Carlotta Duckwitz empfiehlt sich beim internationalen Sichtungstraining für ein Sport-Stipendium in den USA Die Chance ihres Lebens

Kürzlich hat beim Bremer Hockey-Club das erste sogenannte College-Showcase stattgefunden. Deutsche und österreichische Hockey-Nachwuchsspielerinnen konnten sich beim internationalen Sichtungstraining vor den Augen US-amerikanischer Coaches für ein Sport-Stipendium in den Vereinigten Staaten empfehlen. Mit dabei waren auch vier Bremer Talente. Eine von ihnen: Carlotta Duckwitz.
06.04.2014, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Die Chance ihres Lebens
Von Felix Frank

Kürzlich hat beim Bremer Hockey-Club das erste sogenannte College-Showcase stattgefunden. Deutsche und österreichische Hockey-Nachwuchsspielerinnen konnten sich beim internationalen Sichtungstraining vor den Augen US-amerikanischer Coaches für ein Sport-Stipendium in den Vereinigten Staaten empfehlen. Mit dabei waren auch vier Bremer Talente. Eine von ihnen: Carlotta Duckwitz.

Carlotta Duckwitz war noch nie in den USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennt sie nur aus Erfahrungsberichten. Zum Beispiel aus dem Internet. Oder aus amerikanischen Filmen, in denen der Alltag eines Studenten so unbeschwert erscheint. Spricht die talentierte Hockeyspielerinnen des Bremer HC über das College-Leben, schwingt Begeisterung in ihrer Stimme mit. „Das fesselt einen, da habe ich total Lust drauf“, sagt die Abiturientin des Kippenberg-Gymnasiums in Schwachhausen.

Tatsächlich könnte die 17-Jährige schon bald selbst Teil dieser Kultur sein – und ihren ganz eigenen „American Dream“ leben. Beim sogenannten College-Showcase für Nachwuchsspielerinnen, die vier Jahre in den USA studieren und Hockey spielen wollen, hat Duckwitz einen ersten Schritt dahin getan. Genau wie 15 weitere Nachwuchsspielerinnen aus Deutschland und Österreich nahm sie an dem internationalen Sichtungstraining teil. 13 US-amerikanische Coaches von zehn Universitäten waren angereist und beobachteten die weiblichen Hockeytalente der Jahrgänge 1995 bis 1998.

Auf der Anlage des Bremer Hockey-Clubs hatten die Youngster also die Möglichkeit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und sich so für ein Sport-Stipendium in den USA zu empfehlen. Dass College-Sport in den Vereinigten Staaten einen riesigen Stellenwert genießt, weiß wohl kaum jemand besser als Michele Lapenna. „Das ist ein Millionengeschäft. Hockey ist an den Colleges ein reiner Frauensport“, sagt der Sports-Coordinator der Jacobs University Bremen. Vor rund zwei Jahren war er zusammen mit Martin Schultze, Sportlicher Leiter des BHC, nach Übersee geflogen, um sich und das Projekt bei diversen Universitäten vorzustellen.

Unter anderem bei der im Hockey führenden University of North Carolina at Chapel Hill – jene Ausbildungsstätte, für die einst Basketball-Legende Michael Jordan und Fußball-Ikone Mia Hamm das Trikot überstreiften. Während solche Sichtungsevents für US-Stipendien in anderen Sportarten bereits etabliert sind, gilt dies für den Hockeysport nicht. Anfangs wären sie mit ihrem Vorhaben, das erste Hockey-Showcase auf deutschem Boden durchzuführen, deshalb noch auf Skepsis gestoßen, erinnert sich Schultze. Bei der Premiere war davon jedoch nichts mehr zu sehen. Das zweitägige Sichtungstraining, das neben der Jacobs University und dem BHC von der renommierten Vermittlungsagentur Sport-Scholarships.com veranstaltet wurde, war für alle Beteiligten ein voller Erfolg.

Auch für die vier Bremer Teilnehmerinnen. Zwar gibt Carlotta Duckwitz zu, dass sie ein bisschen nervös gewesen ist („Ich wusste nicht, was mich erwartet“). Am Ende konnte sie sich aber genauso in die Notizbücher der US-Coaches spielen wie ihre Vereinskameradin Charlotte Kaste und die beiden ehemaligen Spielerinnen vom Club zur Vahr Svea Böker und Juliane Grashoff. „Es hat Spaß gemacht und war total toll organisiert. Die Stimmung war richtig gut“, sagt Duckwitz.

