2. Tennis-Bundesliga Nord

Die beste Zeit des Jahres beim Bremer TC

Der Bremer TC zieht nach dem Klassenerhalt in der 2. Bundesliga Nord Bilanz: Warum Leistungstennis beim BTC funktioniert, die Profis am Grill stehen und Trainer Axel Finnberg Urlaub braucht.
15.08.2018, 18:38
Lesedauer: 4 Min
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Die beste Zeit des Jahres beim Bremer TC
Von Frank Büter
Die beste Zeit des Jahres beim Bremer TC

Positive Bilanz an vorderen Positionen: Der Argentinier Juan Galarza kam als Nicht-EU-Ausländer in fünf Spielen für den Bremer TC zum Einsatz.

Kuhaupt

Bremen. Als sich der Niederländer Yannick Ebbinghaus bei der Abschlussfeier in deutscher Sprache bei den Vereinsmitgliedern und Anhängern für die Unterstützung in der kurz zuvor beendeten Zweitligasaison bedankt, brandet im Klubhaus des Bremer Tennis-Clubs großer Beifall auf. Eine Szene, die belegt: Man kennt sich, man schätzt sich – und man feiert auch gerne mal zusammen. Stefan Schneider, der Vorsitzende des Fördervereins Leistungstennis im BTC, nennt es "die Familie von der Biermannstraße".

Eben dort, auf der Anlage an der Biermannstraße, tragen die BTC-Rubies ihre Heimspiele aus. Mit einer Mannschaft, die fast ausschließlich mit aktuellen Profis und ehemaligen Tourspielern bestückt ist. Gleich ein Dutzend ausländischer Akteure hatte Cheftrainer Axel Finnberg vor der Saison an den ersten zwölf Positionen gemeldet: vier Spanier, fünf Holländer und je einen Argentinier, Brasilianer und Georgier – elf davon kamen im Verlauf der Spielzeit auch zum Einsatz (siehe auch nebenstehende Statistik). Deutsche Spieler oder gar Spieler mit Bremer Wurzeln sucht man dabei indes fast vergeblich. Für Lokalkolorit sorgte lediglich der wie Tjade Bruns im Klub geförderte Nachwuchsmann Peer Erik Jetschke (Jahrgang 2001), der Anfang August aufgrund personeller Probleme im Auswärtsspiel beim Club an der Alster an Position sechs aufgeboten wurde.

"Anders geht es aber auch nicht, wenn man Tennis auf diesem Niveau bieten möchte", sagt Schneider. Weil Bremen nun mal kein Ballungszentrum sei, in dem sich die Talente tummeln. Und weil es trotz aller Bemühungen enorm schwer sei, vielversprechenden Nachwuchs aus der Region ans Zweitliganiveau heranzuführen. Also wird der BTC auch in der Zukunft vorrangig auf Kräfte aus dem Ausland setzen, "das hat sich bewährt", sagt Axel Finnberg. Zumal die Mannschaft trotz des internationalen Charakters keineswegs ein Fremdkörper im Klubgefüge sei, sondern im Gros schon in den Vorjahren für Bremen aufgeschlagen und damit bereits so etwas wie eine BTC-Vergangenheit habe.

„Wir haben hier keine Söldnertruppe", sagt Finnberg, der auch die im BTC angesiedelte Tennisschule leitet. "Die Jungs kommen gerne nach Bremen. Sie haben keine Allüren, verstehen sich super und sind voll ins Vereinsleben integriert. Für die Spieler", so der Trainer weiter, "ist das die beste Zeit des Jahres, weil sie Tennis hier auch mal als Teamsport erleben". Als Beleg verweist der BTC-Trainer dabei auf den Grillabend vor dem abschließenden Punktspiel gegen Bielefeld. Ein Abend, zu dem die Zweitligaspieler alle rund ums Bundesligateam tätigen Personen eingeladen und für sie gegrillt hatten. Darüber hinaus, berichtet Stefan Schneider, hätten sich einige der Akteure bereits für die große Players Night im BTC am 22. September und auch für die traditionelle Weihnachtsfeier im Klub angekündigt.

