Tennis-Zweitligist Bremer TC 1912

Die Familie von der Biermannstraße

Man kennt sich an der Biermannstraße, der Heimstätte des Bremer TC 1912. Die Punktspielatmosphäre beim Tennis-Zweitligisten kommt an – bei Spielern und Zuschauern.
20.07.2018, 20:54
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Marlo Mintel und Paul Vogt
Die Familie von der Biermannstraße

Fühlt sich auf dem Sandplatz wohl: Juan Ignacio Galarza.

Christina Kuhaupt

Franz Lampe steigt vom Fahrrad. „Ist schon Einlass?“, fragt er an der Kasse. Der 54-Jährige ist an seinem freien Tag auf die Anlage des Bremer TC 1912 in die Biermannstraße gekommen. In 40 Minuten steigt dort die Zweitligapartie der BTC-Rubies gegen den Suchsdorfer SV aus Kiel. „Das ist schon Spitzensport. Vielleicht lerne ich ja noch dazu“, sagt er und lacht.

Seit 20 Jahren spielt Lampe Tennis. Das Vereinsmitglied schiebt sein Fahrrad über den Parkplatz, vorbei an drei schicken Limousinen, mit denen ein Sponsor wirbt. Er grüßt das Personal am Grillstand vom Weiten. Man kennt sich. Dass die BTC-Rubies aus der Regionalliga aufgestiegen sind, freut ihn. „2. Bundesliga in Bremen ist schon allerhand. Das ist Prestige.“

Noch knapp 20 Minuten bis zu den ersten Partien des Tages. Sechs Einzel und drei Doppel sind zu absolvieren. Gespielt wird auf drei Plätzen, die von der Zuschauerterrasse aus alle einsehbar sind. Es gibt vor dem zweistöckigen Vereinsheim mit der weißen Fassade noch freie Plätze. Die rot-weiß gestreifte Markise überdeckt einen Großteil der Terrasse, Sonnenschirme bieten weiteren Schutz.

Internationaler Kader

In der Umkleidekabine des Vereinsheims schwört BTC-Trainer Axel Finnberg seine Spieler auf die Begegnungen ein. Er spricht auf Englisch. Der Kader ist international besetzt, unter anderem mit Spaniern und Niederländern. Der Trainer klatscht jeden Spieler ab – darunter Yannick Ebbinghaus. Der 28-jährige Niederländer fällt wegen seiner Körpergröße von zwei Metern auf. „Ich bin eigentlich viel zu groß für Tennis“, sagt der Doppelspezialist scherzhaft. Seit vier Jahren spielt er für den BTC. Teamkamerad und Landsmann Lennert van der Linden hat ihm damals den Klub empfohlen. Eine gute Wahl. „Es ist wie eine große Familie.“

Die Spieler verlassen die Kabine. Auf der Terrasse steht die Vorstellung beider Teams an. Stefan Schneider hat schon das Mikrofon in der Hand. Rotes Tennishemd, olivgrüne kurze Hose, weiße Tennissocken, Turnschuhe: Gekleidet ist er wie ein Spieler. Zum Schläger greift der 56-Jährige an diesem Tag aber nicht. Er ist der Vorsitzende des vor vier Jahren gegründeten Fördervereins, der das Leistungstennis im BTC losgelöst vom Stammverein möglich macht und über Sponsorengelder und Spenden absichert.

Schneider begrüßt die Gäste aus Kiel. „Wir wünschen euch einen spannenden Tag. Uns die Punkte.“ Das kommt gut an, die rund 50 Zuschauer schmunzeln. Er liest der Reihe nach die Spielernamen vor. Nicht nur die BTC-Sportler bekommen Beifall – auch die Gäste. Die Reaktion der Zuschauer verwundert Schneider nicht. „Wir haben ein fachkundiges Publikum, das auch bei guten Punkten des Gegners applaudiert.“ Vor ein paar Jahren gab es in der 2. Bundesliga unter den Spielern eine Umfrage, auf welcher Anlage sie sich am wohlsten gefühlt haben. „Da waren wir vorne“, sagt Schneider.

