Basketball-Nationalmannschaft Deutschland-Premiere in Bremen

Dennis Schröder war zarte drei Jahre alt, als Dirk Nowitzki in der deutschen Nationalmannschaft debütierte. Nun laufen sie in der Bremer ÖVB-Arena gegen Kroatien erstmals gemeinsam in ihrer Heimat auf.
16.08.2015, 00:00
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Deutschland-Premiere in Bremen
Von Jörg Niemeyer

Dennis Schröder war zarte drei Jahre alt, als Dirk Nowitzki in der deutschen Nationalmannschaft debütierte. Nun laufen sie in der Bremer ÖVB-Arena gegen Kroatien erstmals gemeinsam in ihrer Heimat auf.

Die Prognose scheint nicht allzu gewagt zu sein: Deutschlands Superstar im Basketball, Dirk Nowitzki, wird an diesem Sonntag zum letzten Mal zu einem Länderspiel in Bremen auflaufen. Vier Jahre sind seit seinem bisher letzten Auftritt auf der Bürgerweide vergangen, in weiteren vier Jahren ist er 41 – und dann vermutlich längst im wohlverdienten Ruhestand.

Wer Dirk Nowitzki in der ÖVB-Arena noch einmal live spielen sehen will, muss das Spiel gegen Kroatien besuchen. Knapp 1000 der insgesamt gut 10 000 Karten gehen ab 13.30 Uhr noch in den Verkauf. Wer dann ab 15 Uhr beim Vorbereitungsspiel auf die EM im September dabei ist, wird neben dem – mit Verlaub – alten Star Nowitzki auch den auserkorenen neuen, Dennis Schröder, erleben. Es ist das erst zweite Länderspiel, in dem die beiden NBA-Akteure gemeinsam auf Korbjagd gehen werden. Das erste endete am späten Freitagabend mit einer 72:74-Niederlage nach Verlängerung in Kroatien – es war die erste Niederlage in der EM-Vorbereitung.

Bremen ist, wenn man so will, also Schauplatz der Deutschland-Premiere dieses so ungleichen Duos. Ungleich ist es allein schon deshalb, weil Dennis Schröder gerade drei Jahre alt war, als Dirk Nowitzki am 26. Februar 1997 in der Nationalmannschaft debütierte. Das ist mehr als 18 Jahre her – 18 Jahre, in denen der Würzburger auf allerhöchstem Niveau agierte. Es gibt nicht viele Sportler, die so etwas schaffen. Und die trotzdem noch Ziele haben. Nowitzki hofft, am 5. August 2016 mit der deutschen Mannschaft ins Olympiastadion von Rio de Janeiro einlaufen zu dürfen. 2008 in Peking war Nowitzki schon einmal bei Olympia am Start – und trug damals sogar die Fahne der Deutschen.

Niederlage nach Verlängerung

Ungleich sind Schröder und Nowitzki aber auch auf dem Feld: Hier der 1,86 Meter große, junge Aufbauspieler, der am Anfang einer möglicherweise großen Karriere steht. Dort der 2,13 Meter lange Flügelspieler, der fast alles gewonnen hat, was ein Deutscher im Basketball gewinnen kann. Anders als im Fußball ist die Konkurrenz an Auswahlmannschaften im Basketball übermächtig. Um bei internationalen Turnieren verlässlich nach den Medaillen greifen zu können, reicht ein Nowitzki allein im Team nicht aus. Ob es – sozusagen mit einem Schröder mehr – bei der anstehenden EM reichen wird? Fakt ist: Personell ist das Team des Deutschen Basketball Bundes (DBB) sehr gut besetzt – nicht nur, weil in Center Tibor Pleiß künftig ein dritter Akteur des EM-Kaders in der nordamerikanischen NBA auflaufen wird.

Was die Chancen des DBB-Teams erhöht: Nowitzki ist kein Alleinunterhalter mehr, und mit Schröder und Pleiß ist das Potenzial an auch international konkurrenzfähigen Spielern längst nicht erschöpft. Robin Benzing, Heiko Schaffartzik, Niels Giffey, Alex King oder Maik Zirbes, der am Freitag mit 14 Punkten bester Schütze seiner Mannschaft war, verfügen über viel Erfahrung. Dazu kommen Spieler wie Johannes Voigtmann, Maodo Lo oder Paul Zipser, die noch jung sind und ganz viel Talent besitzen. Seit Donnerstag verfügt Bundestrainer Chris Fleming in Anton Gavel zudem noch über eine weitere Option auf der Spielmacherposition. Der gebürtige Slowake hat seit drei Jahren einen deutschen Pass, erhielt jetzt vom Weltverband Fiba die Spielerlaubnis für Deutschland und bestritt am Freitag in Zagreb auch gleich sein Debüt, ohne dabei allerdings auf Anhieb zu glänzen.

Das könnte im zweiten Spiel gegen die Kroaten schon ganz anders sein. Das Bremer Publikum darf eine deutsche Mannschaft erwarten, die zwar für die EM vom 5. bis 20. September noch testet, allmählich jedoch am Feinschliff arbeitet und entsprechend engagiert zu Werke gehen wird. Obwohl an den kommenden beiden Wochenenden weitere Testländerspiele anstehen, zeigte sich am Freitag bereits, dass die EM-Mannschaften allmählich in den Betriebsmodus hochschalten. Wie der DBB in Berlin, ist auch der kroatische Verband in Zagreb Gastgeber einer EM-Vorrundengruppe.

„Das war heute genau das, was wir haben wollten: echten Wettkampf!“, sagte Bundestrainer Chris Fleming nach der vermeidbaren Niederlage, die niemandem wehtat. Mit Schröder und Nowitzki in der Startaufstellung waren die Deutschen schnell auf 11:2 davongezogen, ehe sich die Kroaten steigerten und sich eine Partie mit mehrfach wechselnder Führung und großer Spannung entwickelte. „Phasenweise lief das schon ganz gut“, resümierte Dirk Nowitzki, der insgesamt 24 Minuten auf dem Feld stand, im Schlussviertel und in der Verlängerung aber nur noch mit Dehnübungen beschäftigt war. „Wir hatten bis zum Schluss die Chance zu gewinnen. Sonntag wollen wir das besser machen“, versprach Maik Zirbes. Das würde die Zuschauer in Bremen freuen.

Deutschland: Vargas (1), Lo (2), Giffey (5), King, Schaffartzik (7), Tadda, Pleiß (7), Benzing (4), Nowitzki (11), Schröder (13), Zipser (8), Gavel, Zirbes (14), Voigtmann.

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