1. Runde im DFB-Pokal

Traumlos gegen Mönchengladbach löst in Bremen keinen Jubel aus

Normalerweise hätten die Sektkorken geknallt: Jeder Amateurfußballer träumt von einem Heimspiel gegen einen Champions-League-Teilnehmer. Doch in Bremen steht gar nicht fest, wer sich über das Los freuen darf.
28.07.2020, 05:15
Lesedauer: 4 Min
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Traumlos gegen Mönchengladbach löst in Bremen keinen Jubel aus
Von Jörg Niemeyer
Traumlos gegen Mönchengladbach löst in Bremen keinen Jubel aus

Welcher Bremer Fußballverein trifft Anfang September im DFB-Pokal auf Borussia Mönchengladbach mit Alassane Plea (Mitte)? Eigentlich ein Traumlos für einen Amateurklub. Doch weil in Bremen erst noch das Halbfinale und Finale des Landeswettbewerbs gespielt werden müssen, kommt bei den vier Kandidaten FC Oberneuland, Blumenthaler SV, SC Borgfeld und FC Huchting noch keine Freude über das attraktive Los auf.

Marius Becker/dpa3260

Es bedarf keiner allzu großen Fantasie, sich vorzustellen, was am frühen Sonntagabend während der Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs in der ARD im Vereinsheim des Bremer Lottopokal-Siegers losgewesen wäre: Riesenjubel der Amateurfußballer und überschäumende Freude möglicherweise auf den Höhepunkt ihrer Karriere. Borussia Mönchengladbach als Gegner, also einen der namhaftesten deutschen Klubs, Tabellenvierter der Saison 2019/20 und Champions-League-Teilnehmer in der kommenden Saison. „Eine Traumlos – besser geht's nicht“, sagt der Trainer des Regionalliga-Aufsteigers FC Oberneuland, Kristian Arambasic.

Verschwendet keinen Gedanken an den DFB-Pokal: Borgfelds Trainer Lutz Repschläger vor dem Halbfinal-Duell seines Teams gegen den FC Oberneuland.

Verschwendet keinen Gedanken an den DFB-Pokal: Borgfelds Trainer Lutz Repschläger vor dem Halbfinal-Duell seines Teams gegen den FC Oberneuland.

Foto: Rainer Schmidt

Doch von Jubel war an diesem denkwürdigen Sonntag weder in Oberneuland noch beim Blumenthaler SV, dem SC Borgfeld oder dem FC Huchting etwas zu hören. Nirgends gab es einen gemeinsamen Fernsehabend der Mannschaften. Es gab bei der Auslosung ja noch nicht einmal eine Kugel mit dem Namen des Bremer Klubs, weil der Bremer Sieger erst am 22. August ermittelt werden soll. Und weil vorher, am 15. und 16. August, die beiden Halbfinalpartien gespielt werden müssen. „Es ist eine skurrile Situation“, sagt Borgfelds Coach Lutz Repschläger, „der DFB-Pokal ist für mich noch ganz weit weg.“ Er sei ohnehin kein Freund davon, an übernächste Spiele zu denken. Und in diesem Fall wäre es sogar erst das überübernächste. „Für uns ist es schon ein Wunder, dass wir überhaupt ins Halbfinale gekommen sind“, sagt Huchtings Co-Trainer Arne Leppin. Seine Spieler hätten zwar die Auslosung verfolgt und sich auch über Whatsapp ausgetauscht, aber ein Spiel gegen den Erstligisten scheint in Huchting kein ernsthaftes Thema zu sein. „Aber solange wir im Wettbewerb sind, dürfen wir ja zumindest träumen“, sagt FC-Trainer Oliver Kluth.

Ist schon glücklich, dass der FC überhaupt noch im Wettbewerb steht: Huchtings Co-Trainer Arne Leppin vor dem Halbfinal-Duell seines Teams gegen den Blumenthaler SV.

Ist schon glücklich, dass der FC überhaupt noch im Wettbewerb steht: Huchtings Co-Trainer Arne Leppin vor dem Halbfinal-Duell seines Teams gegen den Blumenthaler SV.

