Bremen-Liga Die Favoriten heißen Werder III und Bremer SV

Bremen. Da waren es nur noch sechs. Nach dem Abstieg von OT Bremen steht nur noch ein halbes Dutzend Teams aus dem Kreis Bremen-Stadt in der Bremen-Liga. Immerhin zählen aber zwei dieser Teams zum Kreis der Favoriten: Neben Titelverteidiger Werder III auch der Bremer SV.
05.08.2010, 08:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Da waren es nur noch sechs. Nach dem Abstieg von OT Bremen steht nur noch ein halbes Dutzend Teams aus dem Kreis Bremen-Stadt in der Bremen-Liga. Immerhin zählen aber zwei dieser Teams zum Kreis der Favoriten: Neben Titelverteidiger Werder III auch der Bremer SV - selbst wenn deren Trainer Klaus Gelsdorf auch davon noch nichts wissen will.

'Ich kann es nicht mehr hören.' Die Antwort von Klaus Gelsdorf kommt prompt und bestimmt. Der neue BSV-Trainer möchte sich nicht mehr beschäftigen mit der Frage nach möglichen Lagern in seinem Kader. Dabei liegt es doch auf der Hand: Sieben Spieler gingen, und im Gegenzug brachte Gelsdorf neben einigen anderen Zugängen sieben Spieler vom Brinkumer SV mit. Wie ist es also, diese zwei Teile zu einem Team zusammen zu fügen?

'Das ist der falsche Ansatz, wir haben uns positionsbezogen verstärkt', sagt Gelsdorf. Die Kicker aus Brinkum seien ein Teil der Neuzugänge, der sich 'in eine eingespielte Mannschaft einfügen muss.' Außerdem: Mit Ontje Abendroth und Tobias Klemptner kehrten zwei Ex-Spieler zurück zum Panzenberg. Zudem ließe sich die Eingliederung bei Zugängen wie Christian Schwarz (Schwachhausen) und Marc-Patrick Tietjen (Osterholz-Scharmbeck) ziemlich gut an.

Die Mannschaft sei angesichts der ansehnlichen Fluktuation noch längst nicht zu einer Einheit geworden. 'Bei einem solchen Umbruch kann man noch nicht eingespielt sein', betont Klaus Gelsdorf. Der Trainer wirbt deshalb um Geduld. Zielsetzung sei nicht die Meisterschaft, sondern der Aufbau einer 'schlagkräftigen Truppe'. Für den Titel ist in diesem Jahr seiner Ansicht nach der amtierende Meister zuständig: 'Werder hat sich noch verstärkt und ist klarer Favorit.'

Stürmer Otto im Visier

Auf der eigenen Anlage am Deich fühlen sie sich wohl, die Kicker des Habenhauser FV. In der vergangenen Saison war der HFV die drittbeste Heimmannschaft der Liga. Nicht schlecht für ein Team, das am Ende Tabellenneunter wurde. 'Vielleicht ist das eine Motivationssache', vermutet Trainer Bernd Otto. Er möchte in der kommenden Saison zwischen Platz fünf und sieben einlaufen - indem seine Elf auswärts ein paar Punkte mehr gewinnt. Auf ihren Goalgetter muss sie dabei verzichten: Max Kluge (20 Tore) zog es in die USA.

Also müssen sie sich den nächsten Torjäger heranziehen beim HFV. Bernd Otto hat schon einen im Auge. Denn wie einst Kluge kam nun auch Sebastian Rother aus der eigenen Jugend. 'Er kann von Anfang an Stammspieler werden', sagt Otto über den Stürmer. Der Trainer ist ziemlich zufrieden damit, dass sich die Jugendteams der Habenhauser in den vergangenen Jahren etabliert haben in Bremens höchsten Spielklassen. Darauf kommt es gerade für einen der weniger finanzstarken Vereine an. Da jetzt 'der Leistungsgedanke' greift, wie es Otto beschreibt, dürften in den kommenden Jahren immer wieder hoffnungsvolle Talente nachwachsen. Damit die Mischung stimmt, wurden allerdings auch ein paar gestandene Spieler verpflichtet. Otto: 'Mit Darius Liwiak und Özgur Kara haben wir gute Leute dazu bekommen.'

Memic springt ein

Beworben hatte er sich nicht für diesen Job. Aber es lag nahe, dass Remzo Memic den Posten des Trainers des FC Oberneuland II übernehmen würde. Schließlich arbeitet er bereits als Cotrainer von Mike Barten in der ersten Mannschaft. Als Waldemar Krajczyk vor einiger Zeit in die polnische Heimat zurück kehrte, sprang also Memic ein. Es passt ja auch ins Konzept. 'Die Verbindung zwischen erster und zweiter Mannschaft war bisher nicht so ausgeprägt', sagt Memic. Nun soll der kurze Draht zwischen Barten und ihm dafür sorgen, dass der Austausch an Kickern größer wird. Nach Tabellenplätzen schielt der neue Mann deshalb auch nicht. Memic: 'Es sollte aber nicht so knapp werden wie im letzten Jahr.' Der Abstieg muss vermieden werden, das war dann auch mit den Saisonzielen. Es geht in erster Linie darum, einen Unterbau für das Regionalligateam zu schaffen. Noch weiß Remzo Memic allerdings gar nicht, wer so alles antreten wird. Schließlich sollen auch in Zukunft

die Reservisten aus der Ersten ihre Praxis in der zweiten Mannschaft bekommen.

