Gesundheit

Die Bewegungs-Botschafterin

Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, der sollte sich mal mit Anja Turleyski unterhalten
30.03.2019, 20:09
Lesedauer: 4 Min
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Die Bewegungs-Botschafterin
Von Olaf Dorow
Die Bewegungs-Botschafterin

Stabil, beweglich, fit: Anja Turleyski (rechts) bei – sozusagen – der Arbeit am lebenden Objekt.

Christina Kuhaupt

Bremen. Am Anfang vielleicht ein kleiner Alltags-Tipp: Mann/Frau sitzt den lieben langen Tag im Büro. Ab und an geht der Im-Büro-Sitzer ja wohl mal raus aus dem Büro. Zum Beispiel zur Toilette. Durch eine Tür geht er dann automatisch, und da kann er vorm Durch-die-Tür-Gehen doch einfach mal die Arme strecken. Richtig schön hochstrecken und die obere Türzarge berühren. Tut gut. Tut dem Körper gut, tut irgendwie dem ganzen Ich gut.

Wer sich mit Anja Turleyski über solche Sachen unterhält, der weiß dann hinterher: Das könnte er jetzt den ganzen Tag machen, es würden immer wieder neue Alltags-Tipps dazukommen. Was Körper und Geist gut tut, das ist ein ergiebiges Thema. Es ist, das darf man wohl ohne Übertreibung behaupten, Anja Turleyskis großes Thema. Sie verdient, na klar, ihr Geld damit, aber es ist auch ihre Passion.

Sie ist Gesundheitswissenschaftlerin aus Leidenschaft, das muss man schon nach ein paar Minuten Gespräch mit ihr denken. Sie hat Trainer-Lizenzen gemacht, Public Health und dazu noch Wirtschaftswissenschaften studiert. Sie ist Personal Trainerin und Kopf der Firma „Sportcoaching“. Sie gibt Seminare und hält Vorträge. Sie wird für Bewegungspausen an der Uni oder der Kassenärztlichen Vereinigung geholt. Sie bietet eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik im Team einer Kardiologie-Praxis an, sie war Athletik-Trainerin in Werders Nachwuchsleistungszentrum. Sie ist immer noch in Werders Windel-­Liga und dem grün-weißen Seniorensport engagiert. Sie macht so viel.

„Ich bringe“, sagt sie, „Leute in Bewegung.“ Das wäre dann womöglich die griffigste Formel für das, was sie alles so macht. Und die griffigste Botschaft, die sie hätte, die sie für quasi alle hätte, die wäre so etwas wie: „Turne bis zur Urne“. So verstaubt, wie der Spruch daherkommt, so aktuell ist er. Immer weniger Bewegung, immer mehr Verkrümmungen und Versteifungen vorm PC – das müssen immer mehr über ihren Alltag sagen. Und dass immer weniger Kinder eine einfache Rolle rückwärts beherrschen, ist auch kein ausgedachter Befund. Dass man Leute wie Anja Turleyski braucht, ist streng genommen ja auch ein bedenklicher Befund. Aber es ist gut und wichtig, im Grunde sogar volkswirtschaftlich wichtig, dass es Anja Turleyskis gibt. Fit sein, das ist gut für Körper und Seele des Individuums. Und gut für ganze Systeme. Nicht umsonst buchen Betriebe sie.

Dabei geht es nicht darum, auch so beweglich zu werden wie Anja Turleyski selbst. Das schafft man womöglich nicht mal, wenn man viele von den nicht eben billigen Personal-­Trainer-Stunden bei ihr bucht. Sie wäre dann womöglich immer noch die, die Handstand oder Standwaage sauberer vorführen könnte. Es geht zunächst darum, überhaupt etwas zu machen. Auszubrechen aus dem Trott der Gewohnheiten. Zu begreifen, dass der Sieg über den inneren Schweinhund nur der Weg, nicht das Ziel ist. Das Ziel ist es, ein Bedürfnis zu stillen. „Sei so fit wie dein Kollege. Nimm’ die Treppe, sei nicht träge“, zitiert die Bewegungs-­Botschafterin. Das hört sich mehr nach Kinder-Reim an und weniger nach Gesundheitswissenschaften. Aber Anja Turleyski ist keine Quacksalberin, sie weiß sehr viel über den menschlichen Körper. Sie kennt eben auch solche Sprüche. Sie sind oft leicht gesagt und schwer getan. Und oft so wahr.

Turleyskis Faible für Jedermanns Gesundheit speist sich dabei aus etwas, das nix für Jedermanns Gesundheit ist: aus dem Leistungssport. Sie hat Leichtathletik betrieben damals in Ribnitz-Damgarten, wo die gebürtige Rostockerin aufwuchs. Um es neudeutsch zu sagen: Die Scouts des SC Empor hatten sie auf dem Radar. Als sie elf war, verhinderte eine schwere Gefäßverengung einen klassischen DDR-Sport-Weg. Statt Sportklub, Sportschule und Sportinternat ein langer Klinik-Aufenthalt. Sie war vorübergehend linksseitig gelähmt, erzählt sie. Sie wechselte zum Handball und später, dann schon in Bremen, zum Fußball. Die Nebenwirkungen: Meniskus-OP und Knorpelschaden im Knie. Reha und Physiotherapie brachten sie auf den Weg in die Fitnessstudios – und die Zahnarzthelferin beziehungsweise dann Zahntechnikerin auf den Weg zu Trainerscheinen und auf dem zweiten Bildungsweg zum Public-Health-Studium. Sie fing an, Training in Fitnessstudios zu geben, bis irgendwann eine Kundin gesagt haben soll: „Ich will dich für mich alleine!“ Der Start der beruflichen Laufbahn als Personal Trainer.

Werder bucht auch schon seit Langem bei ihr. 2007 hatte sie ein Praktikum bei Bremens populärstem Sportverein absolviert. Sie habe die Fußballwelt erkunden wollen, sagt sie. Ein Gedanke, der sich beim regelmäßigen Joggen mit Blick aufs Weserstadion festgesetzt habe. Und spätestens mit Teamchef Jürgen Klinsmann war ja ein paar Jahre zuvor auch etwas in die Fußballwelt gekommen, was immer mehr ihr großes Thema wurde: der ganzheitliche Ansatz. Fitness, Athletik, Beweglichkeit, Stabilität. Wie Klinsmanns Nationalspieler beim Training mit Gummibändern um die Beine wie Enten umherwatschelten, das wurde schon bald mehr bestaunt als belächelt.

Turleyski wurde bei Werder nach ihrem Praktikum als Honorarkraft angestellt. Als Athletiktrainerin der U 23. Sie ist keine Leistungssportlerin geworden, aber vielleicht könnte man es so sagen: Das Leistungssport-Gen, das hat sie. Das hat sie irgendwie getragen auf dem Weg durchs Leben. „Durch den Sport bin ich zur Kämpferin geworden“, sagt sie. Das merke sie auch jetzt als junge Mutter. Ihr Sohn ist anderthalb – und sie schon bald 44. Es ist nicht so leicht, als 44-jährige junge Mutter so fit zu bleiben wie vor der Schwangerschaft. Dass sie eine ist, die da nicht besonders aktiv ist, das kann man nicht behaupten. Von ihr bestimmt nicht.

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