach draußen. Was bald nicht mehr nötig sein wird. Allerdings dürfte es noch Zeit brauchen, bis alle Hallen wieder offen stehen.

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Angesichts von 160 Schulsporthallen und weiteren 20 Hallen des Sportamts wird es eine Weile dauern, bis für jede einzelne Sportstätte ein genaues Konzept erarbeitet ist, wann welche Gruppe in welcher Größe hinein darf. Möglicherweise müssen erst noch Abstandsmarkierungen auf die Böden aufgebracht werden, bevor der Sport wieder losgehen kann. Dann allerdings bestimmt nicht in Wettkampfform. „Dafür haben wir noch kein Datum“, sagt die Sportsenatorin. Klar sei aber: Der Wettkampfsport werde am Ende aller Lockerungen stehen.

Bevor die Hallen und Studios nun geöffnet werden, wartet auf die Verantwortlichen in allen Einrichtungen die Lösung etlicher Aufgaben. "Wie geht Hallensport ohne Umkleiden?", fragt der LSB-Präsident, "wann wird pausiert, wie für Frischluft gesorgt?" Auch müssen Laufwege skizziert werden, weil die Hallen meist nur einen Eingang haben, die Sportler sich aber nicht begegnen sollen. "Das ist alles mit viel Detailarbeit verbunden“, sagt Andreas Vroom.

„Wir sind startklar“, sagt der Pressesprecher von Tura Bremen, Ekkehard Lentz. In seinem Verein stellen Gesundheitswerkstatt und -studio mit 600 Mitgliedern die größte Abteilung. Studioleiter Roland Klein sowie Alex Hartung, Markus Berger und Brigitte Karrasch haben, so sagt Ekkehard Lentz, seit Wochen akkribisch vorgearbeitet und Probemaßnahmen betrieben. Demnächst werden die Turaner informiert, unter welchen Bedingungen sie in ihre Hallen zurückkehren können.

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Weil am Dienstag erst einmal die vierte Corona-Verordnung in Bremen beschlossen wurde, die an diesem Mittwoch in Kraft tritt, müssen sich die Vereine bis zur fünften Verordnung noch einige Tage gedulden. „Wir finden die Lockerungen natürlich gut“, sagt der Vorsitzende des Tanzcentrums Gold und Silber, Christoph Rubien. Er sieht seinen Verein mit dem 380 Quadratmeter großen Saal gut aufgestellt für Line Dance oder HipHop. Inwieweit Paartanzen wieder möglich sein wird, vermag er jedoch ohne genaue Kenntnis der Verordnung nicht zu sagen.

„Wir werden natürlich noch keinen Normalbetrieb, aber eine akzeptable Zwischenstufe haben“, sagt Ronald Hillebrand und ist zufrieden. Er ist zweiter Vorsitzender des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Bremen, die die Kletterhalle im Uni-Viertel betreibt. Die Komplettkosten für die Hallen könne der Verein damit aber nicht zahlen. Und etwas bange blickt Hillebrand auch in die Zukunft. „Wenn es im Zuge einer zweiten Infektionswelle zu einen weiteren Schließung der Halle käme, weiß ich nicht, wie wir als Verein das überleben würden.“ Auch Anja Stahmann sieht das Infektionsrisiko, auch deshalb erinnert sie immer wieder an die Eigenverantwortung von Betreibern und Sportlern. Die Politik könne nicht alle Details festlegen, sagt sie. „Wir zwingen niemanden, sondern wir ermöglichen etwas.“

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Mit gemischten Gefühlen schaut Markus Begerow auf den 27. Mai. Der 61-jährige Diplomsportlehrer ist Gründer und Geschäftsführer der Bremer Fitnessklub-Kette ULC, die mit ihren vier Sportstätten wohl in der Lage sei, die Krise zu überleben. Begerow freue sich für die Mitglieder, dass sie ab Mittwoch endlich wieder trainieren könnten. „Für sie ist der Klub ja auch eine Heimat.“

Diese soziale Komponente des Miteinanders betonen auch alle Vertreter des organisierten Sports. In wirtschaftlichen Hinsicht, sagt Begerow, werde sich die Wiedereröffnung unter den gegebenen Auflagen jedoch nicht lohnen. Noch schwerer werden es kleine Sportstudios haben, die die geforderten 20 Quadratmeter Fläche pro Sportler nur schwer oder gar nicht gewährleisten können. Für diese Wirtschaftsunternehmen gebe es, sagt Sportsenatorin Stahmann, derzeit noch keine Lösung. Daran arbeite sie aber mit dem Ordnungs- und dem Gesundheitsamt.

Markus Begerow hat in seinem Betrieb das getan, was auch die Vereinsverantwortlichen getan haben: Sie alle haben ihre Mitarbeiter auf die neue Lage eingestellt und entsprechend geschult. Eingangskontrollen, das Erfassen von Daten, das Abstandhalten, das Reinigen und Desinfizieren von Händen und Geräten werden für lange Zeit das eigentliche Sporttreiben begleiten. Und trotzdem freuen sich die Sportler auf die neuen Möglichkeiten ab kommendem Mittwoch.

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