Der Bremer SV in der Regionalliga-Relegation Die kleine Herkulesaufgabe

Der Bremer SV trifft in der Regionalliga-Relegation auf die auswärtsstarken Hildesheimer. Die in der Liga nur selten geforderten Bremer erwartet nun ein ganz anderes Kaliber, glaubt BSV-Spieler Ole Laabs.
30.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Eine herausragende Position besitzt er bereits angesichts seiner Aufgabe in der Mannschaft: Ole Laabs ist die Konstante des Bremer SV auf der Position vor der Abwehr. Er wird auch am Sonntag (14 Uhr) gegen den VfV Borussia 06 Hildesheim für Ordnung im defensiven Mittelfeld sorgen. Aber der 29-Jährige weist noch eine Besonderheit auf – und sie verleiht ihm fast ein Alleinstellungsmerkmal vor dem ersten Relegationsspiel zur Regionalliga. Denn Ole Laabs war noch gar nicht verletzt in dieser Saison. „Gefühlt sogar seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt er lachend. Vor einiger Zeit habe er mal eine Platzwunde gehabt, das schon. Aber an eine fußballtypische Verletzung, da kann er sich „nicht erinnern“.

Vielleicht sollte er mal die Teamkollegen fragen, wie das so ist mit einer ernsthaften Blessur. Lange wird Ole Laabs in den Reihen des BSV nicht suchen müssen. Gerade erst meldeten sich mit Michel Haskamp und Sebastian Kmiec wieder zwei Kicker ab. Der eine (Kmiec) zog sich im Lotto-Pokalfinale gegen Brinkum (5:1) einen Muskelfaserriss zu, bei Haskamp brach der Kiefer zwei Wochen nach der ersten Fraktur erneut. „Damit fehlen wieder 50 Prozent unserer Abwehr“, sagt BSV-Coach Klaus Gelsdorf. Er hat sich aber vorgenommen, den anhaltenden Verletzungssorgen mit einer „gewissen Ironie“ zu begegnen.

Ole Laabs, sein Sechser, reagierte pragmatisch auf die neuesten Hiobsbotschaften. „Dafür haben wir einen großen Kader“, sagt er angesichts der aktuellen Ausfälle. Sie sollten seiner Ansicht nach nicht dazu führen, dass sich das Stimmungshoch beim Bremer SV wieder verflüchtigt. Er macht seit dem Pokalerfolg nämlich ein „gutes Gefühl“ aus in der Mannschaft. Nachdem der BSV die Meisterschaft bereits frühzeitig auf einen guten Weg gebracht hatte, war es nicht mehr wirklich gut gelaufen in der Bremen-Liga. Der souveräne Spitzenreiter leistete sich den ein oder anderen schwachen Auftritt und gab sogar sicher geglaubte Punkte ab. „Da war die Luft raus“, räumt Laabs ein. Mit dem Sieg über Brinkum habe sich das Team aber die jetzt so nötige Spannkraft zurückgeholt: „Der hat uns richtig etwas gebracht.“

Alles andere als eine Mannschaft auf Wettkampf-Niveau kann sich der Bremer SV allerdings auch nicht leisten. Mit dem VfV Hildesheim kommt nun der vermeintlich stärkste Gegner zum Panzenberg. Zwar wird auch dem TSV Schilksee (Meister in Schleswig-Holstein und Auswärtsgegner am kommenden Wochenende) eine gewisse Qualität attestiert – aber der Gast der nun anstehenden Partie geht sicher als Favorit in die Dreierrunde. „Niedersachsen ist in der Breite und in der Spitze stärker als unsere Bremen-Liga“, urteilt Laabs.

Sein Trainer macht gar eine „kleine Herkulesaufgabe“ aus in diesem ersten Relegationsspiel. Der VfV Hildesheim kommt ja nicht nur als der Vizemeister der Oberliga Niedersachsen, sondern auch als beste Auswärtsmannschaft. Das Team um Trainer Jürgen Stoffregen gewann 37 Punkte aus 15 Spielen auf gegnerischem Platz (11-4-0) – und es trifft nun auf einen BSV, der in der vergangenen Relegationsrunde nicht zu seiner Leistung gefunden hatte. Bei der vorentscheidenden Auswärtspleite gegen die FT Braunschweig (0:4) war der Bremer Meister 2014 munter ins offene Messer gelaufen; auf die 3:4-Heimniederlage gegen den VfB Lübeck kam es danach eigentlich gar nicht mehr an. „Das war in den vergangenen Monaten immer wieder ein Thema, wir haben gemerkt, wie fahrlässig wir damals waren“, sagt Klaus Gelsdorf.

Er weiß, dass seine Mannschaft sich nun in einer vergleichbaren Situation befindet: In der Bremen-Liga war sie erneut nur selten gefordert, konnte sich auch mal mangelnde Disziplin und Ordnung leisten. Auf dem nun zu erwartenden Niveau wird das nicht funktionieren. „Und es wird auch nicht wieder vorkommen, denn wir haben aus unseren Erfahrungen gelernt“, sagt Gelsdorf.

Auch Ole Laabs ist sich sicher, dass seine Mannschaft nicht noch einmal so „naiv“ antreten wird – helfen soll zudem die noch frische Erinnerung an das Pokalfinale. „Da haben wir uns ja auch auf die Defensive konzentriert und bewiesen, dass wir mit unserer Offensive Nadelstiche setzen können“, sagt Laabs. Er sieht schließlich einen Vorteil darin, dass der Bremer SV „mit Meisterschaft und Pokal schon mal zwei Ziele abgedeckt“ hat. Sicher sei der Aufstiegswunsch vorhanden, im Verein wie auch in der Mannschaft. „Aber“, sagt Laabs, „niemand erwartet, dass wir Hildesheim schlagen. Wir können also befreit aufspielen.“

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