Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga peilt die Reserve von Bremen-Ligist Bremer SV den Klassenerhalt an

Die Underdogs backen kleine Brötchen

Bremen. Bereits vor dem abschließenden Spieltag in der Fußball-Kreisliga A stand längst fest, dass die Reserve des Bremen-Ligisten Bremer SV den Meistertitel sicher hatte – und damit nun bereits zum dritten Mal binnen der vergangenen vier Jahre eine Liga höher spielen wird. Doch Meistertitel und Aufstieg waren am Hohweg in Walle nicht das einzige Thema, das von den Kickern um das erfolgreiche Trainergespann Manfred Feuerriegel/Marcus Vieweg diskutiert worden war.
03.07.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Markwort
Die Underdogs backen kleine Brötchen

Die Fußballer des Bremer SV II holten sich nach einer glänzenden Saison den Meistertitel in der Kreisliga A und feierten den Bezirksliga-Aufstieg.

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Bremen. Bereits vor dem abschließenden Spieltag in der Fußball-Kreisliga A stand längst fest, dass die Reserve des Bremen-Ligisten Bremer SV den Meistertitel sicher hatte – und damit nun bereits zum dritten Mal binnen der vergangenen vier Jahre eine Liga höher spielen wird. Doch Meistertitel und Aufstieg waren am Hohweg in Walle nicht das einzige Thema, das von den Kickern um das erfolgreiche Trainergespann Manfred Feuerriegel/Marcus Vieweg diskutiert worden war.

„Durch den Nichtantritt gleich zweier Mannschaften am vorletzten und auch am letzten Spieltag Meister geworden zu sein, wird uns natürlich noch etwas nachhängen“, erklärte der Trainer, „aber die Meisterschaft ist ja nicht das Ergebnis von nur zwei Spielen, sondern die Summe der anderen 28 Begegnungen, und allein von daher sind wir schon ganz klar der verdiente Meister in unserer Staffel.“

Während das vorletzte Saisonspiel beim FC Riensberg 11 nicht zustande kam, weil die Mannschaft von FC-Trainer Eike Schirmer dem Vernehmen nach keine komplette Elf zusammenbekommen konnte, ärgerten sich die Verantwortlichen der „Underdogs“, wie sich die Zweite des Bremer SV selbst nennt, viel mehr über die Absage am letzten Spieltag. „Wir wollten uns mit einer tollen Feier im altehrwürdigen Panzenberg-Stadion für die grandiose Unterstützung bei unseren vielen Fans bedanken“, sagte Co-Trainer Marcus Vieweg.

Nachdem die SG Marßel allerdings kurzfristig abgesagt hatte, wurde aus dem großen Fest nur eine kleine, vereinsinterne Party im Vereinsheim am Hohweg. „Auf diese Weise aufzusteigen, ist natürlich nicht das Wahre für einen echten Sportler“, bekundete auch Vieweg seinen Missmut über die Spielabsage, „aber wir haben uns nichts vorzuwerfen und trauern nur um die grandiose Kulisse von erwarteten 400 Zuschauern, vor der die Jungs hätten spielen können.“

Nach einer hervorragenden Saison mit nur vier Niederlagen kann man am Hohweg nun also nach 32 Jahren wieder eine zweite Mannschaft auf Bezirksebene melden. Damals die erfolgreichste zweite Mannschaft des gesamten Bremer Fußball-Verbands, werden die neuen „Underdogs“ nun unter Beweis stellen müssen, dass auch sie zurecht in der höheren Spielklasse antreten dürfen. Ob es dem Team von Trainer Manfred Feuerriegel letztlich gelingt, in die großen Fußstapfen ihrer erfolgreichen Vorgänger zu treten, wird sich allerdings erst noch zeigen.

Die Spielzeit 2017/18 begann für die Kicker um den Top-Torschützen Michael Wempner (32 Tore/Ligaspitze) mehr als unglücklich. Nach der deutlichen 1:4-Heimniederlage gegen den großen Dauerkonkurrenten Blumenthaler SV II sank am Hohweg zunächst die Hoffnung auf eine gute und erfolgreiche Saison zunächst auf den absoluten Tiefstpunkt. Doch während das Team aus Bremen-Nord immer wieder überraschend zu schwächeln begann, zogen die „Underdogs“ scheinbar unbeirrt ihre Kreise. Beste Heimmannschaft, bestes Auswärts-Team, bester Torjäger – beim Team von Manfred Feuerriegel lief es nach dem Blumenthaler „Weckruf“ wie am Schnürchen. „Bei uns passt es halt zum Ende der Saison“, blickte der Erfolgs-Coach noch ein letztes Mal auf die beiden Spielabsagen zum Saisonende zurück, „einige unserer Konkurrenten haben im Laufe der Saison auch Punkte durch Nichtantritte erhalten, so gleicht sich eben alles irgendwie aus.“ Selbst die 1:2-Niederlage in Blumenthal Ende Mai – und damit der kurzfristige Verlust der Tabellenführung – brachte die „Underdogs“ nicht von ihrem Erfolgsweg ab.

