Sebastian Beyer

Die Rückkehr des Rekordspringers

Sebastian Beyer ist Rekordspringer, dreifacher Europameister und der Bremer Sportler des Jahres 2009. Warum das Springermeeting in Bremen für ihn zu einem Familientreffen wird.
25.05.2019, 21:34
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Die Rückkehr des Rekordspringers
Von Frank Büter
Die Rückkehr des Rekordspringers

Analyse mit dem Rekordmann: Trainer Sebastian Beyer mit seinen Talenten Anika Nießen und Carl-Junior Boateng.

Frank Thomas Koch

Ist er es? Oder etwa nicht? Die ältere Dame war sich nicht sicher. Aber sie war mutig genug, ihn anzusprechen: „Sagen Sie mal, sind Sie nicht der Sebastian Beyer?“, fragte sie also – und freute sich sichtlich über die Antwort. Ja, er war es. Der Sebastian Beyer. Der frühere Weitspringer. Der Rekordspringer. Der dreifache Europameister. Der Bremer Sportler des Jahres 2009, er war tatsächlich mal wieder in der Stadt. Genauer gesagt im Stadion „Platz 11“ am Weserstadion, dort, wo der frühere Athlet des Bremer LT einst sehr viel Zeit in der Sprunggrube zugebracht hat.

„Es ist schön, mal wieder hier zu sein“, sagt Sebastian Beyer. Ende 2008 war der heute 32-Jährige von Bayer Leverkusen in die Hansestadt gewechselt. Zwar war er nur ein Jahr für den BLT aktiv, lebte aber drei Jahre hier, ehe es ihn 2011 komplett nach Hamburg zog, wo er bereits für den HSV gemeldet war. Sein Bremer Jahr aber, das Jahr 2009, es war ein ganz besonderes in der Vita von Sebastian Beyer. Bis heute unvergessen ist sein Rekordsprung über 8,71 Meter bei der Hallen-EM in Turin, eine Weite, die Hallen-Europarekord bedeutete, eine Weite, die ihm natürlich auch den ersten von insgesamt drei EM-Titeln bescherte. 2011 wiederholte der Olympiateilnehmer von Peking 2008 den Titeltriumph, in Paris reichten ihm damals bereits 8,16 Meter zu Platz eins. Einen Freilufttitel gab‘s dann auch noch: 2012 setzte sich Beyer in Helsinki mit 8,34 Metern abermals die EM-Krone auf.

"Der HSV hat viel Tradition"

Die Jahre danach verliefen weniger erfolgreich für den Sportsoldaten. Grund dafür waren anhaltende Probleme in seinem rechten Knie – woran auch drei Operationen letztlich nichts änderten. Anfang Januar 2018 schließlich verkündete Beyer das Ende seiner aktiven Laufbahn, dem Hamburger SV aber blieb er verbunden. Er trainierte ab, wie es im Fachjargon heißt. Er absolvierte Fortbildungen und Trainerlehrgänge – und zeichnet nun seit dem 1. Februar dieses Jahres als Koordinator Leistungssport für die Leichtathletiksparte des HSV verantwortlich.

„Der HSV hat viel Tradition. Meine Aufgabe ist es, die Strukturen noch zu professionalisieren“, sagt Beyer. Die Aufgabe als Koordinator allein reicht ihm aber nicht – dafür war die Bindung des gebürtigen Aacheners zum Weitsprung dann doch zu groß, zu intensiv. Also erwarb Beyer auch die A-Trainer-Lizenz für den Bereich Sprung und betreut nun beim HSV speziell die Gruppe der Weitspringer. „Zwei Drittel Koordinator und Bürojob, ein Drittel Trainingsarbeit“, beschreibt Beyer die Inhalte seiner 40-Stunden-Woche, „mit der ich in der Regel aber nicht hinkomme“.

Seine Tipps kommen an

An diesem Sonnabend nun war Beyers Arbeitsplatz also der Sprungbereich im Stadion „Platz 11“. Hier betreute er zwei der Talente, die er formen und „auf ein höheres, ein besseres Niveau heben“ möchte. Nur zwei, denn mit Bennet Vinken, dem amtierenden Deutschen Hallenmeister der U 20, gemeldet mit einer Weite von 7,52 Meter, fehlte die größte Hamburger Nachwuchshoffnung aus privaten Gründen. Aber Beyer hatte dafür einen anderen jungen Sieben-Meter-Springer dabei: Carl Junior Boateng, den deutschen Vizemeister der U 18. „Junior“ Boateng erzielte denn auch mit 7,29 Meter die größte Weite an diesem Tag, für den Beyer-Schützling bedeutete dies zudem eine neue Bestleistung.

„Junior ist ein Riesentalent. Er macht schon vieles richtig, aber eben einiges auch noch komplett falsch“, sagt Beyer und fügt mit einem Lächeln an: „Aber dafür bin ich ja nun da.“ Seine Ansprache, seine Tipps, kommen an, sagt HSV-Neuzugang Anika Nießen (Jahrgang 2002), die ihren ersten Wettkampf unter den Fittichen von Sebastian Beyer absolvierte. „Von ihm kann ich unheimlich viel lernen.“ Die Dienstreise nach Bremen, sie hat dem Ex-Bremer viel Spaß bereitet. „Es ist wie auf einem Familientreffen, so, als würde man nach Hause kommen“, sagt Beyer. „Man kennt halt viele noch.“ Und viele (er)kennen ihn noch.

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