Drei-Tage-Woche für den BTC

Kurz nach 13 Uhr. Die ersten Partien des Tages beginnen, die Tennis-Etikette wird beim BTC gewahrt. Während der Ballwechsel bleiben die Zuschauer zurückhaltend. Neben den Geräuschen der Aktiven und ihrer Schläger, ist sonst nur kurzweiliges Klatschen bei Punktgewinnen zu hören. Auf Platz eins, direkt neben der Zuschauerterrasse, spielt Juan Ignacio Galarza, die Nummer zwei der BTC-Rubies. Der Argentinier spielt stark und gewinnt den ersten Satz klar mit 6:1 – ganz zur Freude von Stefan Halle. Sonnenbrille im Haar, dunkles Polohemd: Der 53-Jährige sitzt auf der Terrasse unter einem Sonnenschirm, in der ersten Reihe. „Näher geht es nicht“ sagt er. Heim- und Auswärtsspiele verpasst der angestellte Diplomingenieur nur selten. Am vergangenen Wochenende fuhr er in die Hauptstadt, um seine Mannschaft beim LTTC Rot-Weiß Berlin zu sehen. Spielen die BTC-Rubies am Freitag und Sonntag hat Halle eine Drei-Tage-Woche. Das habe er mit seinem Arbeitgeber vereinbart, sagt er. Der Kader der BTC-Rubies begeistert ihn. „Auf der Tour sind die Spieler Einzelkämpfer. Hier bilden alle zusammen eine Mannschaft. Das ist keineswegs eine Söldnertruppe. Die Jungs sind einfach spitze“, sagt Halle, der seit Mitte der 90er-Jahre dem Klub angehört.

Seit zweieinhalb Jahren sind Elke und Peter Kötzing dabei. Sie leiten das Vereinslokal „12er“. An der Wand hängt ein großes Bild vom BTC, das in den 30er-Jahren aufgenommen wurde. In einem Nebenraum steht ein Buffet für die Spieler und Schiedsrichter. Elke Kötzing steht an der Theke, schenkt Bier aus, scherzt mit den Gästen. Die gebürtige Fränkin möchte den BTC nicht mehr missen. Das Vereinsleben im Tennis ist ihr nicht neu. Zuvor arbeite sie mit ihrem Mann für Klubs in Nordrhein-Westfalen. Kein Vergleich mit dem BTC. „Das ist ein gewaltiger Quantensprung. Hier ist es familiär. Gemeinsames Feiern nach dem Tennis war bei den anderen Klubs ein Fremdwort.“

Ungefährdeter Heimsieg für die BTC-Rubies

Zweites Spiel, zweiter Sieg: Die BTC-Rubies vom Bremer TC 1912 haben einen Start nach Maß in die Saison hingelegt. Nach dem Auftaktsieg in Berlin am vergangenen Wochenende gewann der Tennis-Zweitligist am Freitag auch sein Heimspiel gegen den Suchsdorfer SV aus Kiel mit 8:1. „Ich bin total zufrieden mit dem Saisonstart. Alles ist gut gelaufen“, sagt BTC-Trainer Axel Finnberg. Die Gastgeber spielten in Bestbesetzung. Über das deutliche Ergebnis ist der 47-jährige Coach erfreut. „Vielleicht werden die Matchpunkte am Ende der Saison wichtig für den Klassenerhalt.“ Alle drei Doppel entschied der Regionalliga-Aufsteiger für sich. Lediglich Mario Vilella Martinez, Nummer eins der BTC-Rubies, verlor sein Match knapp nach drei Sätzen (6:7, 7:6, 4:10) im Match-Tiebreak gegen Kiels Topspieler Harri Heliovaara aus Finnland.

Am kommenden Sonntag geht es für die BTC-Rubies weiter. Sie gastieren bei Aufstiegsfavorit TK Blau Weiss Aachen. Auf Eduard Esteve Lobato, derzeitige Nummer 394 der ATP-Weltrangliste, muss Finnberg verzichten. Der Spanier fällt aus, spielt ein Turnier. „In Aachen ist es auch nicht so schlimm, weil wir uns dort wenig Chancen ausrechnen. Wir werden die Partie aber keineswegs abschenken“, sagt der BTC-Trainer.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+