Frauenfußball Der Wasser-Fall von Hamburg

Beim ATS Buntentor hofft man darauf, dass der Protest gegen das 0:4 in der Regionalliga-Relegation bei den HSV-Frauen Erfolg haben wird. Die Frage ist nur: Wie schnell entscheidet das Sportgericht?
03.06.2019, 18:37
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Mittlerweile wurde alles in die Wege geleitet: Am Montag hat der ATS Buntentor einen Protest beim Norddeutschen Fußball-Verband gegen die Wertung des Regionalliga-Aufstiegsspiels seiner Frauenmannschaft gegen den Hamburger SV (0:4) eingelegt. Zudem wurde die fällige Gebühr von 125 Euro überwiesen. Nun gilt auch für Buntentor die alte, vor allem in Juristenkreisen bemühte Regel: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Denn mit Einlegung des Protests ist das Sportgericht des NFV zuständig, und niemand traut sich so recht eine Prognose zu.

„Aber es hat schon ein Geschmäckle“, sagt Joachim Dietzel aus dem Frauen- und Mädchenausschuss des Norddeutschen Verbandes. Er ist ein erfahrener Funktionär, zugleich Vorsitzender des Bremer Ausschusses. Aber einen solchen Vorgang wie beim Spiel der Hamburger gegen Buntentor hat Dietzel noch nicht erlebt. In der Halbzeitpause war nur eine Seite des Kunstrasenplatzes bewässert worden, nämlich die des HSV. Mit dem Ergebnis, dass der Ball vorm Tor des ATS um einiges schneller lief und die Bremerinnen schließlich innerhalb von nur 14 Minuten vier Tore kassierten.

Was die Rechtsordnung sagt

„Ich halte es für möglich, dass man beim HSV gar nicht drüber nachgedacht hat“, so Dietzel. Eine Verbandskollegin aus Hamburg habe ihm zudem berichtet, dass der entsprechende Kunstrasen sowieso nur auf einer Seite zu bewässern sei. „Schwachsinn“, sagt Marc Schönthal, der Buntentorer Trainer. Es hätten schon beide Seiten mit Wasser versorgt werden können. Am Ende dürfte es auch gar nicht auf die technischen Voraussetzungen ankommen. Tatsache ist, und das wurde auch im Bericht der Schiedsrichterin vermerkt, dass es nach der Pause zwei verschiedene Halbfelder gab – ein schnelles und ein langsames.

Beim ATS Buntentor wartet man nun gespannt ab, wie das Sportgericht diesen Umstand bewertet. Eine einschlägige Norm gibt es jedenfalls. Denn § 13 I b der Rechts- und Verfahrensordnung sieht einen Protestgrund in der „Schwächung der eigenen Mannschaft durch einen während des Spieles eingetretenen Umstand“, der weder abwendbar noch im Zusammenhang mit dem Spiel steht. Für Marc Schönthal liegt der Fall klar. „Alles andere als eine Wertung für uns wäre Schmu“, sagt der Trainer. Er kann sich noch immer nicht erklären, wieso es am Sonntag zur einseitigen Bewässerung gekommen war.

„Kein Kommentar“ vom HSV

Christian Kroll könnte es vielleicht. Aber er möchte nicht. „Wir werden das gar nicht kommentieren“, sagt der Trainer des HSV zu den Vorwürfen aus Buntentor. Allerdings: Seine Mannschaft werde „eine Antwort auf dem Platz liefern“, dann bekäme der ATS die „Rechnung“. Ja, es gibt noch ein Rückspiel, am Sonntag um 14 Uhr – und das macht die Probleme nicht gerade kleiner. Denn derzeit geht eigentlich niemand davon aus, dass das Sportgericht bis zu dieser Partie bereits zu einer Entscheidung über den Protest gekommen ist.

Jetzt muss das Verfahren erst einmal anlaufen, und das setzt auch zwingend eine Anhörung der Hamburger (mit entsprechenden Fristen) voraus. „Für uns geht es nun darum, uns nicht noch mehr verrückt zu machen“, sagt Marc Schönthal also. Er wollte den Protest vorm Training am Montag gemeinsam mit seinem Kollegen Dennis Bittner kurz ansprechen und dann „das Thema streichen“.

Schließlich haben die Aufstiegsspiele ja auch noch eine sportliche Komponente. Also wollen sie in Buntentor nun so tun, als müssten sie in jeden Fall einen 0:4-Rückstand aus dem Hinspiel ausgleichen. Das wird schwer genug gegen eine Hamburger Mannschaft, die als Favorit ins Rennen gegangen war. Schönthal: „Am besten, wir gewinnen einfach 5:0.“

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