Bescheidene Ziele

'Wir sind noch nicht da, wo wir gern wären', sagt Thomas Laeasch, Trainer des TuS Schwachhausen. Was nicht unbedingt einen Traumstart erwarten lässt. Aber in Schwachhausen kennen sie das. In der vergangenen Saison fand sich das Team nach einer wechselhaften Hinrunde im Tabellenkeller wieder. Erst nach der Winterpause vermochte sich die Elf zu stabilisieren und avancierte schließlich zur fünftbesten Rückrundenmannschaft. 'Ich hoffe auf eine ähnliche Saison und darauf, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben', gibt sich Laesch bescheiden. Die Vorbereitung sah vor allem Kompensationsübungen vor.

Mit Christian Schwarz, Michael Mittmann (beide Bremer SV) sowie Robert und Lennart Kuhfuss (Pause) verlor der TuS nämlich vier Leistungsträger. Bis auf Christian Schwarz - den Laesch zu den fünf besten Spielern in der Liga zählt - gelang es, die Abgänge zu ersetzen. Die Arbeit an einem neuen System verlief dagegen eher schleppend: Laesch wollte die Viererkette einführen, stellte dieses Modell nach einigen gescheiterten Versuchen jedoch erst einmal hinten an. Im Verlauf der ersten Partien, wenn die Mannschaft sich gefunden und Sicherheit erworben hat, will er das Experiment wiederholen. Dann wird sich auch zeigen, ob die durchwachsenen Vorzeichen tatsächlich in eine mäßige Spielzeit münden - in diesem Fall hätte der TuS Schwachhausen aber ja noch die Rückrunde.

Spannende Doppelfunktion

Beim VfL 07 hätten sie vermutlich auch nicht damit gerechnet, dass sie noch einmal für richtige Schlagzeilen sorgen werden. Aufgrund der ausgesprochen ungewöhnlichen Konstellation auf der Findorffer Trainerbank ist genau dies aber zu erwarten: Dem neuen Coach Frank Dahlenberg greift nämlich Thomas Hennings unter die Arme. Der ist allerdings nicht nur Cotrainer, sondern - seit Ende Juli - auch 1. Vorsitzender des VfL 07. Man darf gespannt sein auf diese Zusammenarbeit.

Geht es nach Dahlenberg, wird diese Ämterhäufung nicht zu Problemen führen. Warum auch? Beim VfL 07 wird seit Jahren in Ruhe gearbeitet. Der Trainerwechsel soll daran ebenso wenig ändern wie der Abgang der Torjäger Nils Husmann und Nils Dähne. 'Wir müssen diese Aufgabe nun auf mehrere Schultern verteilen', sagt Dahlenberg. Nachdem er die Mannschaft seit einigen Monaten besser kennen gelernt hat, hält er die 'große Kameradschaft' für die eigentliche Stärke des VfL. Weil der Kader durch ein dichtes Beziehungsgeflecht verbunden sei, konnte der neue Trainer nämlich eine 'hohe Eigenmotivation' ausmachen. Das ist ein gutes Zeichen. Deshalb findet Frank Dahlenberg auch, dass ein Platz zwischen Rang sechs und acht 'drin sein müsste'.

Junge Titelverteidiger

Auch der Meister kam nicht ohne Abgänge aus. Sechs Spieler verließen Werder III, darunter mit Dejan Horvat (VfB Oldenburg) und Torwart Florian Urbainski (VSK Osterholz-Scharmbeck) absolute Leistungsträger. 'Das sind schon Verluste', meint Trainer Andreas Ernst. Immerhin entschieden sich im Vergleich zu den Vorjahren diesmal relativ viele Spieler aus der eigenen Jugend für die Bremen-Liga. Diese fünf Kicker sind zweifellos gut ausgebildet. Aber sie sind eben auch jung. Mit einem Altersdurchschnitt von nur 21,4 Jahren geht der Titelträger in die Saison.

Die Vorbereitung verlief analog zum Team von Werder II nicht unbedingt in idealer Weise. Bis zu sechs Spieler musste Ernst abgegeben an den Drittligisten, der wiederum einen Teil seiner Kicker zur Vorbereitung der Profis geschickt hatte. 'Trotzdem haben wir uns schon ganz gut gefunden in den Testspielen', sagt Andreas Ernst. Er 'muss und kann' damit leben, dass es für seine Mannschaft auch in der kommenden Saison um die Meisterschaft gehen wird. Gelingt der Titelgewinn erneut, hofft der Trainer auf eine 'andere Situation'. Vielleicht, so sein Kalkül, könnte Werder das Aufstiegsrecht nach der Absage im vergangenen Mai ja im kommenden Jahr wahrnehmen.

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