Bremer Großveranstaltung Die Sixdays stecken in der Sackgasse

Bremen. Dem 47. Bremer Sechs-Tage-Rennen blickt offenbar nicht jeder mit Freude entgegen. Bei einem Anschlag wurden 30 Großplakate der Veranstaltung zerstört. Wer hinter der Tat steckt ist unklar, genauso wie die Zukunft der Sixdays.
05.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Sixdays stecken in der Sackgasse
Von Olaf Dorow

Bremen. Die Täter kamen in der Nacht. Nach ihrem Anschlag war nicht mehr viel zu sehen vom 47. Bremer Sechs-Tage-Rennen. Zumindest nicht auf den 30 Großplakaten, die in der Nacht auf Dienstag zerstört worden waren. Sie hatten für die populäre Großveranstaltung geworben, die ab dem 13. Januar wieder mehr als 120.000 Besucher in die Bremen Arena holen soll.

Man zerstörte ausschließlich Sechstage-Plakate. Was den Schluss zulässt, dass es sich eher um eine gezielte Attacke denn um ziellosen Vandalismus handelte. Die Polizei ermittelt, aber wohl nicht mit Hundertschaften. Der Sachschaden liegt angeblich bei 1500 Euro. Wer sich geschädigt - oder auch beschädigt - fühlen muss, ließ sich am Dienstag nicht so einfach herausfinden. Frank Minder, der mit seiner Bremer Sport-Marketing-GmbH (BSM) das Rennen ausrichtet, konnte sogar ein Zeichen daraus herauslesen: So wichtig sei er mit seiner BSM also gewissen Leute.

So sprach er am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Congress-Centrum, auf der es primär um das nun zusammengestellte Fahrerfeld gehen sollte. Das mit der Wichtigkeit war natürlich eine Andeutung. "Da kann man unseren hohen Stellenwert ablesen", sagte Minder. Er schien ja nicht mehr allen ganz so wichtig zu sein. Zwar hatte er mit seiner BSM, deren Vertrag mit der Stadt nach dem Rennen 2011 ausläuft, eine Bewerbung abgegeben. Zwar stellte sich vor einem Jahr seine Vertragsverlängerung als Selbstläufer dar. Aber es kam anders (wir berichteten).

Inzwischen ist die Angelegenheit auf gutem Wege, eine Bremer Posse zu werden. Noch immer kann oder mag die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) nicht sagen, wer denn das Sechs-Tage-Rennen ab 2012 ausrichtet. Bis spätestens zum 19. Januar will es die WFB tun. Minder sagt, ihm seien wegen der fehlenden Planungssicherheit Sponsorenpakete im Wert von einer viertel Million Euro verlustig gegangen. Weil sein Mitarbeiterstab, dazu die Hallensprecher (Christian Stoll, Sven Kaulbars, Markus Rudolph), der Sportliche Leiter (Patrick Sercu) und selbst die Rampengrößen Klaus&Klaus aufhören wollen, wenn Minder aufhört, müsste die Konkurrenz fast bei null anfangen. Angeblich haben sich der Delmenhorster Reiner Schnorpfeil, der das Berliner Rennen ausrichtet, eine Veranstaltergemeinschaft mit den Firmen Nehlsen und Elko sowie der Gastronom Achim Grunert beworben.

In Halle vier raucht es wieder

Die WFB steckt in einer Sackgasse, einen guten Termin für eine Verkündung der Minder-Nachfolge kann es längst nicht mehr geben. Fällt die Wahl auf Minder, fragt man sich, warum dieser erst 250.000 Euro verlieren musste, ehe er gewählt wurde. WFB-Geschäftsführer Hans-Peter Schneider hatte bis gestern Urlaub, sein Vertreter war für eine Auskunft nicht zu erreichen.

Fällt die Sechstage-Wahl nicht auf Minder, wonach es aussieht, fragt man sich, warum man das dann ausgerechnet während oder einen Tag nach dem Sechs-Tage-Rennen verkündet. Minder könnte öffentlichkeitswirksam Theater machen - und der geheimnisvolle Neue müsste im Verborgenen durch die Logen ziehen und Sponsorenkontakte pflegen.

Und fällt die Entscheidung auch am 19. nicht, müsste man ebenfalls schmunzeln, bestenfalls. Dem Verfahren wäre dann ein wirklich bemerkenswerter Bart gewachsen. So lag gestern eine merkwürdige Stimmung über der Pressekonferenz. Das Sechs-Tage-Rennen ist ja eigentlich eine prima Sache, aber es hat es irgendwie nicht besonders leicht. Als das Fahrerfeld vorgestellt wurde, musste Sercu einmal mehr bedauern, dass es keine deutschen Jungstars gibt, die die Leute an die Bahn locken. Er musste zweitens bedauern, dass zwei der besten deutschen Bahn-Fahrer, Roger Kluge und Danilo Hondo, die Sercu "weltklasse" findet, nicht können nächste Woche. Der eine muss für den Verband Weltcup-Rennen fahren, der andere muss zur Präsentation seines Straßenteams.

Also gehen in Bremen die Sieger von 2008, Robert Bartko und Iljo Keisse, als Favoriten an den Start. Und ist Iljo Keisse ein nur geduldeter Favorit. Noch immer streiten belgischer und Welt-Verband, ob der zweifellos eleganteste Fahrer im Sechstage-Zirkus noch eine Dopingsperre absitzen muss oder nicht. Am 11. April erst soll die Sache vor dem CAS, dem Internationalen Sportgerichtshof, endgültig entschieden werden. Vielleicht. Einstweilen darf Keisse auch außerhalb Belgiens starten.

Gefunden hat man inzwischen wenigstens eine neue Regelung, was das Rauchverbot angeht. Das vor zwei Jahren eingeführte Verbot wurde gelockert. Neuerdings gilt es nur noch für Halle eins, in Halle vier darf wieder gequalmt werden. Was eine allerletzte Frage zum merkwürdigen Treiben rund ums Sechstagerennen aufwirft. Waren die Plakat-Attentäter vielleicht militante Nichtraucher?

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