Leichtathletik

Fliegen ist schöner

Nach einer Pause von 16 Monaten hat die Werder-Hochspringerin Mareike Max wieder einen Wettkampf bestreiten können. Die Bedingungen waren schlecht, das Gefühl war gut, die Höhe war an diesem Tag zweitrangig.
29.06.2020, 14:59
Lesedauer: 3 Min
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Fliegen ist schöner
Von Olaf Dorow

Die äußeren Bedingungen: ziemlich miserabel. Das, wenn man es so nennen mag, innere Erleben: ziemlich angenehm. So ließe sich das Comeback der Werder-Hochspringerin Mareike Max wohl zusammenfassend beschreiben. 16 Monate lang hatte sie keinen Wettkampf bestreiten können. Auf eine Fuß-Operation war die nächste gefolgt, und als ob das nicht reicht, sorgte eine Pandemie für weitere Verzögerungen. In Lübeck, bei einem kurzfristig angesetzten Springermeeting ist Mareike Max nun erstmals wieder unter Wettkampfbedingungen gesprungen. Sie überquerte, im zweiten Anlauf, 1,68 Meter. Wer das rein leistungsmäßig betrachtet und gegen ihre Bestmarke von 1,85 Metern stellt, könnte das einigermaßen bescheiden finden. Es ging an diesem Tag aber nicht um Bestmarken und Leistungsvergleiche, jedenfalls nicht primär.

„Allein schon fürs Einspringen hat sich der Tag gelohnt“, sagt die BWL-Studentin. Endlich wieder Wettkampf-Feeling, endlich nicht nur Zuschauerin. Das Meeting hatte nicht nur wegen der Corona-Auflagen einen kleinen und familiären Charakter erhalten. Im Hochsprung-Wettbewerb seien allein fünf ­Werder-Mädchen aus verschiedenen Altersklassen angetreten, berichtet Mareike Max. Jede dritte Springerin war damit eine aus ­Bremen.

Der erste Wettkampf nach der langen Pause hatte in einer Art Wohlfühlatmosphäre stattgefunden. „Und das Einspringen lief dann richtig gut“, sagt Mareike Max, „das hat richtig Spaß gemacht.“ Das „ganze Drumherum“ habe sie genossen. Das Mitmachen habe sie genossen. Mittendrin statt nur dabei – so verstaubt wie sich der Slogan anhört, so sehr kann er ein Sportlerherz beschreiben. Sie ließ erst 1,60 Meter auflegen, dann 1,70 Meter. Und flog drüber.

Als der eigentliche Wettkampf begann, musste sie sehr lange warten. Alle Altersklassen waren gemeinsam angetreten, es ging für die Jüngeren zunächst mal bei 1,32 Metern los. Mareike Max hatte bei 1,64 Meter einsteigen wollen. Kurz bevor sie zum ersten Versuch ansetzen wollte, setzte ein Wolkenbruch ein. Der Wettkampf musste unterbrochen werden. Wer sich schon mal auf einer Hochsprung-Anlage versucht hat, dürfte Bescheid wissen: Glitschiger Untergrund im Anlauf, gefallene Temperaturen, unruhiger Wind, das sind nicht eben förderliche Umstände.

Vor allem die Pause störte. Immer wieder neu warm machen, das ist für keine Athletin hilfreich. Erst recht nicht für eine, die so lange Zeit nicht im Wettkampf stand und ganz besonders auf die Limits achten muss, die der Körper setzt. „Die Regenpause hat dem Fuß nicht besonders gutgetan“, sagt Mareike Max. Komplett schmerzfrei sei sie noch nicht im rechten Fuß, auch wenn die aktuellen Beschwerden nicht von der mehrfach operierten Stelle kämen. Sie hofft auf weitere Stabilisierung.

Und kann auch auf weitere Wettkämpfe hoffen. Derzeit werden nach der Corona-­Pause allerorten Leichtathletik-Meetings angesetzt, sodass es noch zu einer „Late Season“ kommen kann, wie man in der Szene sagt. Ob der Wettkampf wirklich stattfindet, kann sie noch nicht sagen, aber zumindest gemeldet ist Mareike Max schon mal für eine Veran­staltung in zweieinhalb Wochen. Am 17. Juli soll es in Delmenhorst ein Abendsportfest des Kreises Delme-Hunte geben. Und vielleicht gibt es diesmal auch keinen Wolkenbruch ­dabei. Sondern beste Hochsprung-Bedingungen.

Info

Zur Sache

Saisoneinstieg geglückt

Neben Mareike Max sind beim Sprungmeeting in Lübeck sechs weitere Werder-Leichtathleten an den Start gegangen. Darunter auch die beiden Mehrkämpferinnen Wiebke Oelgardt und Hannah Fricke, die sich nach dem verspäteten Einstieg in die Sommersaison noch Hoffnungen auf einen Start bei den Jugend-Mehrkampfmeisterschaften machen dürfen, die Ende August in Vaterstetten ausgetragen werden sollen. Bei dem durch einen Regenguss stark beeinträchtigten Wettkampf in Lübeck kam Wiebke Oelgardt (U 20) schließlich auf eine Höhe von 1,60 Metern. Hannah Fricke, die auch noch im kommenden Jahr in der Altersklasse U 16 antreten kann, überquerte 1,52 Meter.

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