Vorbereitungen in Bremen DFB-Pokal: BSC Hastedt vor Spiel gegen Mönchengladbach

Die Kicker vom BSC Hastedt freuen sich auf das Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach, um endlich mal den Profis gegenüber zu stehen. So bereitet sich der Bremen-Ligist auf den Pokal-Kracher vor.
17.08.2018, 21:57
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Marcel Pfaar hat ein Problem. Genau genommen sind es sogar zwei, ein großes und ein eher kleines. Das große Problem betrifft seine Aufgabe als Torhüter. Vor wenigen Wochen wechselte der 19-Jährige nämlich vom Brinkumer SV zum BSC Hastedt. Beim amtierenden Meister der Bremen-Liga war Pfaar lediglich die Nummer zwei gewesen, in Hastedt gilt er als Stammkeeper. Das ist an sich eine schöne Sache für einen so jungen Kicker.

Aber an diesem Sonntag (18.30 Uhr) kommt Borussia Mönchengladbach zum DFB-Pokalspiel – und mit dem Erstligisten gleich eine ganze Reihe von Stürmern, die einem das Leben als Torhüter verleiden können. Der Angriff um den Brasilianer Rafael ist jedenfalls eine Herausforderung für die Abwehr eines Fünftligisten, selbst wenn in Borussen-Kapitän Lars Stindl die prominenteste Offensivkraft verletzt ausfällt. „Aber wenn man sich nun verrückt macht, macht man sich auch nervös“, sagt Pfaar.

Er möchte möglichst wenig darüber nachdenken, dass ein Bundesligist so ein Spiel unter normalen Umständen durchaus zweistellig gewinnen könnte – und der Keeper damit ins Zentrum einer Schießbude geriete. Marcel Pfaar will das Spiel vielmehr genießen und sagt: „Gladbach ist ein perfekter Gegner, so können wir einfach mal den Profis gegenüberstehen.“

Zudem gibt es da ja noch diese andere Sache, das kleine Problem, wenn man so will. Denn die Borussia reist mit Torhüter Yann Sommer an, und der ist das „große Vorbild“ von Marcel Pfaar. „Er hat null Schwächen und strahlt diese Ruhe aus“, sagt der BSC-Keeper, der zurzeit eine Ausbildung als Erzieher absolviert. Logisch, dass der Bremer sich das Trikot – oder zumindest die Handschuhe – des Schweizer Nationalkeepers sichern möchte.

Den Trikot-Tausch mit einem bekannten Fußballer könnte sich auch Youness Buduar vorstellen – obwohl er ein vergleichsweise alter Hase ist. Seinen ersten Einsatz im DFB-Pokal feierte der 26-Jährige nämlich 2011, beim 1:4 des FC Oberneuland gegen den FC Ingolstadt. Es folgten Cup-Erfahrungen mit dem SV Wilhelmshaven, dem BSV Rehden und dem Bremer SV. „Deshalb weiß ich auch, was auf uns zukommt: die vielen Menschen, Kameras und eine Liveübertragung“, sagt Buduar und bringt das Spiel am Sonntag auf eine einfache Formel: „Das wird ganz anders werden als unsere anderen Spiele.“

Allein: Die Aussicht auf das außergewöhnliche Erlebnis sorgt bei Youness Buduar nicht mehr für allzu große Aufregung. „Ich fühle keine Nervosität, in jungen Jahren war das aber anders“, sagt der Inhaber eines Burger-Ladens. Und weil Buduar weiß, dass sich ein unerfahrener Spieler mehr Gedanken über den Pokalknüller machen könnte, kümmert er sich: „Ich rede viel mit den Jungs, aber die Aufregung kann ich ihnen nicht nehmen.“ Für Youness Buduar, der am Sonntag die Kapitänsbinde des verletzten Sedat Yücel tragen wird, liegt die Sache am Ende aber auch ganz einfach. „Jeder soll seinen Spaß haben und Gas geben, damit man uns nichts vorwerfen kann.“ Und wer weiß: Womöglich springt ja auch mehr heraus als die erwartete Niederlage. „Wenn wir Glück haben, gibt es vielleicht eine kleine Chance“, sagt Buduar.

So ähnlich sieht es auch Florent Aziri, der ebenfalls den ein oder anderen Pokalfight in seiner Karriere bestritt. „Wir müssen mutig und frech sein“, sagt der Außenstürmer. Für Aziri besteht der größte Unterschied zu den Profikickern aus Gladbach sowieso nicht in der fußballerischen Klasse. „In dieser Hinsicht sind sie keine Aliens, es geht immer um die Physis“, betont der 29-Jährige. Seine Mannschaft trainierte auch in dieser Woche dreimal; die Stars aus Gladbach absolvieren nicht selten zwei Einheiten an einem Tag. Sie sind allein deshalb in einer besseren Verfassung, zumal das Athletiktraining mittlerweile einen breiten Raum einnimmt. „Sie haben sogar extra Leute für den gesamten Fitnessbereich“, weiß Florent Aziri.

Er sieht die Herausforderung also in erster Linie in ungleichen körperlichen Voraussetzungen: „Durch das viele Training machen sie alles schneller als wir.“ Ausgleichen lässt sich dieser Nachteil nicht, und deshalb ist der Inhaber eines Restaurants der Ansicht, es müsse schon sehr viel passen, damit der BSC seinem Gegner Paroli bieten könne. „Aber wir sollten auf jeden Fall Spaß haben“, findet Aziri.

Dem Kollegen Iman Bi-Ria muss er das nicht erst sagen. Für den 34-jährigen Stürmer ist das Duell mit Borussia Mönchengladbach gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes: Er bestreitet am Sonntag nämlich seine letzte Partie, steht also vor einem Abschiedsspiel. Wie es sich für einen zweifachen Bremer Fußballer des Jahres gehört, wird Bi-Ria aber nicht einfach nur spielen. Der Sturmführer läuft mit seinen beiden Töchtern ein, hat die Familie zu Gast und wird irgendwann ausgewechselt – ein persönlicher Abgang. Wenn Iman Bi-Ria also von einem „emotionalen Moment“ spricht, dann meint er nicht nur das Spiel gegen einen Bundesligisten.

Dass er mal seinen Ausstand im DFB-Pokal feiern würde, war übrigens abgesprochen, seit der Routinier im letzten Jahr aus Delmenhorst zum BSC gewechselt war – an Selbstbewusstsein hat es den Hastedtern noch nie gemangelt. Ob die Trainer dabei an einen Einsatz in der Startelf gedacht haben? Schwer zu sagen. Iman Bi-Ria hatte ja eigentlich nach der letzten Saison aufgehört und hielt sich zuletzt nur noch fit. Für ihn kommt die Berufung in die Anfangsformation aber nicht überraschend, nicht nach den fünf Toren beim 8:0 gegen den TSV Grolland im Bremer Lotto-Pokal. „Ich habe mich doch auch angeboten“, sagt der treffsichere Polizist lachend.

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