Foto: Olaf Schnell

Irgendwann am zweiten September-Wochenende – Mitte August will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die konkreten Termine festlegen – wird der Bremer Pokalsieger also auf Borussia Mönchengladbach treffen. Vielleicht in Bremen, vielleicht aber auch in Mönchengladbach. Wer weiß angesichts der Pandemie jetzt, was in anderthalb Monaten sein wird? Für Peter Moussalli ist der Tausch des Heimrechts jedenfalls nicht ausgeschlossen. Der erste Vorsitzende des Blumenthaler SV würde zwar alles dafür tun, die Gladbacher sogar am heimischen Burgwall zu empfangen, aber davor stehen viele Fragezeichen. Das größte: Wer schafft überhaupt den Sprung in den DFB-Pokal? Der BSV aus Bremen-Nord muss sich, wahrscheinlich am 15. August, erst einmal beim einzig im Wettbewerb verbliebenen Landesligisten FC Huchting behaupten, bevor wohl am 16. August der Bremen-Ligist SC Borgfeld im reizvollen Nachbarschaftsderby den FC Oberneuland erwartet. An diesem Dienstag wird der Bremer Fußball-Verband (BFV) die Anpfiffzeiten verkünden. Beide Spiele, so teilt BFV-Sprecher Oliver Baumgart mit, sollen im Internet bei Sporttotal.tv gezeigt werden, daher soll es auch zwei Spieltage für die Vorschlussrunde geben.

Das zweitgrößte Fragezeichen stünde dann hinter der Spielstätte für den DFB-Pokal. Aus dem Quartett der Halbfinalisten hat nur der FC Oberneuland ein DFB-Ansprüchen genügendes Stadion. Bis zum 10. August jedoch sollen alle vier Bremer Halbfinalisten dem DFB mitteilen, wo sie gegen Mönchengladbach spielen würden. Welch ein Aufwand auch für die Teams, die ein paar Tage später ausscheiden. Alles der Pandemie geschuldet, wegen der die Saison 2019/20 noch läuft, obwohl schon die Saison 2020/21 hätte beginnen sollen.

Ebenfalls an diesem Dienstag entscheidet der BFV, ob die beiden Halbfinals mit oder ohne Zuschauer ausgetragen werden. Darüber sollten sich nach einer Zusammenkunft am vergangenen Donnerstag die vier beteiligten Klubs einigen, weil der BFV nicht der Veranstalter des Halbfinales ist. Stand Montag dieser Woche, soll das Finale am Vinnenweg aber vor Publikum stattfinden. Doch was heißt in diesen Zeiten schon „vor Publikum“? Laut aktueller Corona-Verordnung dürfen sich auf einer Sportanlage derzeit maximal 400 Personen gleichzeitig aufhalten. Das sind nicht durchweg Zuschauer, sondern auch Sportler, Betreuer, medizinisches Personal, Medienvertreter und andere. „Wir gehen davon aus, dass es am Ende zwischen 150 und 200 Zuschauer geben wird“, sagt Oliver Baumgart. Abzüglich der Kartenkontingente, die an die beiden beteiligten Klubs gehen und die der BFV benötigt, dürften demnach kaum Tickets frei zu erhalten sein. Bitter für die Fußball-Fans. Zur Erinnerung: Im Vorjahr verfolgten mehr als 1700 Zuschauer den 1:0-Sieg des FC Oberneuland über den Bremer SV.

„Es wird wohl das erste ausverkaufte BFV-Pokalfinale werden“, sagt Baumgart mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor. Weil der Verband der Veranstalter des Endspiels ist, steht er auch in der Pflicht, das Einhalten der Hygienevorschriften zu gewährleisten. Klar ist, dass am 22. August am Vinnenweg nur die Sitztribüne geöffnet werden wird. Derzeit erstellt der BFV gerade einen Plan, wie die Zuschauer mit dem notwendigen Abstand auf den Plätzen verteilt werden. Selbstverständlich wird der BFV auch eine Namensliste der Stadiongäste führen, die dann live erleben, wer in das große Match gegen Mönchengladbach einzieht.

Info

Zur Sache

FCO gelang 2008 die Sensation

Zwölf Jahre liegt es zurück, dass im DFB-Pokal letztmals eine Bremer Amateurmannschaft im DFB-Pokal für eine Sensation gesorgt hat. Der FC Oberneuland, damals Regionalligist, bezwang in der 1. Runde des Wettbewerbs 2008/09 den Zweitligisten TuS Koblenz mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Nur in drei der folgenden elf Erstrundenpartien erzielten Bremer Amateure überhaupt ein Tor: 2011 der FCO beim 1:4 gegen den FC Ingolstadt 04, 2018 der BSC Hastedt beim 1:11 gegen Borussia Mönchengladbach und im Vorjahr erneut der FCO beim 1:6 gegen Darmstadt 98.

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