Das große Stühlerücken beim Bremer SV

Doch mit Trainer Duray?

Mit Benjamin Duray fing das Chaos beim Bremen-Ligisten Bremer SV an. Trainer Sasa Pinter wurde entlassen, Duray sollte übernehmen. Es kam zunächst anders. Aber nun gibt es eine erneute Wendung.
11.12.2017, 18:49
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye
Doch mit Trainer Duray?

Zuletzt in Neustrelitz auf der Trainerbank, dann als neuer Trainer des Bremer SV vorgestellt, erstmal nicht BSV-Trainer geworden, aber nun womöglich doch neuer Coach des Bremen-Ligisten: Benjamin Duray.

imago sportfotodienst, imago/Björn Draws

Bremen. Wie es weitergeht beim Bremer SV? Das weiß man derzeit nicht so genau. Es ist eine ganze Menge passiert in den vergangenen Wochen, nun sortieren sich die Beteiligten erst einmal. Aber sicher ist, dass einige Lücken zu schließen sind.

Da wäre zum Beispiel die Position des Trainers. Derzeit werden die Bremen-Liga-Kicker übergangsweise von Cengiz Cakir betreut. Der ehemalige Coach des ATSV Sebaldsbrück leistet einen Freundschaftsdienst, um den Trainingsbetrieb einigermaßen gewährleisten zu können. Er sieht sich aber nicht als zukünftige Lösung. Also muss ein neuer Mann auf die BSV-Bank. Und es gibt tatsächlich einen Kandidaten. Sein Name: Benjamin Duray. Wer gut aufgepasst zuletzt, die turbulenten Ereignisse rund um den Panzenberg also aufmerksam verfolgt und noch nicht den Überblick verloren hat, wird sich erinnern. Mit Benjamin Duray fing alles an – ohne, dass der zuletzt in Neustrelitz aktive Übungsleiter irgendetwas dafür konnte. Duray war jener Trainer, der bereits am 20. November als neuer BSV-Coach vorgestellt worden war.

Damals hatte die Sportliche Leitung um Fred Heise und Klaus Gelsdorf sich von Sasa Pinter getrennt, um die Verantwortung dem 38-Jährigen zu übertragen. Die Reaktion der Mannschaft war allerdings unerwartet ausgefallen: Der komplette Kader solidarisierte sich mit Pinter und trat in einen Streik. Danach ging es Schlag auf Schlag: Gelsdorf trat zurück, eine Rückholaktion von Pinter scheiterte am Widerstand des BSV-Umfeldes und die Spieler traten nur zu den Punktspielen an, weil sie im Gegenzug die Aussicht auf eine Freigabe in der Winterpause erhielten. Die Fronten hatten sich verhärtet, und deshalb konnte man sich schon vorstellen, dass Benjamin Duray auch nicht mehr ganz so versessen auf einen Platz auf der BSV-Bank war.

Abgerissen ist der Kontakt allerdings nicht. Sonst würde er ja jetzt nicht wieder als aussichtsreicher Kandidat gelten. „Aber da ist nichts in trockenen Tüchern“, sagt Fred Heise. Er bildet nun gemeinsam mit Torwarttrainer Jens Fröhlich und Gerd Lenk (Cotrainer der 2. Herren) die Sportliche Leitung des Vereins. Allerdings möchte sich Heise etwas heraushalten aus der Trainersuche. Er betont aber, dass eine Entscheidung weder mit Klaus Gelsdorf noch dem BSV-Freundeskreis in einem Zusammenhang stehen wird: „Sie spielen dabei überhaupt keine Rolle.“

Auch der Gedanke, mit Duray könnte auch dessen Befürworter Gelsdorf wieder zum Bremer SV zurückkehren, entbehrt für Fred Heise jeder Grundlage. „In den nächsten Monaten“ sei an ein Comeback des einstigen Machers nicht zu denken. Dafür ist einfach zu viel passiert, findet Heise. Eines ist derzeit allerdings eine Tatsache für den langjährigen Funktionäre: „Es herrscht Stillstand.“ Das kann man sich auch ganz gut vorstellen. Ein Problem ist sogar offensichtlich: Der kommende Trainer möchte wissen, welche Spieler ihm zur Verfügung stehen, und die Spielen wollen wissen, wer Trainer wird – so sie denn überhaupt an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem BSV interessiert sind. Bereits jetzt gehen Schätzungen davon aus, dass im besten Fall ein gutes Dutzend des aktuellen Kaders im Winter nicht den Verein verlassen wird.

Die anderen sehen sich um, und sie stoßen auf Interesse. So gilt der TB Uphusen mit dem Ex-BSV-Coach Fabrizio Muzzicato als eine mögliche Adresse. Auch ein paar Bremen-Ligisten, wie der BSC Hastedt oder der FC Oberneuland, sollen zu den möglichen Zielen der Unzufriedenen zählen. Ganz sicher ein Thema ist seit einigen Tagen auch der SV Blau-Weiß Bornreihe. Dort hat Sasa Pinter eine neue Aufgabe übernommen. Am 1. Januar wird er den Trainerposten des niedersächsischen Landesligisten antreten. Er möchte „etwas bewegen“ in Bornreihe, einem Verein, dessen Werdegang Pinter seit vielen Jahren „anerkennend verfolgt“.

„Dort wird ehrliche Arbeit geleistet“, findet der Trainer. Weil er keine schmutzige Wäsche waschen möchte, zieht Pinter in diesem Zusammenhang keinen Vergleich zu den letzten Wochen beim Bremer SV. Nur soviel: „Ich stehe für Anstand und Respekt.“ Zur Rücksichtnahme auf den alten Verein sieht sich der 43-Jährige nach seinen jüngsten Erfahrungen allerdings nicht verpflichtet: „Da kommen sicher keine acht, neun Leute vom BSV, aber das ist ein Fundus aus mir bekannten Spielern, aus dem ich schöpfen kann.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+