Driton Veliu im Porträt

Der Tanzlehrer des K-Pop

Driton Veliu war seiner Zeit voraus, als er 2011 das erste Mal einen Tanzkurs für K-Pop anbot. Doch er hatte das Potenzial der Musikrichtung erkannt. Heute hat Veliu zwei Tanzschulen in Bremen.
07.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Tanzlehrer des K-Pop
Von Maurice Arndt
Der Tanzlehrer des K-Pop

K-Pop-Tanzlehrer Driton Veliu.

Frank Thomas Koch

An den Hit „Gangnam-Stlye“ des südkoreanischen Hip-Hop-Interpreten, pardon, K-Pop-Sängers Psy, dürften sich noch viele erinnern. Der im Sommer 2012 veröffentlichte Titel wurde schnell zum Sommerhit und machte K-Pop (für koreanische Pop-Musik) im Westen für die breite Masse bekannt. „Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis K-Pop viele andere erfolgreiche Musiker wie mich hervorbringt“, sagte Psy ein knappes Jahr später. Für Driton Veliu war K-Pop da bereits ein alter Hut. In seiner Tanzschule in Oslebshausen unterrichtete er bereits seit zwei Jahren den zur Musikrichtung gehörigen Tanz K-Pop-Dance – als erste Tanzschule in Deutschland.

Alles begann im Laufe des Jahres 2011, also noch ein Jahr vor Gangnam-Style. Veliu hatte da gerade seit einem Jahr seine eigene Tanzschule. Zuvor war der heute 47-Jährige bei einer Tanzschule in Oldenburg angestellter Tanzlehrer. „Eine Gruppe von Mädchen kam zu mir und fragte, ob sie in meiner Musikschule K-Pop-tanzen können“, berichtet er. Zunächst stand er der Tanz- und Musikrichtung etwas skeptisch gegenüber. Nach etwas Recherche erkannte er aber, dass es in Bremen bereits eine starke Szene gab. Zudem sah er das Potenzial von K-Pop, der mittlerweile mit Gruppen wie „BTS“, „Got7“ oder „Blackpink“ weltweit Rekorde bricht: „Die Mädchen haben die koreanischen Musikgruppen verehrt, wie ich damals US-Boybands verehrt habe.“ Die Musik habe Volumen, pompöse Shows und „aktuell die besten Tanzchoreografien weltweit“. Und dann war da noch diese eine Kleinigkeit, die ihm den letzten Ruck gab: Seine Frau ist Halbkoreanerin.

Zusammen mit Velius ehemaliger Schülerin Lisa Schwintek leitete sie den ersten K-Pop-Kurs. Danach kam schnell eins zum anderen. Im Jahr 2012 rief Veliu einen K-Pop-Tanzwettbewerb im Bürgerhaus Oslebshausen ins Leben, bei dem die Teilnehmer Tänze der koreanischen Boy- und Girlgroups nachtanzen sollten. „Damit sie sich selbst einmal wie die Stars fühlen können.“ Die Veranstaltung wurde gleich gut angenommen, auch weil parallel Gangnam-Style für ein starkes Interesse sorgte. Später wurde das südkoreanische Konsulat in Hamburg Mitausrichter. Heute ist die Driton Dance School eine erfolgreiche Tanzschule, unter anderem mit Titeln im Hip-Hop-Tanz, mit zehn Tanzlehrern und knapp 350 fixen Mitgliedern. Außerdem besitzt Veliu, der auch immer noch selbst unterrichtet, eine zweite Tanzschule, die DDY in Beverstedt.

Velius Weg zum Tanzschulen-Betreiber beginnt jedoch weit vor dem Jahr 2010. Er stammt ursprünglich aus dem Kosovo, floh vor dem Krieg nach Deutschland. In seinem Heimatland war er mehrfacher Europameister im Street Dance. „Wir waren immer schon eine tänzerische und musikalische Familie. Ich habe bereits mit drei Jahren zu den Worten meiner Mutter getanzt“, sagt Veliu.

Was er tanzte, änderte sich über die Jahre immer wieder. In jungen Jahren brannte er für den Disco Dance. „Ich habe mich als John Travolta verkleidet und Saturday Night Fever getanzt.“ Später kam er über den Street Dance und die Salsa zum Hip-Hop. Und hier entsteht die Verbindung zum K-Pop. „Das wollen einige oft nicht hören, aber: Beim K-Pop tanzt man Hip-Hop.“ Zwar kämen beim K-Pop oft noch spezielle Bewegungen mit Wiedererkennungswert hinzu, etwa Psy mit seinem imaginären Pferderitt. Die Grundlage sei aber Hip-Hop, einer der Gründe, warum er selbst auch diese Tanzrichtung unterrichten kann.

Doch worin liegt eigentlich seine Motivation beim Tanzen? Denn auch nach 45 Jahren – das merkt man im Gespräch mit ihm – lebt er noch für diesen Sport, diese Kunst. Für Veliu ist Tanzen mehr als das. Immer wieder spricht er, wenn er über das Tanzen redet, von Familie. Damit meint er nicht nur die Begeisterung seiner Brüder, Schwestern und Onkel für den rhythmischen Sport, sondern auch seiner Tanzschüler. Gerade erst hat er tanzschulintern einen digitalen Wettbewerb ausgerufen, um im Kontakt mit ihnen zu bleiben. Von so gut wie jedem habe er die Handynummer. „Wir sind eine große Familie. Die Freude in den Gesichtern meiner Schülerinnen und Schüler beim Tanzen und ihre Entwicklung zu sehen, das fehlt mir“, sagt Veliu.

Den engen Kontakt, den er mit seinen Tänzerinnen und Tänzern pflegt, sei auch dem Tanzen selbst geschuldet. „Tanzen öffnet die Menschen“, sagt er. Gleichzeitig bringe es Menschen zusammen. Das sei beim K-Pop sehr deutlich zu beobachten. „Das ist eine starke und gut vernetzte Gemeinschaft. Die halten zusammen.“ So etwas beeindruckt ihn und gibt ihm das Gefühl, mehr zu sein als nur ein Tanzlehrer. Sondern auch ein Mentor, der zuhört und Hilfe gibt.

In verschiedenen sozialen Projekten kommt diese Seite seiner Persönlichkeit zum Tragen. Etwa bei einem Austauschprogramm zwischen Deutschland, Polen und Marokko oder dem Projekt „Kribbeln im Bauch“. Dort arbeitet er mit Neuntklässlern eine Woche zusammen und versucht, über das Tanzen Sucht- und Gewaltprävention zu lehren. Projektleiterin Tanja Wilkens beschreibt Veliu, der immer ein offenes Ohr für die Teilnehmer habe, gar als „Papa des Projektes“.

Ein Papa von Projekten ist er auch abseits von „Kribbeln im Bauch“. Klar, wer unter anderem zwei eigene Tanzschulen aufbaut, ist jemand, den man gemeinhin als Macher beschreiben würde. Doch anders als das Klischee vielleicht vermuten lässt, macht er nicht bloß, wonach ihm gerade ist. Er macht, was anderen hilft und Freude bereitet. Und damit schließt sich auch der Kreis zum K-Pop. Er hat zugehört und erkannt, dass K-Pop-Tanz Menschen Freude bereitet und teilweise in schwierigen Lebenssituationen helfen kann.

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