Nach der zweieinhalbstündigen Übungseinheit und den zwei Spielen gegen die Oberligadamen des Bremer HC, bei denen das Auswahlteam von Martin Schultze gecoacht wurde, erhielt Duckwitz dann die positive Nachricht: Fünf der der zehn amerikanischen Universitäten hätten auf der Liste ein Kreuz hinter ihrem Namen gemacht. So durfte sie die interessierten Coaches in einem persönlichen Gespräch kennenlernen. „Es hat sich gelohnt“, so die Schülerin.

„Wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass der erste direkte Kontakt stattfindet“, sagt Michele Lapenna. Allerdings nur für jene Spielerinnen, die in diesem Jahr ihren gymnasialen Schulabschluss erwerben. Die anderen Perspektivspielerinnen wie Böker, Grashoff und Kaste erhielten lediglich eine Visitenkarte der Unis – den Coaches war es aufgrund der strengen Regeln des College-Verbandes NCAA untersagt, sich mit ihnen zu unterhalten.

Sorgen, bei der Vergabe der Stipendien leer auszugehen, muss sich das Trio aber nicht machen. „Die US-Trainer waren sehr begeistert. Jede Spielerin hat mindestens ein Stipendienangebot bekommen. Sie haben völlig freie Auswahl“, sagt Philipp Liedgens, Geschäftsführer von Sport-Scholarships.com. Seine Firma vermittelt Sport-Stipendien an US-Universitäten und betreut die Athleten auf ihrem Weg in die Staaten. In Deutschland sind die Münsteraner Marktführer. Mit dem ersten Hockey-Showcase sei Liedgens „sehr zufrieden“ gewesen.

Genau wie Martin Schultze. „Das war eine Top-Veranstaltung. Die Resonanz von den Coaches war extrem gut. Sie waren begeistert von der Anlage“, berichtet der Sportliche Leiter des BHC. Er hoffe, dass das Showcase in Zukunft ein fester Bestandteil des Terminkalenders wird und sich die Partnerschaft mit den US-Universitäten auch für seinen Verein auszahlt. „Wir als BHC versprechen uns davon, Spielerinnen aus den USA zu bekommen. Das wird Früchte tragen.“ Neben dem Studium an der Jacobs University würde Schultze die amerikanischen Youngster perspektivisch gerne als Verstärkung für die ersten Damen gewinnen. Für Michele Lapenna gibt es vier Gewinner bei dieser Kooperation: „Der BHC bekommt gute Spielerinnen, die Jacobs University gute Studentinnen, die Agentur verdient an der Vermittlung und die deutschen Spielerinnen bekommen ein Stipendium.“

Und wie geht es für Carlotta Duckwitz nach dem ersten Austausch jetzt weiter? Ein konkretes Angebot gibt es noch nicht. Der Grund: Mit dem Hockeyschläger konnte die athletische Nachwuchsspielerinnen zwar schon mal punkten, außerhalb des Platzes kommen hingegen noch weitere Anforderungen hinzu. So muss die Stipendienanwärterin neben der Hochschulreife zwei Zertifikate von Sprach- und Wissenstests vorlegen – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommt. „Die US-Universitäten legen viel Wert auf die Ausbildung. Wenn die Noten schlecht sind, darfst du nicht spielen“, sagt Lapenna.

Ganz so unbeschwert ist das College-Leben in den USA dann also doch nicht – und preiswert schon mal gar nicht. Wer schließlich ein Zuschlag für ein volles Sport-Stipendium erhält, kann sich glücklich schätzen. Denn: Der Wert dieses vierjährigen, finanzierten Studiums liegt bei rund 120.000 Euro. Die Chancen darauf stehen für Carlotta Duckwitz gut, vermutlich sogar sehr gut. „Ein Stipendium bekommt sie sicher. Mal sehen, ob es dann ihre Wunsch-Universität ist“, sagt Martin Schultze.

Berkeley sei eine „ziemlich renommierte Uni und akademisch super“, verrät Duckwitz einen ihrer Favoriten. Zunächst wolle sie sich jedoch ein genaueres Bild von den Colleges machen. „Ich bin ganz entspannt und total offen, ich will mir keinen Stress machen.“ Ihr persönlicher Fahrplan sieht ohnehin vor, erst Januar 2015 den Schritt in die Staaten zu wagen. Bis dahin bleibe Carlotta Duckwitz per Skype und E-Mail mit den US-Coaches in Kontakt.

Carlotta Duckwitz hat beim Sichtungstraining Eindruck hinterlassen und darf nun von einem Sport-Stipendium träumen. FOTO: KASTE

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