Derbysieger Christian Glienewinkel beim Springturnier in Oberneuland

Der Star im Parcours

Der Mai war sein ganz persönlicher Wonnemonat. Erst heiratete Christian Glienewinkel seine langjährige Lebensgefährtin Ilka, dann feierte er seinen 30. Geburtstag und landete zwei Tage später seinen sportlich größten Triumph.
31.05.2015, 00:00
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Der Star im Parcours
Von Frank Büter
Der Star im Parcours

Derby-Sieger Christian Glienewinkel ist der Aufsteiger der Saison.

foto ruechel,www.ruechel.de, Dirk Rüchel

Der Mai war sein ganz persönlicher Wonnemonat. Erst heiratete Christian Glienewinkel seine langjährige Lebensgefährtin Ilka, dann feierte er am 15. dieses Monats seinen 30. Geburtstag und landete zwei Tage später seinen sportlich größten Triumph: Er, der Amateur und Altenpfleger, gewann das mit 120 000 Euro dotierte Spring-Derby in Hamburg Klein Flottbek. Vor 20 000 Zuschauern meisterte Glienewinkel mit seinem 14-jährigen Wallach Aircare als einziger Starter auf dem 1230 Meter langen Parcours alle 17 Hindernisse ohne Abwurf und düpierte die Weltelite.

Dieser Überraschungserfolg in Hamburg war ein großer Moment für den gelernten Pferdewirt aus Celle-Adelheidsdorf. Bis zu diesem Zeitpunkt, als er das Blaue Band gewann, war Glienewinkel im Reitsportzirkus eher unspektakulär unterwegs gewesen; „ich war schon relativ unbekannt“, sagt der Derbysieger 2015. Das aber hat sich durch eben diesen dreiminütigen Ritt vollkommen geändert. Es gab etliche Anrufe, großes Medieninteresse und Interviewanfragen, Glückwünsche. Und es folgten Einladungen zu großen internationalen Springturnieren wie jetzt über Pfingsten in Wiesbaden.

Der Name Christian Glienewinkel ist plötzlich in aller Munde – und er ist angekommen in der deutschen Spitze. Er hat Startrecht bei den Turnieren auf der stets prominent besetzten Riders Tour. „Das Leben hat sich in dieser kurzen Zeit sehr verändert“, sagt Glienewinkel. Und fügt mit einem Lächeln im Gesicht an: „Der Mai hätte für mich nicht besser laufen können.“ Wirklich realisiert habe er seinen Überraschungscoup indes noch nicht, „es war einfach zu viel Trubel“.

Auch beim dreitägigen Springturnier des RC Rosenbusch in Oberneuland ist Christian Glienewinkel an diesem Wochenende der Star. Alle Augen sind auf ihn gerichtet, alle wollen ihn und seinen Erfolgswallach Aircare, den er liebevoll „Ernie“ ruft, live im Parcours erleben. Gelegenheit dazu bietet der Newcomer der Szene reichlich. Glienewinkel ist bereits seit einigen Jahren Stammgast in Oberneuland, er ist mit der Gastgeberfamilie Forkert inzwischen gut befreundet, und er nutzt diese Veranstaltung gerne, um seine Pferde vorzustellen.

In allen hochkarätigen Prüfungen ist Christian Glienewinkel beim RC Rosenbusch am Start. Nicht nur, aber auch mit „Ernie“, den er am Samstag indes nur in einem M**-Springen präsentiert hat. Seit neun Jahren arbeitet Glienewinkel nun bereits mit dem Wallach, er ist eines der besten Pferde in seinem Stall. „Ernie gibt sich Mühe“, sagt Glienewinkel über das Pferd, das ihn zum Derbysieg getragen hat. Wieder lächelt der Aufsteiger der Saison, der im Alter von 14 Jahren zum Turnierreiten gekommen ist, es aber nicht über den Landeskader hinausgebracht hat.

Eine Profilaufbahn war für ihn nie eine ernsthafte Option. Zwar hat Glienewinkel nach der Schule zunächst noch eine Ausbildung zum Pferdewirt absolviert, später aber stieg er als stellvertretender Pflegedienstleiter ins Altenheim ein, das seine Eltern vor fast drei Jahrzehnten gegründet haben. Das Familienunternehmen mit Mutter Marion Neumann-Glienewinkel an der Spitze gibt ihm dabei zeitlich die nötigen Freiheiten, um seinem Hobby nachzugehen. „Während der Saison bin ich dadurch sehr flexibel“, schildert der Amateurreiter. „In den Wintermonaten hole ich die fehlenden Zeiten nach.“ Wobei es dann für ihn auch keine Seltenheit ist, mal sieben Tage pro Woche zu arbeiten. Zurzeit aber läuft die Saison – und das viel, viel besser, als er es sich jemals erträumt hätte.

Auch in Oberneuland ist Christian Glienewinkel durchaus erfolgreich unterwegs. Beim abschließenden Höhepunkt des Samstags, einer Zwei-Phasen-Springprüfung der Klasse S**, blieb er auf Levisto’s Pleasure ohne Abwurf und belegte Platz vier. Die Ränge zwei und drei in diesem mit 4500 Euro dotierten Mercedes-Benz-Championat belegte die gut aufgelegte Amazone Laura Jane Hackbarth aus St. Peter Ording mit UIana und Tequila Sunrise. Etwas Aufregung gab es derweil bei der Ermittlung des Siegers in dieser Prüfung, da es beim Ritt von Carsten-Otto Nagel einen technischen Defekt bei der Zeitmessung gegeben hatte. Per Richterspruch wurde der Mannschaftsweltmeister von 2010 schließlich zusammen mit Dirk Schröder (RFV Eichengrund-Lentföhrden), der als schnellster Reiter im Parcours unterwegs gewesen war, zum Sieger erklärt. Lokalmatador Marten Forkert vom gastgebenden RC Rosenbusch war hier als Sechster auf Colandus bester Reiter aus der Region.

An diesem Sonntag wird das Turnier ab 9 Uhr fortgesetzt. Höhepunkt ist um 14 Uhr der Große Preis der Bankhaus Lampe KG. Bei diesem mit 10 000 Euro dotierten S***-Springen mit Stechen steigt dann neben zahlreichen Reitsportgrößen wie Andreas Ripke, Gilbert Böckmann oder Jan Wernke auch Christian Glienewinkel wieder in den Sattel. Und man darf sich sicher sein, dass sich sein Erfolgswallach „Ernie“ auch hier wieder größte Mühe geben wird.

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