Die Spielzeit 2018 ist jetzt beendet. Der Bremer TC hat als Wiederaufsteiger aus der Regionalliga den angestrebten Klassenerhalt geschafft und wird auch im nächsten Jahr in der zweithöchsten Liga aufschlagen. Das Fazit der Verantwortlichen fällt dabei fast durchweg positiv aus – in sportlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Eine aufreibende Saison sei es gewesen, sagt Finnberg. Mit vielen engen Matches und einer hohen mentalen Anspannung. "Eigentlich bräuchte ich jetzt erst mal eine Woche Urlaub."

Zeit für eine Analyse hat sich der Coach derweil schon genommen. Und gibt unumwunden zu, dass ihn die fünf, zum Teil sehr knappen Niederlagen in Folge zum Saisonende gewurmt haben. "Mit dem Klassenerhalt bin ich zufrieden, doch es ist schon schade, dass wir am Ende nicht mehr gewonnen haben", sagt Finnberg. Er spricht vom fehlenden Glück – wie beim knapp vergebenen Matchball von Eduard Lobato in seinem Einzel gegen Bielefeld, "das wäre der Siegpunkt gewesen". Und er spricht von kurzfristigen Ausfällen wichtiger Akteure – wie dem von Topmann Mario Vilella Martinez, der bei einem Future-Turnier wegen Müdigkeit aufgegeben hatte und in der Folge für einen Wochenend-Einsatz im BTC-Team gesperrt war, "weil er diese Regel nicht kannte".

Es hätte also insgesamt noch etwas besser laufen können für die BTC-Rubies. Einen Vorwurf macht Finnberg seinen Spielern aber nicht, "alle haben alles gegeben". Einen ganz starken Eindruck hinterließ dabei der 33-jährige Niederländer Nick van der Meer, neben dem Spanier Lobato einer von nur zwei echten Neuzugängen im Kader. Ex-Profi van der Meer gewann an den hinteren Positionen sieben seiner acht Einzel und holte zudem fünf Punkte im Doppel. "Das war sehr gut", sagt Axel Finnberg und kündigt bereits an, dass die Mannschaft "im Kern so zusammenbleiben wird". Der Coach plant lediglich zwei, drei Änderungen, die Spieler betreffen, die wenig oder gar nicht zum Einsatz gekommen sind.

Spieler wie der nicht eingesetzte Jose Francisco Vidal Azorin (Spanien) oder der Brasilianer Wilson Leite, die dann allerdings auch ersetzt werden müssen. Stefan Schneider, der Wächter des Budgets im Förderverein, hat da bereits klare Vorstellungen. Der Kader müsse in allen Bereichen breiter aufgestellt werden. Und der BTC benötige vorne drei, besser noch vier nominell starke Spieler, sagt der 56-Jährige. "Es gibt an verschiedenen Stellen noch Verbesserungspotenzial, aber es wird nicht einfach, die richtigen Leute zu finden", sagt Schneider und ergänzt: "Unsere Mittel sind ja auch begrenzt."

Gereicht haben die Mittel indes, um diese Saison erfolgreich zu gestalten. "Wir werden dieses Jahr auf jeden Fall mit einer schwarzen Null abschließen, vielleicht sogar mit etwas Überschuss", erklärt Stefan Schneider. Und sollte vom Etat für 2018, den der erst vor vier Jahren ins Leben gerufene Förderverein inzwischen dank intensiver Akquise verdoppelt hat, tatsächlich etwas übrig bleiben, werde man davon neue Schiedsrichterstühle anschaffen, kündigt Schneider an.

Leistungstennis beim BTC möglich zu machen, den Nachwuchs zu fördern, sich – wie in der abgelaufenen Saison mit freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche aus Wohngruppen der Einrichtung Alten Eichen geschehen – sozial zu engagieren und in der Summe auch den Hauptverein zu entlasten, "das ist unser Weg", sagt Stefan Schneider. Der Aufwand lohne sich, und das Feedback sei positiv. "Trotzdem", sagt der selbstständige Unternehmens- und Personalberater, "trotzdem ist es schade, dass die Saison immer so schnell wieder vorbei ist."

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