Das Potenzial innerhalb des Teams war nicht nur dem Trainer bekannt (Feuerriegel: „Wenn dies nicht der Fall wäre, würde ich an falscher Stelle sein, dies nicht erkennen zu können“), allerdings zeigte man sich auch auf der Kommandobrücke der BSV-Reserve überrascht von dem schnellen Erfolg. „Das ist schlicht das Ergebnis davon, dass die Mannschaft sich schnell auf mehrere Spielsysteme eingestellt hat“, resümierte der Trainer. Besonders die Offensivkräfte Dennis Thomas, Raphael Wempner, Robert Koroch oder Sertac Durgun waren derart variabel und einsetzbar und dermaßen torhungrig, dass sie von ihren Gegenspielern regelmäßig kaum zu stoppen gewesen waren.

Während das Augenmerk besonders nach der Pleite in Blumenthal auf einer stabilen Abwehr lag, die konsequent an ihrer Physis gearbeitet und dadurch schnell Stabilität erreicht hatte, musste man sich über die Offensive nur wenige Gedanken machen. Neben dem Torschützenkönig stellten die „Underdogs mit insgesamt 111 Toren (bei lediglich 37 Gegentoren) den mit Abstand besten Angriff der gesamten Liga. „Der Aufstieg ist das Resultat einer hervorragenden Saison“, ließ BSV-Kapitän Timo Krause via Facebook verlauten. „Wir haben als Mannschaft klasse funktioniert und von Beginn an Leistung gezeigt“, so Krause weiter, „darüber hinaus haben wir uns auch von kleineren Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Erfolg sei weiterhin nur möglich, weil die „Underdogs“ als gesamtes Team – Spieler wie Trainer – funktioniert hatten. Gute Individualisten allein reichten nicht aus, so der allgemeine Tenor am Hohweg. Es gehe auch in der höheren Spielklasse weiterhin darum, eine Mannschaft zu formen. „Das ist dem Trainerteam in der abgelaufenen Saison hervorragend gelungen“, zollte Krause dem Gespann Feuerriegel/Vieweg das gebührende Lob. „Ich bin mir sicher, dass wir auch in der nächsten Saison erfolgreich spielen können, wenn wir weiter kontinuierlich hart arbeiten und vor allem den Spaß am Fußball behalten“, blickte der Kapitän bereits voraus auf die neue Saison in der Bezirksliga.

Der Aufstieg in die siebte Liga ist der bisher größte Erfolg der zweiten BSV-Herren. Zudem belegt der BSV auch noch Platz eins der Fairplay-Tabelle, sodass die „Underdogs“ mit Meisterschaft und Aufstieg quasi ein „Triple“ geschafft haben. „Unser Saisonziel ist erst einmal klar“, backt Trainer Feuerriegel trotz aller Euphorie über den Aufstieg zunächst sehr kleine Brötchen.

Die Klasse halten, habe Vorrang vor allem anderen. Und dennoch: „Der Bremer SV ist ein Verein, wo nichts unmöglich ist“, zeigt sich der Coach optimistisch, „auch wenn es mal mehr Anläufe braucht, als man vielleicht denkt.“ Feuerriegel selbst darf sich übrigens ebenfalls freuen: Die Verantwortlichen des Bremer Traditionsvereins sprachen ihm und seinem Co-Trainer Marcus Vieweg auch für die kommende Saison das Vertrauen aus.

Bremer SV II: Timo Krause, Morten Ahlström, Robert Kessin, Shahin Azimi, Malte Johannsen, Soner Yilmaz, Philipp Gelhaus, Ijat Dilixiati, Andre Couvreux, Maximilian Jodeit, Yannik Brüggemann, Mathias Kröger, Tim Schmidt, Thawatchai Sukpreeprem, Mutalip Durgun, Johannes Block, Marcel Klausen, Robert Koroch, Marc Bittermann, Mouhamed Diallo, Sertac Durgun, Abdul Rahim, Marcel Bunsieck, Raphael Wempner, Lennart Wolff, Dennis Thomas.

„Wir trauern um die Kulisse von erwarteten 400 Zuschauern.“ Co-Trainer Marcus Vieweg
„Der Aufstieg ist das Resultat einer hervorragenden Saison.“ BSV-Kapitän Timo Krause
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