Weltmeisterschaft der Lateinformationen

Die Pläne des Erfolgstrainers beim Grün-Gold-Club

Roberto Albanese hat die Lateinformation des Grün-Gold-Club Bremen zum neunten WM-Titel geführt. Der Triumph ist deshalb so besonders, weil die Vorbereitungszeit sehr kurz und schwierig war.
03.12.2018, 17:24
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Pläne des Erfolgstrainers beim Grün-Gold-Club
Von Frank Büter
Die Pläne des Erfolgstrainers beim Grün-Gold-Club

Der Lohn für die harte Arbeit: Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese präsentiert den WM-Pokal. Es ist bereits der neunte Titelgewinn für die Lateinformation aus Bremen. Schon jetzt hat der Erfolgscoach Pläne für das nächste Jahr – und er denkt bereits an die Titelverteidigung vor heimischer Kulisse im Dezember 2019.

Fotos: Tim Böttcher

Als irgendwann in den frühen Morgenstunden der chinesische Schnaps auf den Tisch kam, hatte Jens Steinmann genug. Der Präsident des Grün-Gold-Club Bremen verließ die feuchtfröhliche Runde, die bei sommerlichen Temperaturen draußen vor dem Hotel ausgelassen den Weltmeistertitel feierte. Während es Steinmann also vorzog, noch ein paar Stunden zu schlafen, machten andere Mitglieder der Bremer Reisegruppe in Shenzhen die Nacht komplett zum Tag. Die Party der Sieger endete erst gegen 7 Uhr – und zwar mit dem direkten Gang zum Frühstücksbuffet.

„Das hatten wir uns aber auch verdient“, sagt Roberto Albanese, der Erfolgstrainer der Bremer Lateinformation, mit Blick auf die weltmeisterliche Feier. 14 Deutsche Meistertitel stehen inzwischen in der Bilanz des Grün-Gold-Club zu Buche, dazu vier Europameistertitel und – seit Sonntagabend, seit diesem Triumph in Fernost – jetzt auch neun Weltmeistertitel. Dieser neunte WM-Titel ist derweil ein ganz besonderer. Weil die Zeit der Vorbereitung sehr kurz und das Trainingspensum entsprechend sehr hoch war. Weil es zuvor personell im Team einen nicht unerheblichen Umbruch gegeben hatte. Und weil es zwischenzeitlich gehakt hatte.

Lesen Sie auch

Bei der gewonnenen EM im Juni im polnischen Kalisz war die Grün-Gold-Formation noch mit der alten Choreografie angetreten. Erst danach begann Albanese, sein verjüngtes Team an die neue, sehr anspruchsvolle Choreografie „This is me“ heranzuführen. Albanese hatte eine Darbietung kreiert, die mit neuen tänzerischen Elementen und experimentellen Bilderfolgen überrascht und den Aktiven in puncto Tempo und Dynamik alles abverlangt. Die Paare sind ständig in Bewegung, es gibt keine Pausen, keine Zeit zum Durchatmen. „Unsere Qualität ist die Gestaltung, die Musikalität und die Innovation“, betont Albanese, der die Tanzwelt immer wieder mit außergewöhnlichen Choreografien begeistert.

Um diese Begeisterung nach außen transportieren zu können, musste die Bremer Formation intern indes zunächst ein enormes Pensum absolvieren. Drei Monate lang wurde werktags jeden Abend trainiert, hinzu kamen Sonderschichten am Sonnabend und am Sonntag, wobei hier sechs oder acht Stunden keine Seltenheit waren. „Es ist schon beeindruckend, welch‘ großen Einsatz die Tänzer gezeigt haben“, sagt Albanese. „Es ist nicht selbstverständlich, so viele Menschen zu finden, die bereit sind, 25 oder 30 Stunden pro Woche zu trainieren und ihr Privatleben komplett zu opfern.“

13 Paare – und damit fünf mehr als für eine Formationsdarbietung eigentlich benötigt – waren dazu bereit. Alle 26 Tänzer waren gewillt, alles zu geben, um dieses Ziel, diesen neunten WM-Titel zu erreichen. Trotzdem gab es zwischendurch Momente, in denen Roberto Albanese Zweifel beschlichen haben. Würde die Zeit ausreichen? Halten die Nerven dem Druck stand? Ist die Formation in der Lage, die Anforderungen umzusetzen und selbstbewusst in die Choreografie einzusteigen?

Neue Hosen für die Herren

„Es war eine schwierige Geschichte, wir sind quasi erst in letzter Minute fertig geworden“, sagt der Tanzlehrer. Zumal es in der Endphase dann auch noch Probleme mit dem neuen Outfit gab. Bei der Deutschen Meisterschaft Mitte November in Braunschweig saßen die Klamotten nicht richtig, „das hat noch mal für Unsicherheit gesorgt“, schildert Jens Steinmann. Kurzerhand wurde also Hand angelegt, für die Herren wurden sogar komplett neue Hosen genäht. „Da haben alle einen guten Job gemacht“, lobt Steinmann. Dieser WM-Triumph von Shenzhen, er ist das Resultat einer Gemeinschaftsproduktion. Trainer, Betreuer, Aktive, Funktionäre – sie alle haben ihren Beitrag geleistet. Und sie haben eine Basis geschaffen für kommende Aufgaben.

Als nächstes steht für die Grün-Gold-Formation nun die am 19. Januar in Solingen beginnende Bundesligasaison auf dem Programm. Im Verlauf der fünf Turnierwochenenden werden – so ist es geplant – alle Tänzer zum Einsatz kommen, also auch die, die jetzt in China zwar dabei, aber nicht mittendrin waren. Nach besagtem Umbruch hatte Albanese seine Formation personell bewusst so breit aufgestellt. Nun will er all diese Paare tänzerisch weiter formen. Alle sollen in der Lage sein, diesen WM-Titel zu verteidigen.

Die nächste WM findet in Bremen statt

Ein Jahr habe man jetzt Zeit, sagt der Trainer. Ein Jahr bis zur nächsten Weltmeisterschaft, die am 7. Dezember 2019 vor eigenem Publikum in der Bremer ÖVB-Arena stattfindet. An der Choreografie „This is me“ wird der Grün-Gold-Coach festhalten, inhaltlich will er die Darbietung indes noch um einige Nuancen verändern. Wie immer geht es ihm darum, die Stärken noch mehr herauszuarbeiten und dann auf dem Parkett anders, besser auszusehen als die Konkurrenz.

Roberto Albanese hat seine Ideen bereits im Kopf, er hat einen Plan. Doch aktuell ist das alles Zukunftsmusik. In der Gegenwart befindet sich die Grün-Gold-Formation noch in China. An diesem Dienstag steht dort die Weiterreise nach Hongkong an. Und am Donnerstag geht‘s dann nach Macao, wo vor dem Rückflug am Sonntag noch zwei Showauftritte geplant sind. Gefeiert werden darf zwischendurch natürlich auch noch. „Wir sind alle mega happy und genießen es, nach dem Titelgewinn jetzt noch eine ganze Woche zusammen sein zu können“, sagt Präsident Jens Steinmann. „Das ist wie eine Mannschaftsfahrt nach Mallorca – nur besser!“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+