Die Reise beginnt Die Sixdays-Profis gehen ins Rennen

Bei den 56. Sixdays starten unter anderem die beiden Weltmeister Theo Reinhardt und Morgan Kneisky.
09.01.2020, 22:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Dorow und Jörg Niemeyer

Aufatmen bei den Organisatoren, auch wenn einer der Favoriten beim Durchatmen noch erhebliche Probleme hatte. Seine Nase war nicht frei, der Husten noch nicht weg, aber: Theo Reinhardt, der amtierende Madison-Weltmeister und Bremen-Sieger von 2018, kann bei den 56. Sixdays in der ÖVB-Arena starten. „Es ging mir zwar schon mal deutlich besser, aber es wird gehen“, sagte der 29-jährige Berliner am Donnerstag vor dem Startschuss, der erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe fallen sollte.

Am Donnerstag letzter Woche war Theo Reinhardt mit seinem Weltmeister-Partner Roger Kluge ins Rotterdamer Sechstagerennen gegangen, am Freitag erwischte ihn der Infekt. Am Montag übernahmen die Weltmeister trotzdem die Führung, ehe Reinhardt am Dienstag die Reißleine zog. „Es war eine schwere Entscheidung“, sagte er nun, „aber ich muss auf meine Gesundheit achten. Mein Körper hat mir signalisiert, dass ich keine Höchstleistung mehr bringen konnte.“

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So verpasste Reinhardt am Dienstag kampflos den dritten Sixdays-Sieg seiner Karriere. Den könnte er genau eine Woche später in Bremen nachholen – nach Einschätzung des Sportlichen Leiters Erik Weispfennig ist das nicht unwahrscheinlich. „Wenn ich mich auf ein Favoritenpaar festlegen müsste, würde ich auf Theo Reinhardt und Morgan Kneisky setzen“, sagte der 50-Jährige am Rande der nachmittäglichen Fahrerbesprechung. Denn dieses Duo, so Weispfennig, trete mit der Bilanz von sechs WM-Titeln an: Reinhardt hat bislang zwei, der Franzose sogar vier geholt. In Bremen gehen die beiden erstmals in einem Team ins Rennen.

Bei der Zusammenstellung der Paare achtet Weispfennig aber darauf, dass es im Kampf um den Sieg keine Alleinfahrt eines Duos gibt. „Wir haben ein ausgeglichenes Feld“, sagte er vor der ersten Runde, „auch diesmal kommen vier bis sechs Teams für einen Platz auf dem Siegerpodest infrage.“ Ganz bestimmt gilt diese Aussage für Kenny De Ketele und Nils Politt. Der erfolgreiche Straßenfahrer Politt bestreitet zwar erst seine dritten Sixdays überhaupt, hat mit dem Belgier aber einen der besten Partner der Szene.

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Vier weitere Teams werden im Kampf um die Endplatzierungen hoch gehandelt. Bei Tristan Marguet (Schweiz) und Maximilian Beyer sowie bei Moreno De Pauw (Belgien) und Sixdays-Debütant Leon Rohde wird sich zeigen müssen, wie schnell die sehr talentierten Deutschen mit ihren Partnern zusammenfinden. Dem Niederländer Wim Stroetinga ist mit dem Schweizer Nico Selenati ebenso viel zuzutrauen wie dem vielleicht erfahrensten Duo, Andreas Graf (Österreich) und Marc Hester (Dänemark). Mit 102 Sechstagerennen hat Hester die mit Abstand meisten Runden aller Sixdays-Fahrer in den Beinen. Seit 2006 fährt der Däne in Bremen, im Vorjahr verpasste er hier an der Seite von Theo Reinhardt als Zweiter nur knapp seinen ersten Sieg. „In drei Tagen werden wir sehen, was diesmal möglich ist“, sagte der 34-Jährige.

Als Sixdays-Haudegen konnte im Gegensatz dazu jenes Team nicht durchgehen, das zu Beginn der Veranstaltung im Rampenlicht stand. Christopher von Deylen und Morten Hansen, die die Profis per Pistolenschuss auf die Reise schicken sollten, waren am Donnerstag zum ersten Mal dabei. Dass sie nix zu schaffen haben mit dem Event und auch partout keine Verbindung zwischen ihrem und dem Rad-Metier besteht, ließ sich jedoch nicht behaupten. Flankiert von Andreas Bovenschulte und Melf Grantz, den Bürger- beziehungsweise Oberbürgermeistern von Bremen und Bremerhaven, fanden sie auf einer Pressekonferenz kurz vor dem Anschuss: Anschluss. Wenn vielleicht auch eher auf einer Art Meta-Ebene.

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Von Deylen, erfolgreicher Elektro-Musiker mit seinem Projekt Schiller, sprach davon, wie schön er das findet: Menschen kommen zusammen in einer Zeit, in der es so leicht wie nie falle, sich auf sich selbst und sein Smartphone zurückzuziehen. Auch Hansen, der aus der TV-Serie „Verrückt nach Meer“ bekannte Kapitän, hob dieses Zusammenkommen hervor. Und dass sowohl der Musiker wie auch der Seefahrer ein Rad in ihren Alltag eingebaut haben, schuf auch eine greifbare Verbindung.

Hansen hat immer ein Rad auf seinem Schiff stehen, das er, wann immer es geht, benutzt. Seine Crew hatte es ihm einst zum Geburtstag geschenkt. Christopher von Deylen, der als Weltreisender mittlerweile aus dem Koffer lebt, erzählte den Reportern von seinem Faltrad, welches er immer dabei hat. Irgendwie würde es nach einer merkwürdigen Mischung aus Rollator und falsch zusammengebautem Überraschungsei aussehen. Oha.

Als traditionelle Mischung aus Sport und Unterhaltung kennzeichneten die beiden Politiker, die zum Anschuss ebenfalls vor das Fahrerfeld treten sollten, die Sixdays. Bovenschulte wie Grantz lobten die „herausragende Rolle“ der Traditionsveranstaltung – und nutzten die Medienrunde für eine Runde Werbung. Dass der Käpt'n die Fahrer auf die Reise schickte, sollte auf die große Sail in Bremerhaven im Sommer hinweisen. Noch so eine gelungene Mischung. Zumindest, wenn es denn wirklich so ist, wie Bürgermeister Bovenschulte es formulierte. „Bremen und Bremerhaven verstehen sich entgegen der landläufigen Meinung sehr gut“, sagte er. Oha.

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