Leichtathletik-DM Dinkeldein ist bereit für Dortmund

Monatelang hat sich Werder-Sprinterin Sandra Dinkeldein auf die Hallen-DM vorbereitet, deren Austragung lange offen war. Erst Anfang Februar gab es grünes Licht, an diesem Sonnabend ist es nun soweit.
19.02.2021, 05:00
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Dinkeldein ist bereit für Dortmund
Von Frank Büter

Bremen. Eine deutsche Meisterschaft ist eigentlich immer ein Höhepunkt im Terminkalender eines Sportlers. Etwas, worauf man hinarbeitet. Wofür man brennt. In diesen Corona-­Zeiten mitsamt Lockdown für den Amateursport ist allerdings vieles anders. Spitzen-, Kader- und Profisportler dürfen trainieren in diesen Tagen, immerhin. Das gilt auch für die Leichtathleten des SV Werder Bremen. Aber es fehlen die Wettkämpfe, die Möglichkeiten, sich mit anderen Sportlern zu messen und so den Leistungsstand zu überprüfen.

„Es ist schwer, wochenlang nur zu trainieren und dabei die Spannung hochzuhalten“, sagt auch Sandra Dinkeldein. Die Werder-Athletin hat zusammen mit ihrem Trainer Andrei Fabrizius dennoch ihr Pensum durchgezogen, über Wochen, ja Monate sogar, „wir haben das Beste daraus gemacht“, sagt sie. Weil ein Termin im Raum stand, ein Wettkampf, von dem man bis zu Monatsbeginn indes nicht wusste, ob er tatsächlich stattfinden wird. Erst Anfang Februar haben Ordnungsamt und Gesundheitsamt der Stadt Dortmund grünes Licht gegeben für die Deutsche Hallen-Meisterschaft der Leichtathleten, die am Wochenende in der Helmut-Körnig-Halle ausgetragen wird.

Ein umfangreiches Hygienekonzept, Schnelltests beim Betreten der Halle, verkleinertes Starterfeld, keine Zuschauer – „das ist schon schwere Kost für die Athleten, wenn da so gar nichts los ist und die Stimmung fehlt“, sagt Werder-Trainer Andrei Fabrizius mit Blick auf die modernisierte Arena, in der sonst bis zu 4500 Zuschauer Platz finden. Anmoderation und musikalische Untermalung wird es zwar geben, ansonsten aber kommt es auf die Athleten selbst an, darauf, wie sie sich pushen und antreiben können. „Das wird bestimmt komisch sein“, sagt Sandra Dinkeldein, „aber ich glaube, dass ich die fehlenden Zuschauer kaum wahrnehmen werde, weil meine Laufzeit sehr kurz ist“.

Sandra Dinkeldein ist Sprinterin. Wegen eines Studiums kam sie im Winter 2013 aus Steißlingen am Bodensee nach Bremen, und seither startet die heute 27-Jährige für den SV Werder. In Dortmund geht Dinkeldein über 60 Meter an den Start. Mangels Wettkämpfe gab es in diesem Winter keine Qualifikationsnorm, für die Teilnahmeberechtigung wurden die Zeiten aus dem vergangenen Sommer herangezogen. Auch das hat es so noch nie gegeben. Ihre angesprochene Laufzeit für diese 60-Meter-Strecke liegt im Idealfall bei 7,38 Sekunden, das ist ihre Bestleistung, aufgestellt im Finale bei der Hallen-
DM im Vorjahr in Leipzig.

Sechste ist sie dort geworden. Eine Platzierung, die ihr mehr als gefallen würde für die nun anstehenden Titelkämpfe. Weil das nämlich voraussetzen würde, dass Sandra Dinkeldein auch diesmal im Endlauf dabei wäre. Ein solches Ziel aber mag sie nicht ausrufen. Dinkeldein schaut in erster Linie auf die Zeit. Die Konkurrenz sei stark, sagt sie. Und das Feld mit 23 Starterinnen sehr groß. Deshalb geht es für die Wahl-Bremerin vorrangig um die Sekunden, genauer gesagt um die Zahlen hinter dem Komma. „Ich würde gerne schnell laufen und an die Zeit vom letzten Winter anknüpfen“, sagt Sandra Dinkeldein. Dafür, betont ihr Trainer, habe man bis zu 20 Stunden pro Woche hart und fokussiert gearbeitet. „Sandra ist ein ehrgeiziger Typ“, sagt Fabrizius. „Außerdem hat sie schon so manche Meisterschaft mitgemacht und besitzt die nötige Routine, um mit den Gegebenheiten zurechtzukommen.“

Zu diesen Gegebenheiten gehört nun auch, dass man nicht wirklich weiß, wie es um die eigene Leistungsfähigkeit bestellt ist. Zu Monatsbeginn hat man beim SV Werder versucht, zwecks Leistungsdiagnostik in der Trainingshalle einen Sprintwettkampf zu simulieren. Mit dem Ergebnis war Sandra Dinkeldein selbst nicht ganz zufrieden gewesen. Sie schiebt es auf ihren veränderten Tagesablauf. Nachdem sie ihr Masterstudium Wirtschafts- und Rechtswissenschaft in Oldenburg abgeschlossen hat, arbeitet sie seit Beginn des Monats nämlich mit einer Halbtagsstelle in ihrem Fachbereich an der Uni in Bremen. „Ich bin fit, aber der Rhythmus mit Arbeit und Training muss sich erst noch einpendeln“, sagt Sandra Dinkeldein.

„Es ist schon extrem ungünstig, im Vorfeld so einer Meisterschaft keinerlei Wettkämpfe zu haben“, sagt Andrei Fabrizius. Eine Meisterschaft, die in der Olympiasaison eine enorme Bedeutung habe und gleichzeitig auch die letzte Chance ist, sich für die Hallen-Europameisterschaft Anfang März in Polen zu qualifizieren. Die Norm für diese EM liegt bei 7,25 Sekunden – fünf Dortmund-Starterinnen haben diese Norm bereits erfüllt. Auch das ist ein Indiz dafür, wie stark das Feld der Sprinterinnen in diesem Jahr besetzt ist.

Bereits an diesem Freitag machen sich Sandra Dinkeldein und ihr Coach auf den Weg nach Dortmund. Um die Wartezeit am Sonnabend zu verkürzen, wird es vor Ort eine Bewegungseinheit geben, verrät Fabrizius. Die Halbfinals über 60 Meter beginnen um 18 Uhr, gegen 15.30 Uhr wolle man deshalb am Halleneingang sein, „der Schnelltest muss vorab ja auch noch gemacht werden“. Das Finale des besten acht startet dann um 19.10 Uhr. Zu verfolgen sind die Titelkämpfe in einem Livestream auf leichtathletik.de.

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