Paukenschlag beim Bremer HC Ein Abschied mit Tränen

Nationalspielerin Emma Davidsmeyer verlässt im Sommer den Bremer HC. Neuer Klub steht noch nicht fest
07.05.2019, 14:52
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Ein Abschied mit Tränen
Von Frank Büter

Lange hat sie mit sich gerungen, doch nun hat sie ihre Entscheidung getroffen: Emma Davidsmeyer wird im Sommer den Bremer Hockey-Club verlassen. Der Entschluss steht fest, unumstößlich. Als die frisch gebackene A-Nationalspielerin des Bundesligaabsteigers ihre Teamkameradinnen darüber in Kenntnis setzte, gab es Tränen – auf beiden Seiten. Was nicht verwundert. Immerhin hat Emma Davidsmeyer 14 Jahre für den Klub vom Heinrich-Baden-Weg gespielt, als Sechsjährige hat sie beim BHC mit dem Hockey begonnen.

„Mit vielen Mitspielerinnen bin ich quasi von klein auf jeden Tag zusammen gewesen“, sagt Emma Davidsmeyer. „Wir haben gemeinsam viel Zeit im Klub verbracht, wir sind dort verwurzelt, wir sind dort zusammen groß geworden.“ Und sie haben gemeinsam Meisterschaften und Aufstiege bis hoch in die Bundesliga gefeiert. Deshalb habe sie sich auch so schwer getan mit ihrer Entscheidung, sagt die 20-Jährige. Jetzt aber sei die Zeit gekommen, die Komfortzone, wie sie es nennt, zu verlassen und etwas Neues zu wagen.

Es ist keine Entscheidung gegen den BHC, sondern eine Entscheidung für ihre weitere Karriere und eine mögliche Laufbahn in der Damennationalmannschaft, in der sie kürzlich erst im Testspiel gegen Kanada in Mönchengladbach ihr Debüt gegeben hat. Mit Blick darauf sei es für sie wichtig, auch künftig in der Ersten Liga zu spielen, betont Davismeyer, die aktuell fest zum Stamm der U 21-Auswahl gehört. Mit der jüngeren Auswahlmannschaft des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) bereitet sich Emma Davidsmeyer auf die im Juli in Valencia (Spanien) stattfindende Europameisterschaft vor. Valencia ist und bleibt für sie in diesem Jahr das große sportliche Ziel – daran hat auch das Debüt im A-Kader von Bundestrainer Xavier Reckinger nichts geändert.

Irgendwann, merkt Emma Davidsmeyer an, wäre für sie ohnehin der Moment gekommen, Bremen zu verlassen. Sie möchte nämlich absehbar ein Medizinstudium aufnehmen, „und das ist in Bremen ja leider nicht möglich“. Ein Studienplatz wurde ihr inzwischen zugewiesen, allerdings in Gießen. Und Gießen ist nicht gerade eine Hockeyhochburg. Daher hat die Bremerin zunächst einmal ein Urlaubssemester beantragt und ist derzeit bemüht, den Studienplatz zu tauschen. Sie möchte verständlicherweise dort studieren, wo sie auch einen attraktiven Erstligisten in der Nähe hat. Wo das sein wird, ist noch völlig offen, sagt Davidsmeyer. Sie hat einige gute Optionen und ist gerade dabei, Vor- und Nachteile abzuwägen. Zeitlichen Druck verspürt sie dabei nicht, die Wechselfrist endet erst am 31. Juli.

An diesem Sonntag um 11.30 Uhr steht für den BHC und Emma Davidsmeyer auf eigener Anlage das letzte Erstligaspiel der Saison an, Gegner ist Rot-Weiß Köln. Für die technisch und athletisch starke Allrounderin ist dieses Spiel gegen Köln das letzte im Trikot des Bremer HC. Der Gedanke daran stimme sie schon länger etwas wehmütig, sagt Davidsmeyer. „Aber ich freue mich darüber, mit einem Heimspiel aufzuhören.“ Einmal noch wird sich die Nationalspielerin also dem heimischen Anhang präsentieren, einmal noch wird sie ihr Bestes geben, um mit ihrem Team zum Abschluss vielleicht doch noch einen Sieg einzufahren.

Anschließend wird das Team im Klubhaus gemeinsam die Saison ausklingen lassen. Auch darauf freut sich Emma Davidsmeyer, denn „wir werden dann schon noch etwas feiern“. Schließlich könne man stolz darauf sein, überhaupt bis dahin gekommen zu sein. Bis in die Bundesliga, die der BHC mit – Stand jetzt – nur vier Zählern auf der Habenseite als abgeschlagenes Schlusslicht nach nur einer Saison wieder verlassen muss. Die Reise durch die Erstligalandschaft der Republik mit dem BHC, mit ihrem Heimatverein, wird die Nationalspielerin trotz der ausgebliebenen Erfolge in positiver Erinnerung behalten. „Es war eine tolle Erfahrung“, sagt Davidsmeyer. „Wir haben uns in diesem Jahr alle weiterentwickelt und einen großen Schritt nach vorne gemacht.“ Jetzt macht Emma Davidsmeyer den nächsten großen Schritt – und zwar allein.

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Zur Sache

Nyland kehrt nach Irland zurück

Ein letzter Spieltag ist traditionell auch ein Tag des Abschieds. Wenn die Hockeydamen des Bremer HC am Sonntag auf eigener Anlage auf RW Köln treffen (Beginn: 11.30 Uhr), bestreitet nicht nur Eigengewächs Emma Davidsmeyer ihr letztes Spiel für den Klub vom Heinrich-Baden-­Weg. Auch die im vergangenen Sommer verpflichtete Edel Nyland läuft gegen Köln zum letzten Mal im BHC-Dress auf. Die irische U 23-Auswahlspielerin, mit aktuell drei Treffern nach Juliane Grashoff immerhin die zweitbeste Torschützin des Teams, zieht es zurück nach Irland. Weitere Verabschiedungen wird es wohl nicht geben, da Cheftrainer Martin Schultze personell auch für die zweite Liga mit den Argentinierinnen Luciana Galimberti und Agueda Moroni sowie der inzwischen ohnehin fest nach Bremen gezogenen Celeste Gandolfo plant.

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