swb-Marathon in Bremen Die größte Unbekannte ist der "Faktor Mensch"

Bremen. Die selbstgestellte Aufgabe ist eigentlich unlösbar. 'Wir wollen optisch nicht stören', sagt Marcus Patz. Der Technische Leiter des swb-Marathons möchte am nächsten Sonntag rund 5000 Teilnehmer und die kompletter Großveranstaltung so unauffällig wie möglich präsentieren.
12.09.2010, 13:00
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Die größte Unbekannte ist der
Von Jörg Niemeyer

Bremen. Die selbstgestellte Aufgabe lässt den guten Willen erkennen, ist eigentlich aber unlösbar. 'Wir wollen optisch nicht stören', sagt Marcus Patz. Der 41-jährige Technische Leiter des Bremen-Marathons möchte also am nächsten Sonntag annähernd 5000 Teilnehmer und den ganzen Apparat, der zu so einer Großveranstaltung gehört, so unauffällig wie eben möglich präsentieren. Erstmals übrigens in Bremens 'guter Stube': Start und Ziel des Marathons ist der Marktplatz.

In einer Serie stellt diese Zeitung bis zum kommenden Sonntag Menschen vor, die hinter den Kulissen des Marathons wirken. Nach der 'Chef-Helferin' Britta Kolpazik geht es diesmal um Marcus Patz, der auch ohne sportliche Betätigung einen wahren Marathon absolviert, bevor die Läufer die 10-Kilometer-, die 21,1-Kilometer- oder die 42,195-Kilometer-Distanz in Angriff nehmen können. Für die Organisatoren findet der Bremen-Marathon praktisch ganzjährig statt. 'Wenn die eine Veranstaltung beendet ist, beginnen schon die Planungen für die nächste', sagt der Schleswig-Holsteiner. Seit 13 Jahren ist er im Geschäft, unter anderem auch für das Radsport-Weltcuprennen in Hamburg, die Cyclassics.

In Bremen obliegt Marcus Patz - vereinfacht gesagt - die Pflicht, alles das herbeizuschaffen, was nötig ist, um aus einem normalen Stadtbild einen Marathon-Kurs zu machen. Das fängt bei Genehmigungen an, setzt sich fort über das Erstellen von Ablaufplänen und Hunderten von Zeichnungen und endet bei weitem noch nicht mit dem Aufstellen von Absperrgittern.

'Allein auf dem Marktplatz und dem Domshof stellen wir etwa 1,5 Kilometer Gitter und Zäune auf', sagt Patz. Und weil nach dem Umzug von der Bürgerweide, wo der Marathon in den letzten fünf Jahren Start und Ziel hatte, die Aktiven nun mitten durchs Stadtzentrum laufen, muss an Besonderheiten gedacht werden. So zum Beispiel an die Straßenbahn und deren Oberleitung. 'Theoretisch kann der Draht ja reißen und auf die Gitter fallen', sagt der Technische Leiter. Damit in diesem Fall nicht die gesamte Abgrenzung unter Strom steht, müssen die einzelnen Elemente voneinander isoliert werden. Technisch kein Problem - aber man muss eben dran denken.

Wie wichtig derartige Gedanken und Planspiele sind, verdeutlichte Ende Juli das Unglück bei der Love-Parade in Duisburg. Marcus Patz hat keine Angst, dass im Rahmen seiner Arbeit bei der Schaffung der Infrastruktur etwas schiefgeht. 'Im Prinzip', so der 41-Jährige, 'sind Planungen ja immer auf den schlechtesten Fall ausgerichtet.' Schwierig aber werde es immer dann, wenn der 'Faktor Mensch' ins Spiel kommt. Patz erinnert sich noch gut an die Situation, als ein Radfahrer auf der Ziellinie abbremste, um über ihm auf der Anzeige die Zeit abzulesen. Sofort kam?s zum Stau - eine unfallträchtige Situation. 'So gesehen', sagt Patz und schmunzelt, 'ist schlechtes Wetter gar nicht schlecht. Dann zieht es die Teilnehmer ganz schnell weg von der Strecke.' Notfallpläne, die hoffentlich nie aus der Schublade gezogen werden müssen, seien jedenfalls vorhanden.

Etwa 80 Personen stark ist der Tross an Mitarbeitern von Marcus Patz. Der Chef delegiert natürlich vieles und hat zwei Assistenten, die ihm am Tag der Veranstaltung den Rücken so freihalten sollen, dass der Technische Leiter bei Bedarf sofort und überall eingreifen kann, wo es nötig ist. Im besten Fall hat Patz wenig zu tun. Doch mehrere tausend Menschen wollen versorgt sein: mit Verpflegung, mit Umkleideräumlichkeiten, mit Massagen, mit Duschen und Toiletten... Schon die Beutelabgabe - das ist der Bereich, wo die Läufer ihre Kleidung zur Aufbewahrung abgeben können - kann sich bei falscher Organisation rasch zum Ort des Unmuts entwickeln. 'Das Wichtigste ist', sagt Marcus Patz, 'dass man die Sachen so wegsortiert, dass man sie auch wiederfindet.' Klingt doch ganz einfach.

Weil der Marathon ins edle Stadtzentrum gezogen ist, hat Marcus Patz bei Zelten auch auf eine bessere Ausstattung gedacht. So wird die Sportartikel-Messe, ehemals im geräumigen Hansezelt auf der Bürgerweide angesiedelt, diesmal in einem kleineren 'gläsernen Zelt' auf dem Ansgarikirchhof zu finden sein. Wegen der räumlichen Enge auf dem Marktplatz mussten Messe sowie Kinder- und Frühstückslauf am Sonnabend vom Hauptereignis getrennt werden. Doch bei aller Rücksicht auf das historische Stadtbild und die ansässigen Gastronomen wird es Marcus Patz schwer haben, optisch nicht zu stören. Und mal ehrlich: Der Bremen-Marathon soll doch auch ein bisschen auffallen.

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